Hallo, Frau Kreuschner, wissen Sie eigentlich, was Sie angerichtet haben, als Sie mich neulich im Treppenhaus so streng fragten, ob ich krank sei? Sie hörten mich durch die Wand so oft niesen, sagten Sie. Seitdem traue ich mich gar nichts mehr. Staub saugen, Musik hören, telefonieren – lasse ich alles lieber bleiben.
Langsam fühle ich mich echt verfolgt von all den Leisetretern um mich rum. Sie sind überall. Wenn mein Handy in der Bahn klingelt, gucken die Mitreisenden genervt. Wenn ich in der Kneipe laut lache, fühlen sich andere Gäste in ihren intimen Psychogesprächen gestört. Und wenn ich in der Bibliothek huste, ernte ich böse Blicke von den Kommilitonen. Dabei haben die doch alle ihre albernen Stöpsel in den Ohren. Manche stört es offenbar, ein Geräusch bloß zu sehen!
Wisst ihr denn alle nicht, wie gut es tut, mal laut zu fluchen oder sich zu freuen, statt sich ständig zusammenzureißen? Auch, eins noch, Frau Kreuschner, bevor Sie das nächste Mal wieder mit der Polizei drohen, wenn ich in der Lernpause zu Hause Kopfstände übe: Besuchen Sie doch einmal meinen Uni-Präsidenten im Büro, wenn er ein Paper vorbereitet. Er behauptet nämlich, ohne 130 beats per minute sei noch keiner seiner Texte entstanden. Nach dieser Mail kann ich bestätigen, dass es sich so besser schreibt. Hatschi!
ZEIT Campus, September/Oktober 2011



Spielen Sie’s laut!
… wenigstens bis zu dem Moment, in dem Mann in der Bib sitzt und anfängt zu den wunderbaren Klängen im eigenen Ohr laut mitzusingen… True Story ;-)
Oh Gott, jetzt wo du es sagst – das ist mir auch schon mal passiert! In der Mittelstufe wurde ich, glaube ich, sogar mehrmals wegen meines lauten Summens ermahnt. Das habe ich selbst gar nicht gemerkt!
Lektüretipp ;)
http://de.wikisource.org/wiki/Ueber_Lerm_und_Ger%C3%A4usch
Oh, genial – vielen Dank!
Letzter Absatz, vorletzte Zeile: “unter 130 beats per minute SEIT noch keiner seiner Texte…”
Merci, ist geändert!
Ich persönlich bin ein Freund des mitsingens, doch wenn ich meinen Nachbarn mal ein wenig Ruhe gönnen will und selber voll aufdrehen will, denn nur arbeitet man wirklich gut und mit bester Laune :) Dann setzte ich mir meinen Wireless Köpfhörer auf, damit ich zur Not auch rumhüpfen kann, wenn mir danach ist ;)
Ohne Krach ist es doch irgendwie langweilig ;)
das gefühl, immer irgendwie zu laut zu sein und zu stören, kenn ich. ich habe einen kleinen sohn (fast 1). und der “redet” gerne ziemlich laut, vor allem im supermarkt. einige halten es dann für schreien. ohwashatterdenn. ich so nix, der will sich mitteilen. sag ich aber schon gar nicht mehr, sondern lächle nur noch.