Celeste & Jesse Forever

Celeste & Jesse Forever

„Nailed that divorce.“

Am Anfang war ich mir noch nicht sicher. Da scheinen Celeste (Rashida Jones) und Jesse (Andy Samberg) das perfekte Paar zu sein: Sie verbringen viel Zeit miteinander, haben ihre eigenen, nicht zu kitschigen Rituale und sagen sich zur Verabschiedung, dass sie sich lieben. Doch dann flippt ihre gemeinsame beste Freundin plötzlich aus: „WHAT THE FUCK are you two doing?“ Denn Celeste und Jesse sind eigentlich seit einem halben Jahr getrennt.

Ha! dachte ich. Doch wieder ein Film von dieser Sorte: Das moderne chick flick, das erst anfängt, wenn die Beziehung der Hauptdarsteller längst beendet ist. Dieses Mal spielt es an der Westküste, und wieder hat man bei den Schauspielern diese dringende „Woher kenne ich die bloß?“-Frage im Kopf, ohne sie innerhalb der nächsten 90 Minuten beantworten zu können.

Das führt dazu, dass man Andy Samberg (den ich in dem echten chick flick „Friends with Benefits“ gesehen hatte) und Rashida Jones (die in „The Social Network“ die junge Anwältin spielte) ganz neu entdeckt und sich unbändig darüber freut, dass es in den Staaten doch noch so gute und gar nicht oberflächliche Darsteller gibt. Insbesondere Rashida Jones, die das Drehbuch mitverfasst und sich ihre Rolle auf den Leib geschrieben hat, spielt so ehrlich und mit einem wunderbaren Sinn für Humor, dass man sich umso dringender wünscht, sie möge wieder mit Jesse zusammenkommen.

Aber das wäre ja zu leicht. Stattdessen stürzt sich Celeste in eine Reihe fragwürdiger Dates und in ihre Arbeit als Trendforscherin (wie gesagt, Westküste – da machen alle so coole Sachen!). Unterdessen besucht Jesse plötzlich vegane Cafés, muss weinen, wenn er die Aufnahmen des triumphierenden deutschen Gewichthebers Matthias Steiner im Fernsehen sieht und hat sowieso noch ganz andere Probleme.

Das mag ich an diesem Film: Dass er keine zu schwere Kost ist und einen trotzdem sowohl mitfühlen als auch -lachen lässt. Dass er niemals stumpf oder blödelig ist, sondern mit mancher Wendung überrascht. Und dass er bis in die letzte Nebenrolle großartig besetzt ist. Elijah Wood begeistert als Celestes schwuler Arbeitskollege, Chris Messina hätte sowieso endlich mal eine Hauptrolle verdient und die vermeintlich brave Emma Roberts kann neuerdings auch rotznasig.

Allmählich verdichtet sich also mein Bild dieses neuen Genres. Moderne chick flicks stellen neue Fragen an die Liebe. „Celeste & Jesse Forever“ fragt: Wie soll ich damit umgehen, wenn mein Ex und ich uns noch viel zu gut verstehen? Denn das führt nicht zwingend zum Happy End – noch so eine Eigenschaft dieser neuen Filme. Und die sind so “nett”, dass sich am Ende niemand mehr dafür schämen muss, eine amerikanische Liebeskomödie angeschaut zu haben.