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Zwischen Minen und Militär, Touris und Täuflingen – ein Trip an den Jordan

Kennst du dieses Gefühl: etwas zu erleben, das für dich längst nicht so besonders ist, wie es für andere Leute wäre – und sich deshalb irgendwie fehl am Platz zu fühlen? Fast schon ein schlechtes Gewissen zu haben? Mir geht es hier ziemlich oft so.

Jemandem, der nicht gläubig ist, kann Israel wie ein religiöser Themenpark vorkommen. Man spaziert einfach so herum, und schwupps, plötzlich steht man da, wo vor 2500 Jahren der zweite Tempel errichtet wurde. Oder Mohammed in den Himmel fuhr. Oder Jesus geboren/gestorben/auferstanden ist. Lauter heilige Orte also, an denen ich aber nicht mehr bin als eine Touristin.

Als Touristin bin ich auch am vergangenen Sonntag zum Jordan gefahren – an genau die Stelle, an der Jesus getauft worden sein soll. Dort feiert die griechisch-orthodoxe Kirche jedes Jahr am 6. Januar des Julianischen Kalenders (der unserem knapp zwei Wochen hinterherhinkt) die „Teophanie“, das Tauffest.

"Danger Mines!" in der militärischen Sperrzone in der West Bank

Dieser besondere Ort befindet sich heute mitten in militärischem Sperrgebiet. Schon die Anfahrt ist einschüchternd, denn seit dem Sechstagekrieg liegen hier überall Minen, vor denen auf den gelben Schildern eindrücklich gewarnt wird.

Tauffest am Jordan

Die Taufstelle selbst ist an diesem Tag voller Schaulustiger, zwischen denen sich die Täuflinge in ihren weißen Gewändern tummeln.

Tauffest am Jordan

Der Jordan, der zugleich die Grenze zwischen der West Bank und Jordanien ist (und einer der größten Streitpunkte zwischen Israelis und Palästinensern), ist hier nur etwa sechs Meter breit. Das Nachbarland ist gerade mal zwei beherzte Schwimmzüge entfernt. Damit das auch ja niemand ausnutzt, ist jede Menge Militär vor Ort.

Tauffest im Jordan
Tauffest am Jordan

Tauffest am Jordan

Die Täuflinge, die vor allem aus Osteuropa und Russland stammen, bleiben ohnehin alle brav. Ich schaue mir an, wie die Frauen vorsichtig die Zehen ins schmutzige Wasser stecken und dann zaghaft hinein steigen, während die Männer beherzt voranschreiten und oft gleich mehrfach im schmutzigen Wasser untertauchen.

Und schon habe ich wieder dieses Gefühl: Für die Gläubigen muss das ein sehr besonderer Moment sein. Sie sind von dem Wasser umgeben, mit dem der Sohn ihres Gottes getauft wurde. Es ist einer ihrer höchsten Feiertage. Viele von ihnen träumen sicher seit Jahren davon, ihn einmal an diesem Ort zu zelebrieren. Und ich? Bin eine Voyeurin, neugierig auf Religion und Rituale und Emotionen, die ich so nicht nachempfinden kann, aber zumindest kennenlernen will.

Tauffest am Jordan

Tauffest am Jordan

Tauffest am Jordan

Ich frage mich, wie intensiv man als religiöser Mensch einen solchen Moment fühlen kann, wenn drumherum Touristenscharen gaffen. Wenn etwas weiter oben orthodoxe Geistliche die griechische Liturgie feiern und direkt nebenan eine Pfadfinderkapelle aus Jericho „Freude schöner Götterfunken“ spielt. Wenn der nächste Soldat nie weiter als zehn Meter entfernt steht.

Tauffest am Jordan

Wo hast du dich als Tourist schon einmal fehl am Platz gefühlt? Warst du vielleicht umgekehrt auch schon in einer Situation, in der du von Touristen gestört wurdest?