„Wenn ihr Scheich sein Geld zum Fenster hinaus werfen möchte, warum kauft er sich keinen Fußballverein oder sowas?“
Eigentlich ist es eine tolle Geschichte: Der Lachsexperte Dr. Alfred Jones wird von einer gewissen Harriet Chetwode-Talbot angefragt. Deren Auftraggeber, ein jemenitischer Scheich, hat sich in den Kopf gesetzt, das Lachsfischen in den Wüsten des Jemens einzuführen. Was zunächst als unmögliches Unterfangen erscheint, wird plötzlich ganz einfach, als die PR-Chefin der britischen Regierung davon Wind bekommt. Gute Nachrichten aus dem nahen Osten kann sie gerade gut gebrauchen. Und so ziehen schließlich alle an einem Strang, um das Unmögliche möglich zu machen.
Als satirischer Politroman war diese Geschichte von Paul Torday in Großbritannien ein Bestseller. Dementsprechend hatte ich mit einem bissig-lustigen Film im Stil von „Der Krieg des Charlie Wilson“ gerechnet. Doch Regisseur Lasse Hallström begibt sich buchstäblich in eher seichte Gewässer. Er stellt nicht die schwierigen politischen Beziehungen zwischen Briten und Jemeniten in den Vordergrund, sondern die sich anbahnende Liebe zwischen dem verschrobenen Forscher und seiner Auftraggeberin.
Deren Projekt erscheint dadurch viel zu leicht: Sei es, einen Damm mit den Ausmaßen der Drei-Schluchten-Talsperre zu bauen, 10 000 Lachse lebend von England in den Jemen zu transportieren oder sich von einem Kriegseinsatz in Afghanistan zu erholen. Alles funktioniert mit einem Fingerschnippen. Selbst die Bösewichte des Films kann man nicht richtig ernst nehmen.
Die Politsatire verkommt zum „Wohlfühl-Kino“. Dabei hätte sie viel Potenzial für einen anspruchsvollen Film gehabt, der es nicht nur seinen Zuschauern, sondern auch den Darstellern ein bisschen schwerer macht. So sind die tollen Schauspieler an unterkomplexe Rollen verschwendet: Ewan McGregor als dröger Spießer Dr. Jones, Kristen Scott Thomas als übertrieben schrullige PR-Frau und Amr Waked als in sich ruhender, weiser Klischee-Scheich. Auch die weibliche Hauptrolle, gespielt von der wunderbaren Emily Blunt, ist am Ende nur ein 08/15-Mädchen, tough zwar, aber ohne Ecken und Kanten. Immerhin trägt sie stets schöne Klamotten.
Überhaupt ist “Lachsfischen im Jemen” natürlich hübsch anzusehen, und die Dialoge sind auch nicht übel. Der deutschen Film- und Medienbewertung reicht das offenbar schon für ein “Prädikat besonders wertvoll”. Wer also nicht das große Drama, sondern ein liebevoll verfilmtes Märchen erwartet, kommt voll auf seine Kosten.





Kommentiert
Konstantin: Manchmal bringen einem die Facebook-Freunde dann etwas aus der weiten Welt mit (mir gerade ein Fahrrad aus Atlanta). Wenn man nicht wüsste, das...
Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :)
Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/
Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.