Archiv für September, 2011

Küchenstolz: Weiße Schokoladenmuffins

Weiße Schokoladenmuffins

Als ich nach drei nahezu backfreien Monaten aus meinen Semesterferien zurück nach Hause kam, fand ich neben jeder Menge Werbung, langweiligen Bankbriefen und einigen Magazinen auch ein Päckchen in meiner Post. Darin: Eine sehr nette Karte von Tina, meiner ehemaligen Mitschülerin, und das Buch “Muffins – die Kochschule für den Gourmet”. Einfach so, als Geschenk, weil Tina im Buchladen an mich gedacht hat. Das war vielleicht ein schöner Empfang!

Das Rezept für weiße Schokoladenmuffins hat es mir gleich angetan. Denn was weiße Schokolade enthält, kann doch gar nicht schlecht sein. Und noch dazu Mandeln! Die werden durch das Backen so richtig schön knackig, während die Muffins innen saftig bleiben. Also durchaus für Gourmets geeignet – aber für viele! Denn im Gegensatz zu den von den Autoren veranschlagten “sechs großen” erhielt ich 24 normale Muffins. Falls ihr nachbacken wollt, müsst ihr also umrechnen oder ein Muffinfest veranstalten…
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Post aus Zürich!

Der Eine oder Andere erinnert sich vielleicht noch an meine Barbekanntschaft aus der Schweiz. Jetzt habe ich einen sehr netten Brief bekommen. Darin berichten die beiden, dass ihr letzter Tanz nur wenige Wochen zurückliegt. In voller Wandermontur haben sie auf einem Marktplatz zu den Klängen einer Jazzband geschwoft. Aber Tanztalent ist nicht alles, wie sie schreiben:

Post aus Zürich

“Meanwhile another caveat for marriage besides dancing, don’t neglect a sense of humor and intelligence.”

Nun habe ich ja ehrlich gesagt das Gefühl, dass diese Humor-Sache zu einer Floskel verkommen ist. In jeder “Welche Eigenschaft ist Ihnen bei Ihrem Partner am wichtigsten”-Umfrage landet Humor ganz oben. Frauen geben immer an, sie wollten, dass ihr Partner sie “zum Lachen bringt”. Aber wer will schon einen Comedian zum Freund?

Humor hat jeder – allein nach dieser Eigenschaft kann man auf der Balz also niemanden ausschließen. Die Frage ist eher, ob sich der Humor des Anderen mit dem eigenen überschneidet. Selbst das ist aber vielleicht gar nicht nötig. Meine Freunde kichern mitunter über völlig kindische Witze oder sehen gern Satiren, die ich überhaupt nicht lustig finde. Aber ich freue mich, sie lachen zu sehen. Und in einer guten Beziehung, glaube ich, lacht man automatisch miteinander. Das hat dann aber weniger mit Humor zu tun, sondern viel mehr mit Glück.

Völlig verzettelt: Die Weisheit baut sich ein Haus

Mit zunehmender Hingabe an das Studium wächst auch mein Kartographiebedürfnis. Wohin mit all dem Wissen, wie sammelt man das, wie verhindert man, dass man es wieder verliert?

Von Umberto Eco hatte ich Anfang des Jahres gelernt, dass wir Listen schreiben, um unser Unwissen ein kleines bisschen endlicher zu machen. Wie wenig diese Arbeit bringt, rief mir heute mein Dozent ins Gedächtnis. „Aktuell verdoppelt sich das Wissen der Welt alle vier Jahre“, erklärte er. Na toll.

Eine hübsche kleine Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne zeigt, wie die Menschen seit jeher versuchen, dieses Wissen zu organisieren – in Bibliotheken. Unter dem Titel „Die Weisheit baut sich ein Haus“ geht es dort vor allem um Architektur. Denn Bibliotheken sehen längst nicht alle gleich aus. Anfangs gab es noch nicht einmal Regale! In Michelangelos Laurentinischer Bibliothek aus dem 16. Jahrhundert lagen sämtliche Bücher auf Pulten aus, an denen man sie direkt lesen konnte. Das erinnert eher an eine Kirche als an eine Bücherei.

Aber die Architektur ist auch nicht die Voraussetzung. Was zählt, ist Ordnung. Denn „50.000 Bücher sind noch keine Bibliothek“. Und schon Cicerco wusste im Jahr 80 v.Chr.: „Man muss den Dingen einen bestimmten Ort zuweisen.“

Ich verbinde ganz unterschiedliche Gefühle mit diesen Orten: Verzweiflung im Berliner Grimm-Zentrum, als ich eine Hausarbeit in die Semesterferien verschleppt hatte. Pure Ehrfurcht in der Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Helle Vorfreude und eine gewisse Überforderung angesichts der vielen reizvollen Bücher im Friedrichshafener Medienhaus. Und ein beeindrucktes „Ahh“ und „Ohh“ in der super-schicken öffentlichen Bibliothek von Amsterdam.

Dort waren die Bücher nach Genres, Themen und Autoren geordnet. Ganz vernünftig eigentlich. Mein Studium lagert derzeit nach Semester, Fach und Kursablauf sortiert in mehreren Ordnern, Heftern und nicht zuletzt auf meiner Festplatte. Ich bezweifle aber, dass eine Ordnung wie in der Bibliothek so viel besser wäre. Allmählich fängt nämlich alles an, sich miteinander zu verknüpfen. Der Jurakurs erinnert mich an ein Thema aus der Medienökonomie, die Soziologie an das Seminar in interpersonaler Kommunikation aus dem letzten Semester.

Eigentlich ist das gut. Es ist ein Zeichen dafür, dass mein Studium innerlich weitgehend kohärent ist. Aber mein Hirn kriegt das noch nicht auf die Reihe. Ich erinnere mich an Artikel, aber nicht mehr daran, in welchem Kurs ich sie gelesen habe. Mir fallen Sätze ein, aber ich weiß nicht mehr, aus welchem Text sie stammen oder von welchem Autor. Das macht mich kirre!

Denn wie mein Dozent schon sagt: Wissen ist nie an Orte, an Regale oder Hefter gebunden, sondern immer bloß an Personen. Alles andere sind bloß inaktive Informationen, Daten. Und zwar viel zu viele.

E-Mail von Eva: Wir brauchen Krach!

Hallo, Frau Kreuschner, wissen Sie eigentlich, was Sie angerichtet haben, als Sie mich neulich im Treppenhaus so streng fragten, ob ich krank sei? Sie hörten mich durch die Wand so oft niesen, sagten Sie. Seitdem traue ich mich gar nichts mehr. Staub saugen, Musik hören, telefonieren – lasse ich alles lieber bleiben.

Langsam fühle ich mich echt verfolgt von all den Leisetretern um mich rum. Sie sind überall. Wenn mein Handy in der Bahn klingelt, gucken die Mitreisenden genervt. Wenn ich in der Kneipe laut lache, fühlen sich andere Gäste in ihren intimen Psychogesprächen gestört. Und wenn ich in der Bibliothek huste, ernte ich böse Blicke von den Kommilitonen. Dabei haben die doch alle ihre albernen Stöpsel in den Ohren. Manche stört es offenbar, ein Geräusch bloß zu sehen!

Wisst ihr denn alle nicht, wie gut es tut, mal laut zu fluchen oder sich zu freuen, statt sich ständig zusammenzureißen? Auch, eins noch, Frau Kreuschner, bevor Sie das nächste Mal wieder mit der Polizei drohen, wenn ich in der Lernpause zu Hause Kopfstände übe: Besuchen Sie doch einmal meinen Uni-Präsidenten im Büro, wenn er ein Paper vorbereitet. Er behauptet nämlich, ohne 130 beats per minute sei noch keiner seiner Texte entstanden. Nach dieser Mail kann ich bestätigen, dass es sich so besser schreibt. Hatschi!

ZEIT Campus, September/Oktober 2011

Midnight in Paris

Midnight in Paris

“That Paris exists and anyone could choose to live anywhere else in the world will always be a mystery to me.”

Beim Trailer von „Midnight in Paris“ dachte ich mir, och, wie schön, das ist wie „Vicky Cristina Barcelona“, nur eben in Frankreich: Hübsche Menschen tragen ihre Beziehungsprobleme durch eine der schönsten Städte Europas – so schön, dass man gleich ein Ticket buchen will. Was ich nicht wusste: „Midnight in Paris“ ist „Vicky Cristina Barcelona“ mit einem guten Schuss „Scoop“. Aber von vorn.

Es geht um das amerikanische Paar Gil (Owen Wilson) und Inez (Rachel McAdams), die im Paris-Urlaub ihre Bekannten Paul und Carol treffen. Genervt von Pauls besserwisserischen Kommentaren während ihrer gemeinsamen Ausflüge seilt Gil sich bald ab und streift allein durch die Stadt. Als es Mitternacht schlägt, passiert ihm etwas MAGISCHES: Ein vorbei fahrender Oldtimer bringt ihn ins Paris der 20er Jahre. Hier trifft Gil auf Größen wie Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und Pablo Picasso.

Abend für Abend verbringt er nun mit ihnen und lernt Paris von einer ganz anderen Seite kennen. Am Ende würde er am liebsten gar nicht mehr zurückkehren – ein Wunsch, der bei seinen neuen Freunden auf Unverständnis trifft. So würde die bezaubernde Adriana (hach, Marion Cotillard) viel lieber in der Belle Époque leben als in ihrem 20er-Jahre-Jetzt.

Das ist ein Gedanke, den bestimmt jeder schon einmal durchgespielt hat: Wenn ich durch die Zeit reisen könnte, was wäre mein Ziel? Woody Allens Botschaft ist eindeutig. Wir neigen dazu, vergangene Zeiten zu glorifizieren und unsere Gegenwart kleinzureden. Das ist aber ja auch kein Wunder, angesichts dieses künstlerischen Melting Pots, der da porträtiert wird. So viele Berühmtheiten, und alle lebten gleichzeitig und unter demselben Dach (nämlich dem von Getrude Stein, toll gespielt von Kathy Bates)! Bei mir warf das wieder mal die Frage auf, ob es bestimmte „Genie-Phasen“ in der Historie gibt – oder ob wir die gegenwärtigen Genies einfach noch nicht erkennen.

Woody Allen würde vielleicht sogar dazugehören. Allerdings nicht wegen dieses Films. „Midnight in Paris“ ist nett anzusehen, aber in vielerlei Hinsicht zu einfach gestrickt. Die Geschichte wird in Blöcken erzählt, die zu hart voneinander abgetrennt sind. Die Szenen strotzen vor berühmten Schauspielern, die zu oberflächliche Rollen spielen. Die Kulissen sind die üblichen Pariser Touri-Spots. Selbst die Kostüme (der Jetzt-Zeit) sind nach drei Szenen durchschaubar. Und natürlich wird, aber das ist ja bei Allen nun eher Markenzeichen als Makel, zu viel gelabert. Eine Kostprobe davon gibt es in diesem herrlichen Zusammenschnitt von Arte: „Die blödsinnige Ausrede von Woody Allen“.

So schlimm, dass man sich eine Ausrede einfallen lassen müsste, um nicht ins Kino zu gehen, ist „Midnight in Paris“ freilich nicht. Andererseits ist das Wetter gerade doch viel zu schön…