“Was hältst du von Vandalismus?” – “Ich weiß nicht… ganz okay!”
„Beginners“ beginnt mit dem Tod von Olivers Vater. Und damit, dass man sich erst mal wieder daran gewöhnen muss, Ewan McGregor nicht in irgendwelchen Parfümwerbungen und Modezeitschriften, sondern tatsächlich auf der Leinwand zu sehen. Er spielt einen Mann Ende 30, dem außer einem in Untertiteln sprechenden Hund niemand geblieben ist. Sein verstorbener Vater (richtig gut: Christopher Plummer) hatte ihm im Alter von 75 Jahren eröffnet, dass er schwul sei – und sie beide damit in ein ganz neues Leben in der homosexuellen Subkultur gestürzt.
Nicht, dass Oliver auch schwul wäre. Er ist nur nicht so gut in Beziehungsdingen – und bedauert das spätestens, als er sich in die französische Schauspielerin Anna (Mélanie Laurent, übrigens schon wieder als Jüdin) verliebt. Die beiden bilden eins dieser Gespanne, die typisch geworden sind für das Indie-Kino der letzten Jahre: Verschrobener Schluffi bekommt tolles, im echten Leben unerreichbares Mädchen.
Das kennt man schon aus „500 Days of Summer“, „Elizabethtown“ oder auch Tom Tykwers „Paris, je t’aime“-Episode „True“. Sowieso ist „Beginners“ ein Mix aus all diesen Filmen: Wie in „500 Days of Summer“ ist der Hauptdarsteller ein depressiver Illustrator, der poetische Dates mit seiner Traumfrau hat (Ikea, Karaokebar und Plattenladen gegen nächtliche Graffitiaktionen, Rollschuhhalle und Antiquariat). Den toten Vater, das leere Hotel und nicht zuletzt die Synchronstimme von Philipp Moog gab es bereits in „Elizabethtown“. Und natürlich dürfen auch die seit „Amelie“ so beliebten Collagenartigen Zwischenschnitte und ein eher sachlicher Off-Kommentar nicht fehlen.
Dadurch wird man als Zuschauer das Gefühl nicht los, das alles schon irgendwo gesehen zu haben. Allerdings ist die Poesie in „Beginners“ nicht ganz so vollkommen und sonnig wie bei den anderen. Sie wird vom Tod des Vaters überschattet, der ganz am Anfang des Films steht und ihm einen dauerhaften, depressiven Beigeschmack verleiht. Deshalb ist diese Erzählstruktur, glaube ich, ein Fehler. Ich weiß allerdings auch nicht, wie man es hätte besser machen können – schließlich werden hier drei verschiedene Zeitebenen zugleich beschrieben.
Sich davon abschrecken zu lassen, wäre aber auch wieder falsch. Wer die oben genannten Indie-Romanzen mochte, wird auch „Beginners“ toll finden, und angesichts des vor Fortsetzungen und platten Hollywoodfilmen strotzenden Kinosommers ist dieser Film nun wirklich die beste Wahl für den nächsten völlig unsommerlich verregneten Abend.






Kommentiert
Konstantin: Manchmal bringen einem die Facebook-Freunde dann etwas aus der weiten Welt mit (mir gerade ein Fahrrad aus Atlanta). Wenn man nicht wüsste, das...
Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :)
Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/
Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.