Archiv für November, 2011
Papa und 21 anderen gefällt das
Mein Vater ist seit zwei Jahren bei Facebook. Inzwischen hat er 37 Freunde. Einer davon bin ich.
Ich weiß nicht, warum sich so viele Leute dagegen sträuben, die Freundschaftsanfragen ihrer Eltern anzunehmen. Das ist doch die perfekte Prüfung für jeden Post: Was Papa nicht sehen darf, sollte niemand im Netz zu sehen kriegen. Außerdem ist es doch tausend Mal besser, wenn Eltern dieses Web 2.0 einmal selber ausprobieren, anstatt sich von der massenmedialen Angstmacherei („Datenkrake! Zeitverschwendung! Mobbinggefahr!“) allzu sehr beeindrucken lassen.
Der erste Post meines Vaters lautete zum Beispiel: „Samstag war ich bei: http://www.adelheids-spargelhaus.de/ Dort habe ich Live-Jazz und eine wirklich gute Küche genossen.“ Er hat das sogar mal getwittert, aber das war irgendwie nichts für ihn. Bei Facebook jedoch fühlt er sich wohl. Er teilt regelmäßig Links und Artikel, die er spannend findet (zum Beispiel einen Bericht über die neueste Festnahme bei kino.to auf meiner Pinnwand…). Er abonniert Seiten wie die seines Optikers, seiner Tochter, aber auch „Jeder Mensch bringt Freude in den Raum, manche beim kommen, andere beim gehen“. Und er legt Alben für seine Urlaubsfotos an – allerdings nur Landschaftsaufnahmen, auf denen bloß niemand zu sehen ist. Datenschutz und so, man weiß ja nie.
Für mich ist das sehr spannend, vor allem, weil soziale Netzwerke immer auch der Selbstdarstellung dienen. Ich frage mich manchmal, ob Papas Profil wohl anders aussähe, wenn ich es für ihn angelegt hätte. Wahrscheinlich hätte er ein bunteres Profilbild und unter Lieblingszitate stünde nicht „Heirate und du wirst es bereuen, heirate nicht und du wirst es auch bereuen“. Er würde auch schneller auf die Kommentare seiner Freunde antworten (und nicht erst, nachdem ich ihn daran erinnert habe).
Neulich rief er mich an, an einem Sonntag Morgen, da lag ich noch im Bett. „Eva, Facebook erkennt mich nicht mehr!“, klagte er. Ein paar Tage vorher hatte er versucht, sich aus dem Wanderurlaub von einem anderen Rechner aus einzuloggen und dabei die Verifikation verbockt. „Ich durchsuche schon seit einer Stunde diese Hilfe-Seite, aber da steht rein gar nichts! Die können mir doch nicht einfach mein Profil wegnehmen!“ Ich fand die Seite für den Reaktivierungsantrag mit drei Klicks. Bis der Antrag durch ist, dauert es allerdings ein bisschen länger. So lange kann ich – rein theoretisch – bei Facebook machen, was ich will. Sturmfrei 2.0.



Kommentiert
alex: Hallo Eva, ein schönes Interview und eine technisch ansprechende Umsetzung. Einzige Kritik: Der Ton :) Manchmal musste man doch etwas genauer hinhören...
Nico: Fühlte mich beim Sehen dieses Videos daran erinnert: https://vimeo.com/3608666 9 “I’m not writing it down to remember it later, I am...
anna*: tolle reihe, echt spannend!
anna*: berührend. und das meine ich nicht pathetisch, aber ich weiß mich gerade nicht besser auszudrücken als “das berührt meine seele”.