Archiv für April, 2011

Drei Gedanken zur Bundeswehr

Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielten – welche Geschichte würdest du gern machen wollen? Das hat mich vor kurzem ein Journalist gefragt, und zu meiner eigenen Überraschung wusste ich die Antwort sofort: Ich würde nach Afghanistan reisen, um Michaels Geschichte weiter zu erzählen. Im Interview 2009 blickte mein ehemaliger Mitschüler seinem sehr wahrscheinlichen Afghanistan-Einsatz noch recht gelassen entgegen. Aber wie wird es sein, wenn er auf einmal mitten drin steckt?

Ich kann nicht richtig erklären, warum mich das Thema Militärdienst so fasziniert. Vielleicht ist es die tiefe Überzeugung vieler, die dort arbeiten, dass sie ihr Land auf diese Weise unterstützen und verteidigen können – und das ungeheure Risiko, das sie dafür eingehen.

In diesem Zusammenhang wundere ich mich oft darüber, wie unterschiedlich das Ansehen von Soldaten in den verschiedenen Ländern ist. Als ich vor zwei Jahren auf dem Weg nach Costa Rica (wo es übrigens gar kein Militär gibt) einen Zwischenstopp in Atlanta einlegte, habe ich das zum ersten Mal live gesehen. Am Flughafen tummelten sich uniformierte amerikanische Soldaten, und wildfremde Menschen klopften ihnen im Vorbeigehen auf die Schultern oder riefen ihnen ein „Thank you for your service“ zu.

Darauf würde in Deutschland wohl kaum jemand kommen. Zumal die Soldaten bei uns lange nicht so präsent sind. Mit einer Ausnahme: Neulich fuhr ich mit dem Zug von Friedrichshafen in Richtung Norden, es war ein Freitag Nachmittag, an dem scheinbar sämtliche baden-württembergischen Kompanien Ausgang hatten. Jedenfalls saßen im ICE mehr Soldaten als Zivilisten – viele in Uniform, die anderen erkannte man an ihren tarngemusterten Seesäcken. Hingehen und „Danke, dass ihr das macht“ sagen? Das kam mir ziemlich komisch vor. Vor allem, weil diese Soldaten doch irgendwie das Klischee erfüllten, indem sie Ballerfilme auf ihren Laptops schauten und ansonsten nur mit ihren Partyplänen fürs Wochenende prahlten.

Ein paar Wochen später hatte ich die Möglichkeit einer Betriebsbesichtigung bei Cassidian. Die Tochterfirma von EADS ist nur eines von vielen Rüstungsunternehmen, die sich um den Bodensee scharen wie Pickel um die Nase eines 16jährigen. Cassidian produziert so ziemlich alles, was im Krieg fliegt, zum Beispiel Aufklärungsdrohnen oder den Eurofighter. Der wurde uns zwar nicht gezeigt, dafür stand ich aber plötzlich mitten in einer militärischen Kommandozentrale. Eine weitere Produktsparte sind nämlich sogenannte „mobile Systeme“ – kugelsichere Container, in denen zum Beispiel Operationssäle oder eben Büros für den Einsatz im Krieg untergebracht sind.

Ich stand in diesem Container, und weil der keine Fenster hatte und ziemlich dicke Wände, war es gar nicht so schwer sich vorzustellen, dass hinter diesen Wänden Afghanistan sei und nicht Friedrichshafen. Da schauerte ich ein bisschen und musste wieder an Michael denken, wie er in ein paar Jahren vielleicht von hier aus Kommandos gibt. Ich weiß noch nicht, ob ich das alles richtig oder falsch finde, wann die deutschen Soldaten da raus sollten und wie man alles viel besser machen könnte. Aber ich würde es gerne rausfinden. Vor Ort.

Kolumnenkolumne (1)

Darum gings: Partys sollten früher anfangen.

Die Befürchtung: Alle finden das total kindisch, spießig und naiv und ich werde nie wieder auch nur zu einer WG-Party eingeladen.

Das kam aus Berlin: “Total kindisch, spießig und naiv!”

Das kam aus Friedrichshafen: “Voll cool, das habe ich auch schon immer gedacht!” (♥)

Lieblingsleserbrief (von meinem Prof): “Parties sind nicht gut, wenn Sie früher beginnen, das ist ja das Problem, weil in Ihrer überangepassten Generation der Alkohol noch zentraler geworden ist, bis man überhaupt locker – also mal ein anderer als seine Inszenierung – werden kann. Das dauert Zeit – übrigens vor allem in Friedrichshafen. [...] Die Acid Parties der späten 1980er waren alkoholfrei (wohl allerdings nicht ganz drogenfrei) [...] in den wirklich coolen Clubs Londons gab es nur Obst und Fruchtsäfte und man begann um 6.00 Uhr, und da könnten Sie für ein kurzes Set auch Spanisch reinlegen.”

Einladungen habe ich zum Glück auch noch bekommen:
180 Minuten Party

Und dann? Dann kam die nächste Party. Und was für ein Wunder: Alle waren pünktlich! Um zehn Uhr war es proppevoll und jeder hüpfte und sprang und lachte und freute sich. Ob das nun an meiner Kolumne lag oder daran, dass das Ganze auf einem Bodenseedampfer stattfand, der um 22 Uhr ablegte… egal.

Frage, die bleibt: Ist wirklich der Alkohol schuld?

Blick in meine Küche

Das, was da Ende März in meiner Wohnung passiert ist, kann man getrost als Jahrhundertfrühlingsputz bezeichnen. Seitdem sieht meine Küche so aus:

Evas Küche

Der Toaster ist entstaubt und entkrümelt, die klebrigen Flecken von der Spüle sind endlich weg und der Herd ist so sauber wie zuletzt bei meinem Einzug. Deshalb habe ich beschlossen, das Kochen vorerst bleiben zu lassen. Denn eine einzige Curry-Reispfanne, und die ganze Mühe war umsonst!

Außerdem ist diese Küche, wie ihr seht, keine Kochküche: Sie ist so klein, dass man den Backofen nur von der Seite öffnen kann – und sobald die Klappe offen steht, kommt man nicht mehr an die Spüle. Wenn man eine Pfanne vom Herd nimmt, stößt man jedes Mal mit den Ellenbogen an die Rückwand. Und überhaupt miefe ich mit jedem neuen Rezept meine ganze Wohnung zu, weil meine Küche Kochnische ja KEINE TÜR hat.

Ich glaube nicht, dass ich superverwöhnt bin, was Küchen angeht. Aber in der Küche meiner nächsten Wohnung werde ich auf ein, zwei grundlegende Dinge doch nicht mehr verzichten:

1. Eine Tür
Offensichtlich!

2. Ein Eisfach
Ich rede mir immer ein, es sei gut, dass ich keins habe, weil ich sonst ständig fettige Kroketten und Schokoeis mit extravielen Stückchen futtern würde. Außerdem ist meine Küche ja auch keine Kochküche. Aber wenn man in einer Küche kochen will, überwiegen die Vorteile eines Eisfachs eindeutig: Man kann Brot und überschüssige Muffins einfrieren, ganz zu schweigen von all den anderen Resten, man kann im Winter Tiefkühlgemüse kaufen und im Sommer Eis SELBER MACHEN. Man kann Eiswürfel vorrätig haben. Und sich direkt eine Packung kühler Erbsen auf den Ellenbogen drücken, wenn man sich mal wieder an der Wand gestoßen hat.

3. Höhere Arbeitsflächen
Was das anbelangt, habe ich in Malin eine Seelenverwandte gefunden. Sie hat mir erzählt, dass in Deutschland die Arbeitshöhe nach der durchschnittlichen Frauengröße berechnet wird, während in Schweden die durchschnittliche Größe von Frauen und Männern zugrunde gelegt wird – und die Arbeitsflächen dadurch natürlich höher sind. Zu den Zeiten, als mein Haus gebaut wurde, müssen die Frauen Zwerge gewesen sein. Meinem Rücken tut das gar nicht gut, vor allem nicht, wenn ich mal wieder einen Berg von Spülgeschirr angesammelt habe. Apropos!

4. Eine Spülmaschine
Ich weiß, damit gehen wir allmählich zu den Luxusproblemen über, aber Spülmaschinen sind doch einfach so! toll! In der Liste der menschlichen Errungenschaften gehören sie ganz sicher zu den Top Ten, und überhaupt fange ich jedes Mal an zu wimmern, wenn ich auf der Verpackung eines neuen Küchengeräts das fast–schon-Gütesiegel „Spülmaschinenfest“ entdecke. Wie gerne würde ich meinen Multizerkleinerer, den Schaumlöffel und die Salatschleuder endlich mal alle zusammen in die Spülmaschine stecken! Ganz zu schweigen von der fiesen Knoblauchpresse…

5. Einen Induktionsherd
Den dann zur Hochzeit.

#8: Geschmacksgeschichten

Endlich eine Folge übers Kochen – und Essen! Wir tauschen Brot, casten Cornflakes und lassen euch das Wasser im Mund zusammenlaufen…

Malins Blog findet ihr unter elmlid.com. Werdet Mitglied in ihrer Facebookgruppe, um rechtzeitig von frischen Broten zu erfahren! Geschmacksgeschichten von Stevan lest ihr unter nutriculinary.com.
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Und wenn sie nicht verschlafen haben…

So, wie es Gute-Nacht-Geschichten gibt, sollte es eigentlich auch Guten-Morgen-Geschichten geben, die man zum Aufwachen im Bett erzählt bekommt. Den Anfang würde man noch verschlafen, aber irgendwann dränge die Erzählstimme sanft durchs Traumgewirr, das wäre wie von Sonnenstrahlen geweckt werden. Auch diese Geschichten wären frei von Sorgen, aber ihr inneres Gefühl wäre eifrig, nicht schläfrig. Statt guter Träume würden sie gute Tage machen, reinste Zaubergeschichten wären das.