Archiv für November, 2011

Postkarte aus Tunis

Postkarte aus Tunis

Salamunaleikum! Ich bin in Tunis auf dem Young Media Summit der Deutschen Welle – zusammen mit Kübra und vielen Bloggern aus Deutschland, Frankreich, aber auch Tunesien, Mauretanien oder Marokko. Wir diskutieren über die Demokratisierungsbemühungen in Nordafrika und den Einfluss, den Facebook, Twitter und Blogs darauf haben. Heute haben uns die tunesischen Blogger zu den verschiedenen Schauplätzen der Revolution geführt. “I was standing right there, feeling like a hero”, berichtet Oussama vom 14. Januar. Im Moment sind die vielen Eindrücke noch kaum zu fassen. Folgt mir auf Twitter, um mehr mitzukriegen – zum Beispiel, was “Hurra” auf Arabisch bedeutet…

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Zu Gast bei “Zimmer frei!”

Zu Besuch bei "Zimmer frei!"Heute Abend wird die „Zimmer frei!“-Folge ausgestrahlt, bei deren Aufzeichnung ich Mitte August im Studiopublikum saß. Es gibt nicht viele Sendungen, bei denen ich heiß drauf bin, mal live dabei zu sein – außer vielleicht „Inas Nacht“, und eben „Zimmer frei!“.

Das Format ist eine der letzten Anarchoinseln im deutschen Fernsehen. Da wird gequatscht, gespielt, gesungen und gesoffen, und das scheinbar ohne jeden Plan. Dass es doch einen gibt, merkt man ziemlich schnell, wenn man im Studio dabei ist. Zig Leute wuseln herum, bauen Kulissen auf und ab, putzen, halten Pappen hoch. Was man übrigens auch erst erfährt, wenn man das Studio dann endlich betreten hat, ist, wer denn eigentlich der Gast des Abends ist. Ziemlich fies, vorher nicht zu wissen, ob man sich nun auf Ingo Mommsen oder Hape Kerkeling freuen soll! Bei uns war es zum Glück Letzterer.

Hape Kerkeling ist der deutsche Entertainer schlechthin. Selbst Moderatorin Christine Westermann konnte sich nicht verkneifen zu sagen, wir hätten „den besten Tag der ganzen Staffel erwischt“. Kein Wunder also, dass die Redaktion so ziemlich alles auffuhr, was typisch „Zimmer frei!“ ist. Es wurde geraucht, sich verkleidet und mit Essen geschmissen. Es gab Besuch von Salsatänzerinnen, einem Kammerorchester und lebenden Tieren (mein persönliches Highlight). Natürlich hat Götz Alsmann sich ins Publikum geworfen, und natürlich hat Christine Westermann grottenschlecht gesungen.

Kurz: Die Stunde war absolut vollgepackt. Zu voll. So toll die Sendung ist – das spannendste an ihr sind doch immer noch die Gespräche. Aber Gast und Moderatoren mussten sich so hektisch von Programmpunkt zu Programmpunkt hangeln, dass es dazu kaum noch kam. Für wahre Anarchie und Spontaneität, für die wirklich lustigen Un- und Zufälle war kein Platz mehr.

Deshalb hat es ein bisschen gedauert, bis ich so richtig warm wurde. Am Ende konnte sich dann aber, glaube ich, niemand mehr dagegen wehren, beim großen Grand-Prix-Medley mitzusingen und zu schunkeln. Jetzt bin ich gespannt, ob auf dem Bildschirm alles ganz anders aussieht. Heute im WDR um 22:15 Uhr, anschließend für ein paar Wochen hier.

E-Mail von Eva: Schluss mit der Freiheit!

Lieber Herr Professor Feldmann, für dieses Semester wünsche ich mir weniger Entscheidungsfreiheit. Referat? Hausarbeit? Fallbearbeitung? Legen Sie doch mal selbst fest, wofür wir am Ende des Seminars unseren Schein kriegen!

Es ist immer das Gleiche in der ersten Semesterwoche: Lena will ein Paper schreiben, weil sie dann allein arbeiten kann. Jens plädiert für eine Gruppenaufgabe, weil das weniger Aufwand ist. Und Natalie findet mündliche Noten unfair. Bis alle Kursteilnehmer sich geeinigt haben (eine Hausarbeit zählt 50 Prozent, die Präsentation 30 Prozent, die mündliche Mitarbeit 20 Prozent), hätte man längst den ersten Text besprechen können.

Sie sagen, wir seien erwachsen und könnten das selbst entscheiden. Aber ich habe den Verdacht, dass Sie damit nur Ihre Faulheit vertuschen wollen. Immerhin müssen Sie so eine Sitzung weniger vorbereiten, es geht ja nur um Organisatorisches.

Mein Kommilitone Robert weiß das auch. Er hat keine Lust, seine Zeit mit solchen Diskussionen zu verschwenden, und bleibt – wie viele andere – lieber eine Woche länger im Urlaub. Aber am Ende des Semesters meldet er sich dann garantiert und fragt, warum die Präsentation so wenig zählt. Dann geht die Diskussion von vorne los. Und Sie lehnen sich entspannt zurück.

ZEIT Campus, November/Dezember 2011