Archiv für Oktober, 2011

Küchenstolz: Halloween-Muffins

Morgen ist Halloween! Eine hervorragende Gelegenheit, um endlich mal Bilder von den Muffins zu zeigen, die ich vor einiger Zeit für eine Twilight-Party gebacken habe. Besonders stolz war ich auf meine Vampire:

Vampir-Vanille-Muffins

Vampir-Vanille-Muffins

Zutaten:
250 g Mehl
2 TL Backpulver
100 g Zucker
3 Päckchen Vanillezucker
2 TL gemahlene Bourbon-Vanille
150 g Butter
200 g Créme fraiche
2 Eier

Den Backofen auf 160 Grad vorheizen und die Butter schmelzen. Mehl und Backpulver mischen. Eier, Créme fraiche, Zucker, Vanillezucker und die gemahlene Vanille mit der Butter verrühren und die Mehlmischung dazugeben. Schon ist der Teig fertig! In die Form füllen und gut 20 Minuten backen. Verziert habe ich das Ganze mit Kuvertüre, Lebensmittelfarben, ganzen Mandeln (die Ohren!) und Mandelsplittern (die Zähne!).

Und weil ich gerade so drin war im Muffinbastelwahn, habe ich noch eine zweite Fuhre in den Ofen geschoben. Daraus wurden Schoko-Lakritz-Spinnen:

Schoko-Lakritz-Spinnen

Habt ihr noch mehr verrückte Ideen für Gebäckverzierungen? Es muss ja nicht immer zum Halloween-Motto sein. Andererseits – der Start des neuen Twilight-Films ist nicht mehr lange hin…

Nader und Simin – eine Trennung

Nader und Simin - eine Trennung
„Allah und den Propheten haben Sie wohl für sich gepachtet, oder was?!“

Ich war lange nicht mehr im Programmkino. Irgendwie hatte ich eine Angst vor den schweren Stoffen entwickelt. Mir stand nicht der Sinn danach, aus den Gedanken gerissen und emotional bewegt zu werden. Stattdessen sah ich mir lustige Dokus, belanglose Romanzen und mittelmäßige Woody-Allen-Filme an, die man genauso schnell verdaut wie eine mittlere Portion Popcorn.

Aber dann kam „Nader und Simin – eine Trennung“ nach Friedrichshafen, drei Monate nach dem offiziellen Kinostart und ein Dreivierteljahr, nachdem er in Berlin den Goldenen Bären gewonnen hatte. Da wurde es allmählich Zeit.

Im Zentrum des Films stehen Nader (Peyman Moaadi) und seine Familie, in der gerade alles schiefgeht: Naders Vater hat Alzheimer und muss rund um die Uhr gepflegt werden. Naders Frau Simin (Leila Hatami) sieht keine Zukunft für sich und ihre Tochter im Iran und will auswandern. Doch das kann Nader nicht zulassen, was soll denn dann mit seinem Vater passieren? Deshalb will Simin die Scheidung. Und dann ist da auch noch die Pflegerin, Razieh (Sareh Bayat), der er kündigt, nachdem sie den Vater ans Bett gefesselt und einfach die Wohnung verlassen hat. Es kommt alles zusammen, und die angestaute Verzweiflung bricht sich ausgerechnet dann Bahn, als Razieh sich vor Nader verteidigt. Wütend stößt er sie von sich, die Treppe hinunter – er kann ja nicht ahnen, dass sie schwanger ist und kurz darauf eine Fehlgeburt haben wird. Oder kann er doch?

Das Familiendrama wird zum Krimi, und weil dieser Film nicht so schwarz-weiß ist wie all die anderen, bleibt bis zum Schluss unklar, wer hier gut ist und wer böse. Der Zuschauer bekommt nicht alles mit, wohl aber, dass sämtliche Protagonisten so ihre Fehler haben und vor allem ihren Stolz, und deshalb ist es kaum möglich, sich auf eine Seite zu schlagen. Nicht nur das ist für den von Cinestar/-drom/–plex verzogenen Zuschauer ungewohnt, auch mit der verhältnismäßig bedächtigen Erzählweise, den langen Dialogen und der wenigen Musik muss man sich erst einmal wieder vertraut machen.

Wenn das passiert ist, fragt man sich schnell, ob die gleiche Geschichte nicht auch bei uns spielen könnte. Die Themen sind nämlich altbekannt: Wer pflegt die Alten? Wo haben die Jungen eine sichere Zukunft? Und kann es sein, dass manche Liebespaare einfach nicht für die Ewigkeit gemacht sind?

Doch dieser Film spielt im Iran, und das macht es kompliziert. Zum Beispiel erkennt man nicht, dass eine Frau schwanger ist, wenn sie einen Schleier trägt. Ein Richter kann einem einfach so die Scheidung verweigern, wenn man keinen triftigen Grund hat. Und einen alten, kranken Mann zu waschen, kann man sich als Frau erst erlauben, nachdem man sich vorher bei der Koran-Hotline versichert hat, dass das keine Sünde ist.

Es sind spannende, ehrliche Einblicke in eine – zumindest für mich – völlig fremde Kultur. Und doch konnte ich mich mit den Protagonisten identifizieren. Ich war mit ihnen angespannt, traurig, verzweifelt. Der Film hat mich aus den Gedanken gerissen, er hat mich bewegt. Endlich mal wieder.

Depressive Genies – glückliche Leser

In der aktuellen Spiegel-Ausgabe (39/2011) gibt es ein interessantes Interview mit dem Regisseur Lars von Trier. Auf die Frage nach seinen Depressionen erklärt er: „Ich habe eine ziemlich klare Theorie dazu. Das Gehirn setzt 90 Prozent seiner Kraft ein, um Sinneseindrücke abzuschwächen oder zu unterdrücken. Eigentlich kann der Mensch weitaus mehr sehen und hören – aber wir müssen diese Eindrücke durch Filter begrenzen. Wenn einer dieser Filter kaputt ist, wird man vielleicht verrückt oder bekommt Depressionen. Man kann den kaputten Filter aber auch nutzen, um ein bisschen mehr zu sehen als andere. Dann werden Sie interessant als Künstler.“

Joey Goebel - VincentDas hat mich an ein wirklich gutes Buch erinnert, das ich kürzlich gelesen habe. „Vincent“ von Joey Goebel handelt von einem literarisch hochbegabten Jungen. Er wird Teil des Experiments einer riesigen Medienfirma, die in einer geheimen Akademie die großen Künstler von Morgen ausbilden und mit ihrer Hilfe den 08/15-Mainstream-Quatsch von Plattentellern und Kinoleinwänden vertreiben will. Die Leiter des Experiments sind allerdings überzeugt, dass man leiden muss, um wirklich bedeutende Kunst zu schaffen. Und so stellen sie Vincent einen „Beschützer“ namens Harlan zur Seite, der dafür sorgt, dass dem Jungen ein Unglück nach dem nächsten passiert.

Es ist ein wunderbar abstruser, aber dann doch irgendwie logischer Plot, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Besonders gut finde ich, dass das Buch aus der Sicht von Harlan erzählt wird, der ständig hin und her gerissen ist: Einerseits mag er Vincent und will ihm nicht schaden, gleichzeitig ist genau das aber sein Job und es stellt sich schnell heraus, dass etwas dran ist an der Theorie vom leidenden Genie.

Kaum hatte ich mich von dieser Geschichte erholt (nach guten Büchern brauche ich immer erst ein, zwei Tage Pause, um aus den Welten wieder herauszukommen), fiel mir Benedict Wells’ neuestes Werk „Fast genial“ in die Hände. Das ist deshalb so verrückt, weil dieser Roman sich ebenfalls mit der Idee beschäftigt, ob man Genies irgendwie kreieren und „züchten“ kann.

Benedict Wells - Fast genialUnd es gibt noch mehr Parallelen: Wieder ist die Hauptfigur, Francis, ein Außenseiter aus der Unterschicht, der seinen Vater nicht kennt und von seiner verlotterten Mutter vernachlässigt wird. Die beiden leben in einem Trailerpark irgendwo in New Jersey, und Francis ist längst klar, dass er dort niemals rauskommen wird – bis er erfährt, dass er das Ergebnis eines verrückten Genexperiments ist, bei dem Frauen mit dem Sperma von Nobelpreisträgern künstlich befruchtet wurden, um eine neue Generation von Genies hervorzubringen. Also macht er sich auf die Suche nach seinem Vater und hach, schon wieder ist diese Geschichte so abenteuerlich und gut, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen will.

Zwei junge Genies hätten wir also schon gefunden, den Amerikaner Goebel und den Deutschen Wells, die irgendwie auch noch beide beim Diogenes Verlag gelandet sind. Ob sie beim Schreiben ihrer Werke depressiv waren? Ob Sie Hochbegabtengene in sich tragen? Man weiß es nicht. Aber ich will bitte ganz schnell mehr von ihnen.

Damenwahl!

Der erste DJ der Welt und eine Sportart, von der wir noch nie zuvor gehört hatten – wir waren für 1LIVE in Aachen. (Und kommen gerne wieder!)