E-Mail von Eva: Allergie gegen “Zuhausezuhause”

Sorry, Mama, aber nach ein paar Tagen bei euch fängt meine Nase an zu jucken. Da ist ein Kribbeln, das stärker wird, und schließlich vergeht keine Nacht, ohne dass ich von meinem eigenen Niesen aufwache.

Eigentlich freue ich mich jedes Jahr schon Wochen vorher darauf, euch an Weihnachten zu besuchen. “Zuhausezuhause” nenne ich das, denn “Zuhause” ist ja jetzt meine eigene Wohnung. Ich freue mich auf das festlich geschmückte Haus, auf deine kitschig-schönen Weihnachts-CDs und auf Papas ständige Beschwerden darüber.

Doch nach kurzer Zeit beginnt die Juckerei. Das passiert ziemlich genau dann, wenn ihr aufhört, mich wie einen Gast zu behandeln, und wir alle zurück in alte Rollen fallen. Ich sehe dann zu viel fern, nasche dir deine Lakritze weg und streite mich mit meiner Schwester über Nichtigkeiten. Ihr lasst mich zum Badputzen oder Schneeschippen antreten und regt euch auf, weil ich morgens lieber im Bett liege, statt mit euch zu frühstücken. Und schon bin ich allergisch gegen Zuhausezuhause!

Am Ende freue ich mich sogar ein wenig, wieder in meine Wohnung zu kommen, und ihr freut euch wohl auch ein bisschen, dass ich fahre. Ein schlechtes Gewissen müssen wir deshalb nicht haben. Manchmal ist Telefonieren ja auch ganz schön.

ZEIT Campus, Januar/Februar 2012

8 Kommentare

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  1. Yannick sagt:

    Genauso fühlte ich mich bis eben auch. Ich bin froh, wieder in meinen kleinen vier Wänden zu sein.

  2. Winni sagt:

    Tja, so ist das nun mal, wenn man eine Famile hat. In einer Familie ist man kein Gast, da gehört man dazu. Da trägt man das Gute und das Schlechte, man teilt, bekommt und gibt.
    In eine Rolle zurück fallen kann man ja nur, wenn man das auch zulässt.

    Ich empfinde es als normal, dass man in der Familie einen Anteil hat, damit alles funktioniert und dazu kann auch das Badputzen oder Schneeschippen gehören.
    Sonst hat das was von ausnutzen oder “Hotel-Mama”.
    Sorry, aber dein Blogeintrag kam ziemlich zickig rüber. ;-)
    Aber vermutlich interpretiere ich das falsch.
    Herzlichen Gruß,
    Winni.

  3. Ich fand’s lieb geschrieben und schön, weil trotzdem ehrlich…

  4. Chris sagt:

    Das kann ich nur so unterschreiben. Bin extra 2 Tage früher abgereist, um wieder meine eigene Wohnung genießen zu können.
    Bei den Eltern ist’s eben kein Urlaub. ;)

  5. Max sagt:

    Ich war gerade soooooooooooooo kurz davor es meinen Eltern weiterzuleiten – hatte dann aber doch Angst, sie koennten es mir krumm nehmen. Dennoch – gut, dass Du es aussprichst Eva :)

  6. Sarah sagt:

    Das kommt mir alles sooo bekannt vor. Mir fällt nach spätestens 4 Tagen die Decke auf den Kopf, und Weihnachten doppelt so schnell weil ich Weihnachten nicht mag und alle anderen Leute die man eigentlich gerne sehen würde nur mit eben diesem und Familie beschäftigt sind. Also: Kurzbesuch.
    Irgendwie ist es dann aber trotzdem doch ganz nett

  7. Johannes sagt:

    Sehr bekannt das.
    Besonders dieses Jahr war es sehr deutlich wie bei mir und Freunden die Lautstärke von “endlich wieder im eigenen Bett” zunahm.
    Wer hätte schon gedacht, das man sich so freuen würde endlich wieder bei seinem viel zu leeren Kühlschrank zu sein.

  8. njum sagt:

    Habe deine Kolumne gerade erst im Magazin gelesen und musste schmunzeln. Erstens weil ich es nachvollziehen kann und zweitens weil die Holländer es hier tatsächlich „Thuisthuis”, also „Zuhausezuhause” nennen. Dein Gedanke kommt also nicht von ungefähr. Schönen Gruß!

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