Sorry, Mama, aber nach ein paar Tagen bei euch fängt meine Nase an zu jucken. Da ist ein Kribbeln, das stärker wird, und schließlich vergeht keine Nacht, ohne dass ich von meinem eigenen Niesen aufwache.
Eigentlich freue ich mich jedes Jahr schon Wochen vorher darauf, euch an Weihnachten zu besuchen. “Zuhausezuhause” nenne ich das, denn “Zuhause” ist ja jetzt meine eigene Wohnung. Ich freue mich auf das festlich geschmückte Haus, auf deine kitschig-schönen Weihnachts-CDs und auf Papas ständige Beschwerden darüber.
Doch nach kurzer Zeit beginnt die Juckerei. Das passiert ziemlich genau dann, wenn ihr aufhört, mich wie einen Gast zu behandeln, und wir alle zurück in alte Rollen fallen. Ich sehe dann zu viel fern, nasche dir deine Lakritze weg und streite mich mit meiner Schwester über Nichtigkeiten. Ihr lasst mich zum Badputzen oder Schneeschippen antreten und regt euch auf, weil ich morgens lieber im Bett liege, statt mit euch zu frühstücken. Und schon bin ich allergisch gegen Zuhausezuhause!
Am Ende freue ich mich sogar ein wenig, wieder in meine Wohnung zu kommen, und ihr freut euch wohl auch ein bisschen, dass ich fahre. Ein schlechtes Gewissen müssen wir deshalb nicht haben. Manchmal ist Telefonieren ja auch ganz schön.
ZEIT Campus, Januar/Februar 2012

Silvester über den Dächern von Hamburg
Zwischen den Gipfeln von Österreich
Zu Besuch bei
Unterwegs mit Jungs
Die guten Momente muss man teilen
Am Rand von
Jardin du Luxembourg
Irgendwo in 

Kommentiert
Konstantin: Manchmal bringen einem die Facebook-Freunde dann etwas aus der weiten Welt mit (mir gerade ein Fahrrad aus Atlanta). Wenn man nicht wüsste, das...
Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :)
Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/
Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.