Wie ich neulich beinahe Feministin geworden wäre

Das war so: Ich fuhr in ein zugegebenermaßen nicht sonderlich großes, aber eben auch nicht sonderlich volles Parkhaus und nahm mir ein bisschen Zeit, um die am besten beparkbare Lücke ausfindig zu machen. Ich fand sie in der Ecke hinten rechts. Sie und mich trennte nur noch eine schmale Parkhausgasse, in der ein Mann mit seinem dicken schwarzen Wagen stand. Er sah mich mit durchdringendem Blick an, als ich mein kleines blaues Auto vorsichtig an ihm vorbei manövrierte. Ich dachte mir eigentlich nichts weiter dabei und parkte ziemlich bravourös ein. Hinten rechts.

Auf meinem Weg aus dem Parkhaus heraus musste ich wieder durch die Gasse – dieses Mal zu Fuß – und wieder an dem Mann vorbei, der merkwürdigerweise immer noch da stand. Als ich auf der Höhe seines Wagens war, ließ er das Fenster herunter und fuhr mich an: „Was soll das eigentlich? Direkt hier ist ein freier Frauenparkplatz, warum fährst du nicht gefälligst da drauf? Ich kann mich da nicht hinstellen, und ihr nehmt uns hier die Parkplätze weg, ihr TROTTEL!“

Entgegen dem Klischee fielen mir auf der Stelle ein paar ziemlich gute Konter ein, aber die waren irgendwie auch unter meinem Niveau. So erklärte ich ihm nur, dass ein freier Frauenparkplatz noch lange nicht verpflichtend sei, und drehte ihm den Rücken zu. Wirklich geplättet war ich erst, als ich aus dem Parkhaus raus ans Licht trat.

Noch nie hat mich ein wildfremder Mensch in der Öffentlichkeit beschimpft, und schon gar nicht dafür, dass ich eine Frau bin. Ich habe mich fürchterlich geärgert und kurz überlegt, ob ich jetzt doch Feministin werden muss.

Bisher hatte ich damit nicht viel am Hut. Ich finde es komisch, als Mitglied einer Gruppe, der etwa 51 Prozent der Weltbevölkerung angehören, ständig so zu tun, als sei man in der Minderheit. Die Feministinnen, die ich bisher getroffen habe, gaben mir so merkwürdige Ratschläge wie: „Auf einem Bewerbungsfoto solltest du auf keinen Fall lächeln, da wirst du als Frau nicht ernst genommen.“ Dass ich nicht lache!

Und wenn dann alle über die Frauenquote diskutieren und behaupten, ohne sie würde es nie was mit den Chefinnensesseln, denke ich manchmal heimlich: „Das kann mir ja nicht passieren.“ Das mag naiv sein oder eben sehr selbstbewusst – oder auch Selbstschutz. Aber ich möchte einfach nicht aufgrund einer Quote eingestellt werden, sondern weil ich die UND der beste für einen Job bin.

Letztendlich ist es doch mit der Frauenquote zumindest zu einem großen Teil so wie mit den Frauenparkplätzen: Beide gibt es vor allem deshalb, weil zu viele Männer in der Vergangenheit Mist gebaut haben.

11 Kommentare

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  1. Heike sagt:

    Oder auch zuviele Frauen…

  2. Heike sagt:

    Ja, prima Text, danke :)
    So ist es: Es gibt viele Fragen dazu und wenig Antworten. Ich glaube aber wirklich, dass viele Frauen es nicht anders wünschen. Und wenn das so ist, dann ist das auch ihr gutes Recht.

  3. Stef sagt:

    “Beide gibt es vor allem deshalb, weil zu viele Männer in der Vergangenheit Mist gebaut haben.”

    Eben. Und daher auch Feminismus.

    Ich versteh’s immer nicht wenn Frauen so tun als wäre “Feminist” ein Stempel den man sich gar keines Falls aufdrücken will. Dabei geht es einfach um Gleichberechtigung.
    Es ist nun mal schlichtweg so dass es Männer gibt, die sagen sie könnten keine (attraktiven) Frauen einstellen weil ihnen dann vorgeworfen werden könnte, sie hätten die Dame ALLEIN wegen ihres Aussehens eingestellt, da konnte sie noch so qualifiziert sein. Und es ist ebenfalls schlichtweg so dass ein Mann so gut wie immer einer Frau vorgezogen wird, die dieselben Qualifikationen hat, einzig und allein aus dem Grund, dass ein Mann nicht mal eben schwanger werden und ein Jahr bezahlten Urlaub nehmen kann.
    Frauen sind benachteiligt, da muss man nicht erst so tun, und deshalb ist die Frauenquote vermutlich leider erstmal notwendig, denn sonst ändert sich da nichts.

    Aber ich finde, wenn du – genau wie ein Mann – aufgrund deiner Qualifikationen und NUR aufgrund deiner Qualifikationen eingestellt werden willst, dann solltest du dich auch mit dem Wort “Feminist” anfreunden können.

  4. Florian La sagt:

    Nun denn.. Eva mein kleines blaues Auto darf ebenso auf den gekennzeichnetten Parkplätzen parken. Diese sind keineswegs für die 51% Minderheit reserviert. Es sind nur die Parkplätze mit den kürzesten Weg zum Ausgang (Fluchtmöglichkeit) entsprechend gekennzeichnet und gern auch mal Videoüberwacht.
    Da aber natürlich bei Nutzung eines solchen das Gezeter mit der Minderheit los geht, empfiehlt es sich auf diesen zu verzichten. Ich hab halt lieber meine Ruhe als Recht. Letztere Einstellung unterscheidet wohl auch ne Feministin von den “normalen” Mädels. Grüße :)

  5. Julian sagt:

    Ich gönne den Frauen ihre Frauenparklätze. Die Frauenquote finde ich dagegen eher… dingens.

    Als wirklich ungerecht habe ich zu meinen Zivi-Zeiten empfunden, dass Frauen damals bereits zum Bund durften, aber es für Frauen keinerlei Pflichtjahr gab. Schweinerei!

    Naja, egal. Ich bin jedenfalls schon riesig gespannt, wie sich diverse Rollenmodelle in den nächsten 50 Jahren weiterentwickeln werden.

  6. Viktoria sagt:

    Hallo, Eva!
    Ich bin über Facebook hierhin gekommen. Ich kommentiere sonst eigentlich nicht – dieses Thema liegt mir aber sehr am Herzen.
    Meine Meinung: So lange Frauen in Situationen wie diese geraten (und das tun sie überall und vor allem am Arbeitsplatz; auch die, denen es nicht an Talent, Ambition und Durchsetzungskraft mangelt und die keinem Rollenklischee entsprechen), ist Feminismus unbedingt angebracht.

    Viele Grüße von
    Viktoria

  7. Heike sagt:

    Eva ist einem Deppen begegnet. Gegen die hilft kein Feminismus.

    Mir wäre lieber, es würde von Gleichberechtigung geredet, anstatt die Lage so einseitig zu betrachten. Feminismus spaltet doch auch nur wieder.

  8. Lutz sagt:

    Nebenbei sei angemerkt, dass es Männern nicht verboten ist, auf Frauenparkplätzen zu parken. Ebenso wie man auch als Einzelperson auch auf den “Familien-” bzw. “Mutter+Kind-Parkplätzen” parken darf. Das sind nur Empfehlungen die im Gegensatz zu Behindertenparkplätzen nicht rechtlich verbindlich sind.
    Der Typ hätte sich also durchaus auch auf einen Frauenparkplatz stellen können. Aber das hat er sich verutlich nicht getraut …

  9. Sascha sagt:

    Ich sehe es genau wie Heike…
    Das war einfach ein Idiot!

    Hätte auch genauso sein können, das es die Automarke, die Brille oder Musik im Auto gewesen wären.

    Haters will hate…ob nun Männlein oder Weiblein. ;-(

    Und außerdem: Bleib ja wie Du bist! ;-D

  10. Melanie sagt:

    schade, dass es nur für ein ‘fast’ gereicht hat. feministin sein heisst doch nur, sich gegen die benachteiligung qua geschlecht zu wehren. und dazu: “Und wenn dann alle über die Frauenquote diskutieren und behaupten, ohne sie würde es nie was mit den Chefinnensesseln, denke ich manchmal heimlich: „Das kann mir ja nicht passieren.“ Das mag naiv sein oder eben sehr selbstbewusst – oder auch Selbstschutz. Aber ich möchte einfach nicht aufgrund einer Quote eingestellt werden, sondern weil ich die UND der beste für einen Job bin” habe ich selber mal was geschrieben:

    http://gluecklichscheitern.wordpress.com/2009/11/19/ich-ne-quotenfrau/

    http://gluecklichscheitern.wordpress.com/2011/04/30/oh-bitte-liebe-zeit-oder-bose-feministinnen-teil-189/

    LG, Melanie

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