Der Eine oder Andere erinnert sich vielleicht noch an meine Barbekanntschaft aus der Schweiz. Jetzt habe ich einen sehr netten Brief bekommen. Darin berichten die beiden, dass ihr letzter Tanz nur wenige Wochen zurückliegt. In voller Wandermontur haben sie auf einem Marktplatz zu den Klängen einer Jazzband geschwoft. Aber Tanztalent ist nicht alles, wie sie schreiben:
“Meanwhile another caveat for marriage besides dancing, don’t neglect a sense of humor and intelligence.”
Nun habe ich ja ehrlich gesagt das Gefühl, dass diese Humor-Sache zu einer Floskel verkommen ist. In jeder “Welche Eigenschaft ist Ihnen bei Ihrem Partner am wichtigsten”-Umfrage landet Humor ganz oben. Frauen geben immer an, sie wollten, dass ihr Partner sie “zum Lachen bringt”. Aber wer will schon einen Comedian zum Freund?
Humor hat jeder – allein nach dieser Eigenschaft kann man auf der Balz also niemanden ausschließen. Die Frage ist eher, ob sich der Humor des Anderen mit dem eigenen überschneidet. Selbst das ist aber vielleicht gar nicht nötig. Meine Freunde kichern mitunter über völlig kindische Witze oder sehen gern Satiren, die ich überhaupt nicht lustig finde. Aber ich freue mich, sie lachen zu sehen. Und in einer guten Beziehung, glaube ich, lacht man automatisch miteinander. Das hat dann aber weniger mit Humor zu tun, sondern viel mehr mit Glück.




Ich sehe Humor in dem Beziehungsbeispiel gar nicht als “Wir lachen über die gleichen Witze”, ich sehe es eher als “Man nimmt Dinge mit Humor”. So eine Beziehung ist nicht superernst, nichts im Leben ist superernst, zumindest sollte es das nicht sein, weil man dann keinen Spaß mehr haben kann, eine Prise Selbstironie und entspanntes Betrachten der potentiellen komischen Angewohnheiten des Partners sind glaube ich eine gute Grundlage. Angenommen sie würde Mario Barth mögen und ich nicht, wäre das egal, so lange ich es nicht als ernstes Problem sehe, dass sie den Scheiß mag.
Oder so.
Sehe es ähnlich wie Marcel. Ich betrachte in dem Sinne Humor auch eher als die positive Lebenseinstellung und hat voll und ganz auch etwas mit glücklich sein und der Ausstrahlung des Glücks zu tun. Es sind weniger die Witze oder welchen Kabarettisten oder Satire ich mag und drüber lachen kann, als die humoristische Lebenseinstellung. Auch mal über was lachen und vielleicht die Gabe haben mit Humor jemanden aufzumuntern, wachzurütteln. Klassenclowns standen am Ende meist alleine da. Wenn man bleibt wie man ist, sich nicht verstellt und einen gesunden Humor spielen lässt, ist das Leben schon um einiges reicher und leichter geworden. Ohne das man was tut. Das jeder, wenn gefragt wird, angibt, dass Humor ganz wichtig ist, dann ist es vielleicht auch einfach der Ausdruck, dass kein “Langweiler” gewünscht wird, sondern einfach ein Mensch der “lebt”. Humor und Spontanität sind da vielleicht die beiden Spaten, die da genannt werden. Aber du hast Recht, wenn du sagt, dass man auch einfach sagen könnte, ich bin auf der Suche nach einem glücklichen Menschen. Das würde es auch treffen. Jetzt fange ich mich aber auch schon an zu drehen… Wo wir wieder beim Humor wären ;)
ich kann offenbar nicht gut genug englisch, um zu verstehen, was sie mit ‘sense of … intelligence’ meinen. wer hilft? [leo tat's nicht.] oder meinen sie gar ‘sense of humor’ AND ‘intelligence’? ö_O
Letzteres, denke ich?
Mir fällt dazu die Geschichte meiner Großeltern ein. Mein Opa brachte das schlagende Argument warum meine Oma ihn heiraten soll. Er sagte: “Wir passen so gut zusammen. Ich mache die Witze und Du lachst drüber!” Und so war es dann auch. :-)
Michael Mittermaier hatte in einer alten Nummer das mit dem Humor auch nicht so ganz geglaubt:
“Stell’n war’s mal vor der Typ wär’ so eine Mischung aus Quasimodo der Glöckner und Fips Asmussen (…) “Wow haha ,mei bist du lustig du Buckelfips ja komm’ her heirate mich” … Ich glaub das nicht. (…) Wir Männer geben es wenigstens gleich zu uns der Humor bei Frauen in erster Linie mal scheissegal ist Da kann so ein dummes Playmate-Liesel kommen: “Hi ich bin Sandy wie sandig am Strand.” Haha, komm her, halt den Mund, das paßt schon.”
Michael Mittermeier! Wo ist der eigentlich?!
Haha, diese Umfrage unter FDP-Mitgliedern würde “Doktortitel” an erster Stelle ergeben…