Manchmal stehe ich in einem von diesen riesigen, gut sortierten Bahnhofs- oder Flughafenkiosken und denke, „heute gönnst du dir mal was“. An so einem Tag habe ich auch Business Punk gekauft. Das waren sechs sehr gut investierte Euro.
Business Punk ist eigentlich ein Männermagazin. Das merkt man nicht nur daran, dass es in der Modestrecke um Krawatten geht und weiter hinten gleich mehrmals um schnelle Autos, sondern auch schlicht am Geschlechterverhältnis der Porträtierten. Das fällt mit 13:1 ziemlich männlich aus.

Die Porträts sind das Herz des Heftes, hier wird es seinem Namen absolut gerecht. Denn dem Leser werden fast ausnahmslos Unternehmer vorgestellt, für die das Adjektiv „mutig“ weit untertrieben wäre. Es sind Draufgänger, unerschrocken, obsessiv, chaotisch – und extrem erfolgreich. Standard-Zitate lauten „Mir ist egal, was andere denken“ (Patrick Liotard-Vogt, S. 85) oder „I’m not a business man. I’m the business, man.“ (Mark Ronson, S. 95). Die Mark Ronson-Titelgeschichte ist einer von vielen genialen Texten. Der Musikproduzent wird als Ideal des neuen Topmanagers stilisiert – mit treffenden Argumenten.
Der wohl größte Unterschied zwischen dem anderen tollen Wirtschaftsmagazin, der brand eins, und Business Punk ist wohl, dass die Geschichten hier schon auf den ersten Blick spannend und ungewöhnlich sein müssen, und nicht erst auf den zweiten. (Sowieso sollte man am besten beide Hefte lesen. Andernfalls droht die Gefahr, dass der junge BWL-Student derart vom ehemaligen Skype-Teilhaber Morten Lund beeindruckt ist, dass er sich ebenfalls vier Millionen Euro „Spielschulden“ aufhalst.)
Ein Grund, warum mich Business Punk trotz seiner Männlichkeit und seiner Hohelieder auf die Waghalsigkeit anspricht, ist die ganz eigene Sprache des Magazins, die sehr entspannt ist und in unscheinbaren Nebensätzen immer wieder überrascht. Es gibt tolle Rubriken wie den Schulhof, in der Probleme des Büroalltags (Small Talk auf der Betriebsfeier) von Schulkindern gelöst werden („Weinen hilft immer!“).
Das Ganze ist eingebettet in ein Layout, das sehr verspielt, bunt und abwechslungsreich ist, aber trotzdem nie aus dem Rahmen fällt. Allein deshalb macht das Lesen Spaß.

Und noch etwas beherrscht Business Punk so gut wie kein anderes deutsches Magazin: Social Media ist überall, aber ohne aufdringlich zu werden. Da werden ganz selbstverständlich Tweets in einen Text eingebunden und Themen aus User-Kommentaren bei Facebook generiert. Ach, wäre das toll, wenn auch andere Medien das so unaufgeregt hinbekämen!
Dass das bei Business Punk klappt, liegt aber sicher auch daran, dass die Redaktion genügend Zeit hat. Bisher erschien das Heft nur zwei, nun drei Mal im Jahr. Da kann man deutlich länger den individuellen Dreh jeder Geschichte suchen, an Texten und Layout feilen und eine Story zugunsten einer spannenderen wieder rausschmeißen. Fazit: Für diese Printperle dürfen gerne Bäume gefällt werden!


hast du im gegenzug für diesen beitrag ein jahres-abo bekommen? :-)
Ich stimme dir voll und ganz zu! :-)
Nö, manchmal lobhudele ich einfach nur so :) Und ein Jahresabo von einer Zeitschrift, die nur zwei Mal erscheint – naja…
Liebe Eva,
ich habe deinen Blogeintrag nicht gelesen, beziehungsweise lediglich den ersten Satz. Allerdings gehe ich, da ich dich Wert dingse, davon aus, dass du diese Zeitschrift hervorragend findest. Ich stimme dir zu. Hatte das Vergnügen sie zu lesen und war begeistert. Außerdem erfreut es mich, dich bloggen zu sehen.
Hochachtungsvoll
Kalle
Dass sich irgendwelche Feministinnen bei der Zeit oder Emma über dieses Magazin aufregen – nunja, die haben wohl nichts Wichtigeres zu tun …
Es ist aber schon ein Armutszeugnis nicht von „uns Männern“, sondern von Gruner + Jahr, die Welt so erbärmlich in Schwarz-Weiß (hier: Mann/Frau) einzuteilen:
Männer kochen nur, wenn ganz viel Fleisch dabei ist („Beef!“) und leben ansonsten für ihre Arbeit (vgl. Business Punkt 01/2010: „Manager-WG“, sowie das Lob auf die Fernbeziehung für „High Potentials“).
Ich fand die Themen sehr spannend. Wie du fand ich den Wage- und Hochmut erfrischend, auch das man alles von einer mal etwas anderen Seite aufzieht. Dann war ich aber enttäuscht, was daraus gemacht wurde. Diese lächerliche, das ganze Heft durchziehende Lobhudelei auf ein Leben, in dem es (angeblich) nur um die Arbeit geht – das ist doch sowas von 2000.
Ich nehme den Redakteuren noch nicht mal ab, dass sie wirklich davon überzeugt sind, was (bzw. wie!) sie schreiben. Bei G+U hat man halt einfach beschlossen, etwas ganz „cooles“ zu machen. Eigentlich will man auch nur etwas haben, wo man Anzeigen für ein kaufkräftiges Milieu platzieren kann und biedert sich dieser Zielgruppe an.
Dieses Heft ist einfach zu aufgesetzt „cool“ (man könnte auch sagen: „möchtegern“): großkotzig, anti-mainstreamig, betont (!) chauvinistisch und hedonistisch und bloß nicht politisch korrekt.
Das ist beim geschätzten brand eins doch ziemlich anders. Aber das ruhige, sachliche und zurückhaltende Konzept war ja leider schon vergeben …
GQ ist eindeutig die bessere Männerzeitschrift, brand eins das bessere Wirtschaftsmagazin. – Nice try, G+U!
danke für den hinweis – wird [wenigstens einmal] gekauft :). warum ist brand eins eigentlich bereits für so viele top und ich kenne es erst seit .. öh.. einem jahr? sollte das daran liegen, daß ich nicht hip genug bin ^^? woher kennt ‘man’ das denn so?
@rebhuhn: Öhm, also ich habe es mir mal vor ein paar Jahren gekauft, weil das schlichte Cover mich so anlachte und dann auch das Layout vielversprechend aussah.
@Bernhard
das war bei mir ähnlich – hätten die nicht das heft ‘tierisch’ gehabt, hätte ich das nie gelesen. ich und wirtschaft?! nicht denkbar.. oder so ;).
Ja nun, die Business Punk. Optisch und sprachlich gut gemacht, sicher. Aber alles in allem ein Magazin, das zwar schon so eine Art Wirtschaftsfeuilleton sein will, dabei aber nicht mitbekommen hat, dass wir vor ein paar Jahren eine kleine Wirtschaftskrise hatten. Coole Männer, die die Welt mit ihrer leidenschaftlichen Egozentrik lenken, hallo? Wo hat uns denn genau diese Haltung higeführt?
Mein Herz freut es, dies hier zu lesen. Ich schleiche auch regelmäßig um dieses Heft herum, aber aus Angst, dass es dann doch eine Vollkatastrophe ist, wie vieles zuvor schon, habe ich es bisher sein lassen, es zu kaufen.
Aber nachdem, was ich hier so lese, kann ich doch nicht so viel falsch machen und nehme es mir demnächst einfach mit. Danke dir.
“Business Punk ist eigentlich ein Männermagazin. Das merkt man [...] auch schlicht am Geschlechterverhältnis der Porträtierten. Das fällt mit 13:1 ziemlich männlich aus.”
Wie sind denn die Geschlechterverhältnisse bei den Männermagazine, die man natürlich nur wegen der Interviews liest? ;-)
Ich hab es eigentlich nicht mit Business Magazinen und der Wirtschaftsteil, in der Zeitung, wird bestenfalls überflogen. Aber vielleicht sollte ich der Zeitschrift mal eine Chance geben.