Midnight in Paris

Midnight in Paris

“That Paris exists and anyone could choose to live anywhere else in the world will always be a mystery to me.”

Beim Trailer von „Midnight in Paris“ dachte ich mir, och, wie schön, das ist wie „Vicky Cristina Barcelona“, nur eben in Frankreich: Hübsche Menschen tragen ihre Beziehungsprobleme durch eine der schönsten Städte Europas – so schön, dass man gleich ein Ticket buchen will. Was ich nicht wusste: „Midnight in Paris“ ist „Vicky Cristina Barcelona“ mit einem guten Schuss „Scoop“. Aber von vorn.

Es geht um das amerikanische Paar Gil (Owen Wilson) und Inez (Rachel McAdams), die im Paris-Urlaub ihre Bekannten Paul und Carol treffen. Genervt von Pauls besserwisserischen Kommentaren während ihrer gemeinsamen Ausflüge seilt Gil sich bald ab und streift allein durch die Stadt. Als es Mitternacht schlägt, passiert ihm etwas MAGISCHES: Ein vorbei fahrender Oldtimer bringt ihn ins Paris der 20er Jahre. Hier trifft Gil auf Größen wie Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und Pablo Picasso.

Abend für Abend verbringt er nun mit ihnen und lernt Paris von einer ganz anderen Seite kennen. Am Ende würde er am liebsten gar nicht mehr zurückkehren – ein Wunsch, der bei seinen neuen Freunden auf Unverständnis trifft. So würde die bezaubernde Adriana (hach, Marion Cotillard) viel lieber in der Belle Époque leben als in ihrem 20er-Jahre-Jetzt.

Das ist ein Gedanke, den bestimmt jeder schon einmal durchgespielt hat: Wenn ich durch die Zeit reisen könnte, was wäre mein Ziel? Woody Allens Botschaft ist eindeutig. Wir neigen dazu, vergangene Zeiten zu glorifizieren und unsere Gegenwart kleinzureden. Das ist aber ja auch kein Wunder, angesichts dieses künstlerischen Melting Pots, der da porträtiert wird. So viele Berühmtheiten, und alle lebten gleichzeitig und unter demselben Dach (nämlich dem von Getrude Stein, toll gespielt von Kathy Bates)! Bei mir warf das wieder mal die Frage auf, ob es bestimmte „Genie-Phasen“ in der Historie gibt – oder ob wir die gegenwärtigen Genies einfach noch nicht erkennen.

Woody Allen würde vielleicht sogar dazugehören. Allerdings nicht wegen dieses Films. „Midnight in Paris“ ist nett anzusehen, aber in vielerlei Hinsicht zu einfach gestrickt. Die Geschichte wird in Blöcken erzählt, die zu hart voneinander abgetrennt sind. Die Szenen strotzen vor berühmten Schauspielern, die zu oberflächliche Rollen spielen. Die Kulissen sind die üblichen Pariser Touri-Spots. Selbst die Kostüme (der Jetzt-Zeit) sind nach drei Szenen durchschaubar. Und natürlich wird, aber das ist ja bei Allen nun eher Markenzeichen als Makel, zu viel gelabert. Eine Kostprobe davon gibt es in diesem herrlichen Zusammenschnitt von Arte: „Die blödsinnige Ausrede von Woody Allen“.

So schlimm, dass man sich eine Ausrede einfallen lassen müsste, um nicht ins Kino zu gehen, ist „Midnight in Paris“ freilich nicht. Andererseits ist das Wetter gerade doch viel zu schön…

1 Kommentar

Du willst auch was sagen?
Kommentar schreiben

  1. Max sagt:

    Wenn mich jemand fragen würde, wohin ich gerne eine Zeitreise machen würde, dann wäre es sicher das Paris der 20iger… Es muss ein absolut faszinierendes Flair gewesen sein, dass Künstler wie Hemingway oder Dalí, die zu meinen absoluten Lieblingen gehören, zu halten. Natürlich wird es glorifiziert, der Wirtschaft ging es nicht gut, die schlimmste Katastrophe des Jahrhunderts bahnte sich schon an. An der Faszination ändert das nichts!

    Allen, den der Film gefallen hat, dem lege ich das Buch “A Moveable Feast” von Hemingway ans Herz, der dasselbe Thema literarisch hochwertig aufarbeitet.

1 Trackback

Trackback-URL

  1. Midnight in Paris – Paris im Regen - himynameisnils

Kommentar schreiben

Schenk mir deine Worte.