Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Doktor Kernstock, aber hiermit melde ich mich von Ihrem Marketingkurs ab. Kein Bedarf. Den braucht echt niemand. Meine Kommilitonen und ich wissen längst, wie gute Werbung funktioniert. Wenn wir etwas draufhaben, dann das!
Für jede Kleinigkeit starten wir eine Kampagne: Anna frittiert Fischwürfel und verteilt sie als Kibbeling in der Mensa, auf dass das holländische Nationalgericht die Leute in Scharen zum Holländischkurs treibe. Roman bastelt die ganze Nacht lang an einer Website, um die beste Mitbewohnerin der Welt zu finden. Wir drehen Trailer, um damit auf YouTube für unsere WG-Partys zu werben. Wir programmieren Facebook-Apps, um wirkungsvoller an die Gruppenarbeit erinnern zu können. Wir sind die Meister des Trommelns. Ihre Theorien, Herr Doktor Kenrstock, sind allenfalls hübsche, aber vollkommen nutzlose Hüllen für etwas, das wir längst verinnerlicht haben – im Alltag beweisen wir das ständig. Was soll ich da bitte noch in Ihrer Vorlesung?!
Sie glauben mir nicht? Als kleine Overachieverin, die ich nun mal bin, platziere ich meine neueste Kampagne nun hier, an prominenter Stelle: Anschwimmen im Bodensee, nächsten Freitag! Kommt! Alle! Ja, auch Sie, Herr Doktor Kernstock. Überzeugen Sie sich selbst. Ich freue mich schon auf Ihre Badehose.
ZEIT Campus, Mai / Juni 2011



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