„It was a big year for 3D movies: Toy Story, Despicable Me, Tron… Seems like everything this year was three-dimensional. Except the characters in The Tourist.“ - Ricky Gervais bei der Verleihung der Golden Globes
Ich wollte nicht zwei Mal den gleichen Fehler machen und mir einen Henckel von Donnersmarck-Film erst viel zu spät ansehen (bei „Das Leben der Anderen“ waren das gefühlt zwei Jahre nach der Oscar-Verleihung). Also war ich schon vor ein paar Wochen im Kino und habe mich bis heute nicht ganz davon erholt.
„The Tourist“ ist das Remake einen französischen Films von 2005 (sowieso ein Unding, diese ganzen amerikanischen Neuverfilmungen, die nicht mal einen Anstandsabstand von zehn, zwölf Jahren einhalten) und ich habe keine Ahnung, wie der Regisseur sich auf so einen plumpen Stoff einlassen konnte. Aber vielleicht hat er ihn auch erst dazu gemacht?
Es geht um den trotteligen Touristen Frank (Johnny Depp), der von einer schönen Fremden im Zug angesprochen und alsbald in ein wildes Abenteuer hineingerissen wird. Er ahnt nicht, dass Elise (Angelina Jolie) ihn nur benutzt, um von ihrem Freund, einem international gesuchten Verbrecher, abzulenken. Jetzt werden die beiden von der Polizei (allen voran der ziemlich tolle Paul Bettany) über die Kanäle und Dächer Venedigs gejagt und man hat bald den Überblick darüber verloren, wer zu wem gehört und wer wie viel weiß.
Vielleicht waren es die Schauspieler, die Henckel von Donnersmarck dazu brachten, dieses Projekt anzunehmen. Denn mit Jolie und Depp, sollte man meinen, kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Nunja: kann es doch. Depp spielt lediglich eine neue Variation seines Piraten, mit kürzeren Haaren und weniger Rum. Im Grunde ist er absolut fehlbesetzt, denn wenn er eines nicht kann, ist das langweilig und unscheinbar Wirken. Genauso wie Jolie, die hier allerdings daherkommt wie ihr eigenes, immerzu schönes, über allem schwebendes Abziehbild.
So können auch die Darsteller nicht viel retten von dieser sehr platten Geschichte, die noch dazu viel zu konventionell umgesetzt wurde. Nicht nur der Schauplatz, auch die aalglatten Bilder und die allzu vorhersehbaren Gags erinnern eher an einen Commissario Brunetti-Krimi in der ARD als an großes Hollywoodkino. Am Ende hat man sich so sehr über die übertriebene Musik aufgeregt, dass einen die achso dolle Wende am Schluss schon gar nicht mehr juckt. Zumindest, was diesen Teil seiner kontroversen Rede angeht, hat Ricky Gervais also völlig recht.




Ich habe mir The Tourist ebensfalls angeguckt.
Ein Johnny Depp ist in so gut wie jeder Rolle eine Fehlbesetzung, gerade in einem solchen Film. Jolie spielt ok, jedoch wäre der Film mit unbekannteren Schauspielern VIEL besser besetzt, da diese eine Rolle spielen, während man sonst statt Elise nur Angelina Jolie sagt. Diese Meinung habe ich bei vielen Filmen und Serien (bspw. in Mad Men spricht niemand von John Ham).
Dass der Film ein Remake ist, erfuhr ich nur zufällig nach dem Kinobesuch und da ich das Original nicht kenne, kann ich den Unterschied auch nicht beurteilen. Der Trailer von Anthony Zimmer lässt den Film stark nach einem Thriller aussehen. The Tourist ist vom Genre her ein Film, das heißt alles ein bisschen, nichts ganz.
Insgesamt gefällt mir der Film gut, was ausergewöhnlich für amerikanische Filme bei mir ist. Insbesondere die Kamerafahrten im ersten Drittel verleihen dem Film einen gewissen Charme.
Leider ist The Tourist (wieso auf englisch, wenn die Aussage ‘er ist nur ein Tourist’ heißt?) überdurchschnittlich gut. Zwei Drittel aller aktuellen Filme sind eindeutig schlechter gemacht. Leider.
Ich kenne beide – Original und Remake. Das Original bietet weniger schöne Aufnahmen und der Erzählstrang reißt ein ums andere Mal ab. Statt in Venedig spielt die Handlung hier in Nizza. Allerdings ist es bis zur Schlussszene ein netter, spannender Film.
Das Remake wiederum lässt überhaupt keine Spannung aufkommen, jeder weis direkt zu Beginn, wie der Film ausgehen wird. Das liegt zu großen Teilen an der Besetzung, denn Johnny Depp nimmt man die Rolle eines einfachen, plumpen Touristen nicht ab. Zudem hat Henckel von Donnersmark den Film absolut platt erzählt. Der Vergleich mit “Commissario Brunetti”-Krimis ist daher nicht nur witzig, sondern auch absolut passend.
Und falls jemand das Original noch nicht gesehen hat: Wenn man das Ende bereits kennt, sind die zwei Stunden eigentlich Zeitverschwendung. Es sei denn, man ist auf der Suche nach einer Alternative zu Commissario Brunetti. ;)
Ich bin, wie auch schon nach unserem Gespräch, immernoch total enttäuscht, weil ich mich sehr auf den Film freute.
Aber dafür muss ich dann wohl nicht ins Kino. Danke für’s Geld retten. :D
Zum Glück, habe ich mir den Film nicht angesehen. Schon beim Durchlesen der Beschreibung, war mir klar, dass da nichts Gutes bei rauskommen kann… Sachen gibt’s. :D
Wenn man den Plot kennt und sich daraufhin die Scenen des Films noch einmal durch den Kopf gehen lässt, wird’s endgültig zur Farce. Schade um Herrn Depp, den ich ja seit Dead Man sehr mag.
freut mich, dass ich nicht der einzige bin, der eine sehr negative Meinung über diesen Film hat! ich dachte schon, ich hätte etwas positives in diesem Streifen übersehen – schließlich hat ja von Donnersmarck eindeutig Talent bewiesen und Depp hat seine schauspielerischen Qualitäten ja auch schon desöfteren bewiesen. aber nein, da ist wirklich nix positives an dem Film – und das obwohl das Original ja ganz o.k. war…