Journalistin & Moderatorin

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E-Mail von Eva: Ich bin Zuhause, ihr seid überall

Liebe Facebook-Freunde, es reicht!

„Sebastian checked in at Paris Airport“, „Unterwegs nach Singapur.“, „Endlich in Cape Town!“ Ständig spammt ihr mich mit euren internationalen Aufenthaltsorten voll. Dabei ist es echt unwahrscheinlich, dass einer eurer 400 Freunde zufällig auch gerade in „New York City“ eingecheckt hat. Der einzige Zweck, den dieses Status-Update hat, ist, mir als Daheimgebliebener unter die Nase zu reiben, dass eurer Leben viel aufregender ist als meins. Dieses Kosmopolitengeprolle nervt! Müsst ihr euch wirklich darüber profilieren, wo ihr gerade Auslandssemester oder Rundreisen macht?

Okay, vielleicht bin ich nur neidisch. Ich habe nämlich noch kein Praktikum in New York absolviert, und aus dem Auslandssemester in Kuala Lumpur ist auch nichts geworden. Ich glaube, ich hatte einfach Schiss. Davor, eine Unterkunft in der fremden Großstadt finden zu müssen. Mir den Magen zu verderben. Oder mich zu verlaufen und niemanden zu haben, der mir hilft.

Ihr reist in den nächsten Semesterferien bestimmt wieder in die große, weite Welt hinaus. Ich besuche dann meine Verwandten im Harz. Vielleicht poste ich von dort ausnahmsweise auch mal ein Status-Update: „Eva just checked in at Tante Käthi in Osterode.“

ZEIT Campus, Mai/Juni 2012