“Where should I be able to go where I don’t see one bit of advertising?” – “To sleep.”
Morgan Spurlock hat einen neuen Film gemacht. Der Mann, dessen McDonald’s-Diät 2003 zu Leberschäden, Depressionen, elf Kilo mehr auf den Rippen und nicht zuletzt einer ziemlich tollen Dokumentation („Super Size Me“) führte, widmet sich dieses Mal dem Thema Product Placement. Der Clou: die gesamte Produktion hat er durch eben dieses finanziert.
Product Placement ist aus amerikanischen Kinofilmen kaum mehr wegzudenken. Das zeigt schon ein kurzer Blick in „Iron Man“, „Sex and the City 2“ oder zuletzt „Somewhere“. Aber eine komplett von Werbekunden bezahlte Doku? Spurlock machts möglich. Er gewinnt eine Fluglinie, eine Tiefkühlpizzamarke und eine Tankstellenkette für sich, übernachtet immer im gleichen Hotel und fährt immer das gleiche Auto. Schließlich verkauft er selbst den Titel seines Films an einen Safthersteller.
Seine irren Pitches und die teils abstrusen Verhandlungsgespräche sind der rote Faden des Films, angereichert mit einer unglaublichen Menge von Interviews – die dunkelrote Saftflasche immer im Bild. Apropos: In Sachen Kameraführung hätte man sich sicher noch steigern können, andererseits heben sich so die mitten im Film platzierten Werbespots (!) besser ab. Gerade zu Beginn des Films hätte ich auch gern ein paar Beispiele oder Infografiken mehr gesehen, allein schon, damit klar wird, wie RIESIG dieses Geschäft ist.
Selbst Amerikas Schulen machen inzwischen mit. Doch statt das zu verurteilen, beleuchtet Spurlock den Zwiespalt, in dem die High Schools stecken – zwischen Budgetkürzungen und ungewolltem Einfluss der Wirtschaft. Dabei mangelt es aber zu keiner Zeit an der für Spurlock so typischen Ironie. Natürlich sind es vor allem seine Person und seine sehr sportliche 1,5-Millionen-Dollar-Zielmarke, die diesen Film von der normalen Dokumentation zum höchst amüsanten „Docbuster“ machen.
Zum Ende hin wird es richtig wild, denn der Regisseur, der bisher immer für andere werben wollte, muss plötzlich für sich selbst werben, um die Vertragsbedingungen zu erfüllen. Jetzt wird klar, warum Product Placement längst „Co-Promotion“ genannt wird: Die Fluglinie, die Spurlocks Produktion sponsert, bewirbt das Ergebnis in ihrem On-Board-Programm, auf den Tiefkühlpizzen finden sich Werbeaufkleber und die Tankstellen verkaufen Sammelbecher mit dem Gesicht des Regisseurs. Man weiß gar nicht mehr, wer hier wen bezahlt.
Am Schluss steht daher kein so klarer Appell wie in „Super Size Me“, sondern das Porträt einer völlig abgedrehten Industrie. Als Zuschauer wird man Insider und Opfer zugleich – diesen dunkelroten Granatapfelsaft hätte ich jedenfalls nur zu gerne mal probiert…



danke für den tipp – klingt ziemlich abgedreht. jetzt gilt’s nur noch rauszufinden, ob/wann in D filmstart ist… imdb kann noch nichts über D sagen :(.
Ich habe auch danach gesucht und konnte nichts finden :( Wir hatten Glück und konnten den Film letzte Woche auf dem Filmfest München sehen…
Huhu, aus Marketingsicht scheint dies ja ein Muss für jeden Werbeprofi zu sein! Danke für den Tipp!:)
Interessantes Konzept, auf den Film bin ich auch mal gespannt. POM Wonderful ist übrigens eher semilecker, zumindest pur. Im richtigen Mischungsverhältnis mit Sprudel aber ne gute Schorle.