Dieses Listen-Thema lässt mich nicht los, und vielleicht liegt das schlicht daran, dass es ein UNENDLICHES Thema ist. Zumindest, wenn es nach Umberto Eco geht. In seinem Band „Die unendliche Liste“ hat er jede Menge Listen gesammelt: visuelle Listen in Form von Gemälden, praktische Listen wie Einkaufszettel oder Inventare und poetische Listen, vornehmlich aus der Literatur. Doch das Buch ist mehr als eine reine Listenliste. Es beschreibt auch, woher der Drang, alles aufzulisten, überhaupt kommt.
Es geht darum, in einer unendlichen Welt, deren Orte, Menschen und Dinge wir nie vollständig überblicken können, kleine Endlichkeiten zu schaffen. Zu ordnen, was nicht zu ordnen ist – „denn gerne glaubt man, dass man auch versteht, was man gezählt und mit einem Etikett versehen hat.“
Bei der Lektüre fühle ich mich ertappt: Dieser Drang zur Vollständigkeit kommt mir sehr bekannt vor. Jeder ist irgendwann Sammler. Sei es im Supermarkt, wo man nichts vergessen will, im Urlaub, wo man alles fotografieren will, oder bei Facebook, wo man nichts verpassen will. Wie gut tut da eine Liste, die man einfach so abarbeiten kann, völlig frei von der Sorge, doch noch etwas zu übersehen!
Es gibt aber auch Leute, denen gefällt diese Unruhe. Sie sammeln Dinge, von denen sie genau wissen, dass sie sie nie in ihrer Gesamtheit besitzen können. Eco spricht von der „pure[n] Lust an der Anhäufung und Mehrung ad infinitum“ – mich würde das ja verrückt machen. Auch wenn ich ganz lange und fest nachdenke, fällt mir nichts ein, von dem ich ALLES haben wollte. (Außer vielleicht die vollständigen J. Crew-Kollektionen der vergangen drei Jahre. (Aber selbst da gibt es ein, zwei Farben, die mir einfach nicht stehen.))
Der kurze Streifzug durch die Uni-Bibliothek (schon eine monströse Liste an sich) zeigt: Listen sind überall.
Ganz im Gegensatz zu diesen praktischen Listen stehen die poetischen. Hier geht es weniger darum, einen Inhalt zu vermitteln als einen übergeordneten Eindruck. Wenn Patrick Süskind in „Das Parfum“ seitenlang die üblen Gerüche der Pariser Innenstadt aufzählt, Homer in der Ilias 300 Verse lang griechische Schiffe auflistet und Andy Warhol zig identische Suppendosen nebeneinander platziert, geht es immer um „einen Eindruck von Überfluss, von unendlicher Menge und Vielfalt“ – und damit auch von Unendlichkeit.
Diese fiese Unendlichkeit! Damit hat Umberto Eco mich ziemlich fertig gemacht. Denn man kann sie noch so stark bekämpfen mit lauter Listen, Sammlungen, Anhäufungen – und entkommt ihr doch nie. So bleibt auch Ecos Buch eine unbefriedigende, weil unvollständige Listenliste, deren letztes Wort nur lauten kann: “undsoweiter”.







Passend zum Thema bin ich letztlich auf listgeeks.com aufmerksam geworden — ist wahrscheinlich auch was für Dich ;)
Ohhhja :D