“He has to love you more, Lila, more than you love him. That’s the only way marriage works.”
Bei meiner letzten Hochzeit war ich sechs Jahre alt und Blumenmädchen. Jetzt bin ich zum ersten Mal zur Hochzeit einer Freundin eingeladen. Ich wusste ja, dass die Heiraterei irgendwann auch in meiner Generation losgehen würde, aber so bald schon?? Zur Vorbereitung habe ich ein paar Hochzeitsfilme geguckt – darunter auch „The Romantics“.
Der Film handelt von einer Dreiecksbeziehung: Laura und Tom waren vier Jahre lang ein Paar, doch jetzt heiratet er Lila, Lauras beste Freundin. Zur Hochzeit in einem typisch amerikanischen Strandhaus versammelt sich ihre ganze Clique und lässt alte College-Zeiten wieder aufleben. Kein Wunder, dass sich dabei auch Laura und Tom wieder näher kommen…
Das Schauspielerensemble verspricht einen tollen Überblick über die amerikanische Nachwuchsriege: Neben Katie Holmes und Anna Paquin (die ich zuletzt in „Amy und die Wildgänse“ gesehen hatte) spielen Malin Akerman, Adam Brody und Elijah Wood. Nur sind das leider schon zu viele, und so müssen sich die meisten mit undankbaren Nebenrollen begnügen. Die männliche Hauptrolle hingegen hat ausgerechnet Josh Duhamel bekommen, den man bisher bloß aus lächerlichen Katherine Heigl-Komödien und blockbusterigen Actionfilmen („Transformers“) kennt. Er wirkt viel zu schön, viel zu glatt, als dass man ihm den Shakespeare-affinen Romantiker abnähme, der hin- und hergerissen ist zwischen zwei Frauen.
Das ist fatal. Denn wie soll ein Film funktionieren, dessen zentrales Objekt der Begierde gar keines ist? Katie Holmes und Anna Paquin schleichen also völlig unnötig 85 Minuten lang umeinander herum, ehe es kurz vor Schluss zum großen Eklat kommt. Doch selbst der wirkt auf der Leinwand nicht so richtig dramatisch. Als Zuschauer kommt man spätestens bei dieser Szene auf die Idee, doch mal wieder ein richtig gutes Buch zu lesen.
Dazu muss man wissen, dass es sich bei „The Romantics“ ursprünglich um einen Roman handelt, der nun von der Autorin selbst – Galt Niederhoffer – verfilmt wurde. Das merkt man den Dialogen an. Sie sind ziemlich gut, aber man will sie lesen, nicht hören. So stellt Lilas kleine Schwester ihr in einem Moment der Unsicherheit drei wunderbare Fragen: „Does he make you feel beautiful? Does he make you feel safe? Does he make you feel special, like you’re his most interesting person?“ (Als ich einen lieben Menschen fragte, was das männliche Pendant zu diesen Kontrollfragen sei, gab er die einzig richtige Antwort: „Does she feel beautiful? Does she feel safe? Does she feel special, like my most interesting person?“)
Neben solchen Sternstundensätzen spricht auch die übrige Handlung dafür, lieber das Buch zu lesen: Es passiert zu wenig, und wenn etwas passiert, ist das visuell nicht stark genug für eine Verfilmung. Abgesehen vom Ende natürlich, aber das ist wiederum so dramatisch, dass es auch besser zu einem Roman passt als zu einer leichten Kinoromanze.
Und doch kriegt der Film hin, was ich mir für die nächsten Hochzeiten wünsche: Diese gemütliche Wuseligkeit vor einer bildschönen Kulisse, mit guter Musik im Hintergrund und unter lauter schönen, fröhlichen Freunden. Solange man nicht selbst heiratet, das lehrt einen „The Romantics“, machen Hochzeiten eigentlich großen Spaß.




Bei mir greift das auch gerade total um sich… irgendwie scheinen alle zu heiraten… teilweise sogar jüngere als ich, das ist seltsam.
Ich glaube, den Film hier guck ich mir auch an: http://www.youtube.com/bridesmaidsmovie
Jetzt bin ich neugierig. Das Buch will ich auch lesen. Den Film schaue ich mir erst hinterher an.
Aber ob solche “Hochzeitsfilme” die richtige Vorbereitung für eine echte Hochzeit sind (auch wenn man nicht als Braut oder Bräutigam daran teilnimmt) möchte ich doch bezweifeln.
Echte Hochzeiten sind nämlich ganz anders. Ich habe schon einige erlebt, und nie ist die Braut (oder der Bräutigam) im letzten Moment abgehauen. Nie ist jemand in die Kirche gestürmt und hat einen der Brautleute angefleht, nicht zu heiraten. Und auch die sonstigen Katastrophen – zum Beispiel auf der Feier – hielten sich in Grenzen.
Nur einmal habe ich erlabt, dass sich jemand komplett betrunken und dann darüber gejammert hat , dass ihn seine Freundin verlassen hat (nein, es war nicht die Braut). Am ende hat er sich auf die Tanzfläche übergeben. Aber ansonsten waren die Hochzeiten immer ganz normal und eigentlich ein bischen spießig.
Grundsätzlich kann man sich aber bei allen Vermählungsfeiern prima Anregungen für die eigene Hochzeit holen – wenn man sie denn noch vor sich hat …
Du hast recht, Lutz, die im Film üblichen Katastrophen – zum Beispiel auch der große Sturm bei der Open-Air-Hochzeit – bleiben im wahren Leben wohl aus, aber solche kleinen Dinge wie als Single am Kindertisch landen oder neben dem schwerhörigen Großonkel des Bräutigams können ja doch passieren…
Und “Bridesmaids” sieht sehr lustig aus! Sowieso gibt es doch so viele gute Hochzeitsfilme, gerade aus den Neunzigern: “Vier Hochzeiten und ein Todesfall”, “Die Hochzeit meines besten Freundes”, “Die Braut, die sich nicht traut” – und das sind nur die, die die Hochzeit sowieso schon im Titel tragen!
“Solange man nicht selbst heiratet, das lehrt einen „The Romantics“, machen Hochzeiten eigentlich großen Spaß.” Och, manchmal machen sie sogar dann Spaß.
:) Das freut mich zu hören!