In der neuen Folge von „Klub Konkret“, die am kommenden Mittwoch ausgestrahlt wird, geht es um Kommunikation. Wir fragen, was die Smartphones mit uns machen – und noch machen werden. Aus diesem Anlass kommt Marcel uns besuchen (juhu!) und ich habe mich im Zukunftslabor der Telekom ausgetobt. Dort ist mir aufgefallen: Mein Telefon hat mein Leben längst verändert. Dabei geht es oft bloß um Details. Drei Beispiele.
Ich sitze am virtuellen Frühstückstisch
Was die iPhones unserer Familie angeht, bin ich als fleißiger Early Adopter vorangeschritten. Dann bekamen auch Papa und Opa eines, meine Schwester zog nach, und weil dann alle eins hatten, brauchte Mama natürlich auch eins. Anfangs fand ich das affig. Doch dann entdeckten meine Eltern die Gruppenfunktion von Whatsapp. Seit wir eine „Familien“-Gruppe haben, ist es, als säßen wir wieder alle gemeinsam am Frühstücktisch – nur ist der eben virtuell. Mein Vater tickert live den Abriss des Nachbarhauses, meine Schwester Julia schickt uns ein Foto von der dicken Spinne hinter ihrem Bett und Mama beantwortet Fragen nach Versicherungen oder Waschanleitungen. Besonders lustig ist es, die Unterhaltungen der anderen zu beobachten. Zumindest für Julia. Neulich zum Beispiel, als ich zu Besuch bei den Eltern war (die an diesem Abend ausgingen) und sie sich einen gemütlichen Abend in ihrem 380 Kilometer entfernten Zuhause machte.
Papa (00:54) Hallo Eva kannst du uns jetzt abholen?
Eva (00:55) Das war ernst gemeint? Ich liege gerade im Bett!
Julia (00:56) Darf ich lachen?
Papa (00:56) Ja
Julia (00:57) aaahh ich schmeiß mich weg :D
Eva (00:59) Dann kannst du sie ja abholen
Eva (00:59) !
Julia (01:00) uuund Julia lacht weiter
Julia (01:00) sorry
Inzwischen kann ich auch darüber lachen… Das eigentlich Tolle ist aber: Bevor wir alle diese App hatten, haben wir uns am Telefon lediglich die wichtigsten Dinge erzählt. Aber dabei ging der Alltag verloren. Über Whatsapp und iMessage ist es möglich, auch kleine Begebenheiten, die man sonst schnell wieder vergessen würde, gleich mit anderen zu teilen.
Ich kann mich nicht mehr entscheiden
Sich fürs Fernsehen anzuziehen, ist lange nicht so simpel, wie ich dachte. Man darf nichts Kleinkariertes tragen und nichts mit Glitzer. Schlabbershirts sind auf dem Bildschirm noch schlabberiger, V-Ausschnitt kommt besser als Rundhals und wehe, man sieht irgendwo Schweißflecken. Dummerweise vergesse ich das (noch) immer wieder, und so stehe ich am Abend vor den „Klub Konkret“-Aufzeichnungen meist verzweifelt vor meinem Kleiderschrank und weiß irgendwann nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Das ist der Moment, in dem ich mich mit dem Handy vor den Spiegel stelle und meiner Freundin Katya Fotos schicke. Das gleiche passiert in der Umkleidekabine beim Sommerkleidkauf oder wenn ich mir nicht sicher bin, ob die Schuhe mit den Keilabsätzen ihren Preis wert sind. Katya ist eine sehr gute Stylingberaterin, selbst aus der Ferne, und doch frage ich mich jedes Mal: Wie hätte ich dieses „Problem“ vor zwei Jahren gelöst, als ich noch kein Smartphone mit hochauflösender Kamera und Internetflat hatte? Ich hätte mich einfach entschieden. Heute frage ich allzu schnell die anderen nach ihrer Meinung – es ist ja so leicht! Mein Telefon sorgt dafür, dass ich nicht mehr so gut Entscheidungen treffen kann.
Ich kann meinem Kalender nicht mehr trauen
Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Ich habe das nicht bei Facebook eingetragen, weil mir die vielen unpersönlichen „Alles Gute!“-Nachrichten, die man dann bekommt, auf den Geist gehen. Ich finde, an Geburtstagen soll man anrufen oder eine Karte schreiben, alles Andere ist überflüssiger, weil liebloser Humbug. In diesem Jahr habe ich also keine „Happy Birthday ♥“-Pinnwandposts gelesen, aber dafür gleich mehrmals zögerliche Anrufer gehört, die mich mit „Ich habe da einen Verdacht“ oder „Kann es sein, dass du heute Geburtstag hast?“ begrüßten. Die Gratulanten hatten den Termin in ihren Kalendern stehen, aber Facebook konnte ihn nicht bestätigen. Das machte sie misstrauisch. Ich war wirklich überrascht – trauen wir dem Netzwerk heute eher als unserer eigenen Handschrift?


Also ich habe die Geburtstage meiner Freunde und Familienmitglieder im Kopf. ALLE! *harr*
Interessante Gedanken. So hatte ich das noch gar nicht aufgefasst – dabei haben zumindest mein Vater und meine Schwester ein Smartphone. Aber am immer wieder schief hängenden Familiensegen würde vermutlich auch der virtuelle Küchentisch nix ändern.
Was den Facebook-Kalender angeht, bin ich mal böse reingefallen, weil jemand ein falsches Datum angegeben hatte. Seitdem traue ich meinem normalen (ok, Google-)Kalender wieder mehr als Facebook – und mache daran auch fest, ob ich der Person nicht lieber persönlich gratuliere, wenn sie schon so wichtig ist, dass ich ihren Geburtstag schon vor Facebook kannte und notiert habe.
das mit dem Geburtstag auf Facebook ist wirklich irgendwie eine seltsame Sache. Viele denken da so wie Du und nehmen ihr Datum raus, was mir z.B. nicht besonders in die Karten spielt (weil man sich auch irgendwie darauf verlässt das Datum dort zu finden anstatt es in den eigenen Kalender einzutragen, was ja nun wirklich erlaubt sein muss).
Ich hatte meinen Geburtstag auch selbst mal aus diesem Grund herausgenommen. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es nicht darauf ankommt wie viele beiläufige Geburtstagswünsche ich bekomme von Menschen die ich nur sehr flüchtig kenne, sonder darauf, dass die Menschen denen ich wichtig bin die Möglichkeit haben an meinen Geburtstag erinnert zu werden ohne das ich die Erwartungshaltung habe alle Freunde müssten mein Geburtstagsdatum auswendig kennen und dann auch noch daran denken.
Es ist doch nicht wirklich wichtig den Geburtstag von jemandem zu kennen der einem wichtig ist, oder definierst Du darüber “wichtigkeit” bzw. Freundschaft?
Und die Unterscheidung in unseren Köpfen wo eine so “wichtige” Nachricht verschickt wird ist doch bei genauerer Betrachtung auch unsinnig. Es geht mir zwar genauso, aber grds. ist eine Nachricht per Email, Postkarte oder eben bei Facebook absolut gleichbedeutend und ein Telefonat eigentlich auch (im Hinblick auf die reine Mitteilung, dass man an Jemanden denkt und ihm alles gute wünschen möchte geht es um die Aussage, nicht um das Medium), nur hier kann man natürlich gleich noch etwas mehr quatschen (was aber auch nicht immer passt).
Ob ein Freund nur dann ein guter Freund ist, wenn er an deinen Geburtstag denkt, ist ja noch mal ein ganz anderes Thema! Ich habe jetzt wieder festgestellt, dass ich überhaupt nicht daran denke, wer sich nicht meldet, sondern viel mehr überrascht bin, wer sich alles meldet, an den ich gar nicht gedacht hätte!
Wer hat seinen Kalender denn heute noch in Handschrift? :P
Der ist bei mir ebenso im Smartphone und damit auch automatisch auf alle anderen Geräte gesynct.
Manchmal, ganz manchmal, denke ich mir auch: “Hmm, bin wohl doch noch kein richtiger Digital Native, Mist!” Aber Kalender, Bücher und Einkaufszettel müssen für mich einfach noch aufs Papier. Sorry.
Alles Gute nachträglich!
Danke!
In welchem Zukunftslabor denn? (arbeite bei T und bin neugierig)
In der sogenannten “T-Gallery” in Bonn – siehst du dann am Mittwoch um 20:15 Uhr auf Einsplus ;)
Ich finde diesen ganzen Smartphonewahn mehr als fragwürdig. Ich bin inzwischen der letzte in meinem Freundeskreis, der sich dem Trend noch nicht gebeugt hat und langsam wird es wirklich schwer weiter stark zu bleiben, weil der Alltag inzwischen schon fast so ausgerichtet ist, dass jeder ein Smartphone hat und immer und überall auf das unendliche Wissen des World Wide Web zugreifen kann.
Meiner Meinung nach, sind diese Telefone, zumindest in manchen Fällen, auch totale Kommunikationskiller. Es passiert nicht gerade selten, dass bei kurz aufkommender Ruhe im Raum, die anwesenden ihre Smartphones zücken und Facebook checken oder sonst irgendwas Überflüssiges nachgucken. Natürlich fördern die Apparate auch die digitale Kommunikation, aber die Sprache leidet sicherlich auch ganz erheblich unter Abkürzungen oder sonstigen chat-typischen Ausdrücken.
Und der wohl größte Vorteil, den ich als Benutzer eines älteren Telefons genießen kann: Der Akku meines Mobiltelefons hält bei mittlerer Benutzung ca. eine Woche!
Bin mal gespannt zu welchem Ergebnis ihr gekommen seid.