Archiv für Januar, 2011

Küchenstolz: Traubenmuffins

Traubenmuffins

Was ich zum Semesterstart brauchte: neues Druckerpapier, einen Kalender für 2011, endlich einen VGA-Adapter – und Apfelsaft! Also habe ich wieder für Vivi gebacken. Dieses Mal hat er sich „was mit Weintrauben“ gewünscht und mich damit erstmal überrascht, denn ich kannte bisher zwar Muffins mit Rosinen, aber Trauben? Ein bisschen Stöbern brachte mich auf dieses Rezept – und siehe da: Weintrauben und Muffinteig vertragen sich vorzüglich! Apfelsaft und Frühstückstoast übrigens auch. Aber das wussten wir ja schon vorher.

Nichts Neues von Naumann

Am Mittwoch war Dr. Michael Naumann zu Gast in meiner Uni. Der 69-jährige führt sein (Berufs-)Leben nach einer Formel, die ich sehr reizvoll finde: Er macht alle zehn Jahre etwas anderes. So war er Redakteur und Auslandskorrespondent für die Zeit (und später auch noch mal deren Herausgeber und Chefredakteur), Geschäftsführer des Rowohlt Verlags, Kulturstaatsminister und Spitzenkandidat der Hamburger SPD bei der Bürgerschaftswahl 2008. Seit ziemlich genau einem Jahr ist er nun Chefredakteur des „Cicero“, eines politischen Magazins aus Berlin, das so etwas wie der deutsche „New Yorker“ sein will.

Naumann sollte uns etwas über die Zukunft der Printmedien erzählen. Dazu gibt es aber langsam wirklich nichts Neues mehr zu sagen, und so sprach er auch noch über die Buchbranche, das Fernsehen und was ihm sonst so in den Sinn kam. Ein paar Sätze konnte ich mitschreiben.

„Als ich dann im Bundeskanzleramt landete, sagte Gregor Gysi zu mir: „Sie werden in den nächsten zwei Jahren keinen einzigen Roman lesen.“ Ich dachte nur: „Ossi.“ Aber Ossi hatte recht.“

„Ein Zeitungsverleger, der nicht klagt, ist keiner.“

„Die New York Times ist zweifellos die beste Zeitung der Welt.“

„Die Hoffnung, dass das Internet irgendwann mal für Verlage profitabel wird, halte ich für vage.“

„Warum bin ich Journalist geworden? Einer der Hauptgründe ist wohl: Eitelkeit. Deswegen gibt es auch verhältnismäßig wenig Frauen in dem Beruf – weil Männer allgemein eitler sind.“

„Große Reisen können Sie sich als Journalist abschminken, bei der Kostenstruktur der Verlage heutzutage. Das kriegt man alles übers Internet geliefert. Aber der Geruch fehlt.“

„Das öffentlich-rechtliche Modell steht auf ganz dünnem verfassungsrechtlichen Eis.“

„Studieren Sie Volkswirtschaft – nicht Betriebswirtschaft, das ist zu einfach. Das Land wimmelt von Betriebswirten, aber die Volkswirte erklären uns, was die Betriebswirte alles falsch gemacht haben.“

Kurz vor Film gibt’s noch einen Film

Jedes Jahr werden allein in Deutschland 2000 Kurzfilme produziert. Zu sehen kriegen wir die so gut wie nie, denn sie laufen fast nur auf Festivals oder im Arte-Spätprogramm. Die Kampagne Kurz vor Film der AG Kurzfilm, der KurzFilmAgentur Hamburg und interfilm Berlin will das ändern und den Vorfilm zurück ins Kino bringen. Projektkoordinatorin Heide Schürmeier erklärt, wieso.

Frau Schürmeier, Ihre Kampagne setzt sich dafür ein, dass im Kino wieder Vorfilme gezeigt werden. Warum sind die überhaupt verschwunden?
Nach dem Krieg gab es Steuervergünstigungen für Kinobetreiber, wenn sie Kurzfilme mit Prädikat als Vorfilme zeigten. Die waren allerdings nicht immer so prickelnd. Neben Sketchen wie den alten La Linea-Filmen war auch die eine oder andere Tierdoku dabei… Als die Steuer dann gekippt wurde, gab es keinen Anreiz mehr für die Kinos, Vorfilme zu zeigen. Außerdem wurden immer mehr Trailer und Werbung gezeigt. Die Hauptfilme wurden länger und die Zeitschienen der Kinos enger. Heute laufen in einem Saal mitunter vier Filme pro Abend.

Aber gerade die großen Kinoketten werden doch nicht auf Werbeeinnahmen verzichten, um stattdessen Vorfilme aufzuführen.
Stimmt. Deshalb richten wir uns auch eher an Arthouse- und kleine, kommunale Kinos. Dort wird oft wenig Werbung gebucht und es ergeben sich Lücken, um einen Vorfilm einzusetzen und sich so einen Wettbewerbsvorteil beim Publikum zu verschaffen. Vorfilme sind für diese Kinos nahezu kostenlos. Sie kriegen nämlich bis zu 1500 Euro Förderung von der Filmförderungsanstalt, wenn sie welche zeigen. Der Eigenanteil beträgt gerade einmal 20 Prozent. Von dem Geld kann man sich schon ein Kurzfilmabo leisten. Der Kinobetreiber bekommt dann jede Woche einen neuen Kurzfilm, den er so oft zeigen kann, wie er will.

Was unterscheidet Kurz- von Langfilmen?
Im Kurzfilm konnten Filmemacher schon immer unglaublich viel ausprobieren – seien es technische Möglichkeiten, neue Bildsprachen oder Experimente im Animationsbereich, wie wir sie zum Beispiel aus den Pixar-Vorfilmen kennen. Das sind lauter Dinge, die man im Langfilmbereich niemals umsetzen könnte, da sie zu zeit- und kostenintensiv wären. Weil die Produktionen schneller und günstiger ablaufen, sind Kurzfilme oft sehr aktuell. Themen wie die Zukunft der Arbeit oder die Wirtschaftskrise können innerhalb weniger Monate aufgegriffen werden. Es braucht keine vier bis fünf Jahre wie im Langfilmbereich.

Eignet sich jeder Kurzfilm auch als Vorfilm?
Im Idealfall harmonisiert der Vorfilm mit dem Langfilm, weil er Thema und Ästhetik aufgreift und dem Zuschauer so ein Gesamtpaket bietet. Der Vorfilm sollte zehn, höchstens 15 Minuten dauern und einen gewissen Unterhaltungswert haben – schwermütige Stoffe eignen sich nicht so gut, wenn man danach noch eineinhalb Stunden in eine weitere Geschichte eintauchen will. Trotzdem kommt es nicht selten vor, dass am Ende des Abends mehr über den Vorfilm geredet wird als über den Hauptfilm.

Was kann ich als Kinobesucher tun, damit ich bald wieder mehr Vorfilme sehe?
Als Kinobesucher kann man die Kampagne bei Facebook oder mit einer Unterschrift auf unserer Website unterstützen. Die gesammelten Unterschriften sollen unserer Forderung mehr Schlagkraft verleihen, wenn wir im Februar auf der Berlinale nochmal die Werbetrommel für Vorfilme rühren. Und dann kann man natürlich einfach mal im Kino seiner Wahl nachfragen: Warum zeigt ihr keine Vorfilme? Manchmal wissen die Kinobetreiber nämlich noch gar nichts von den Fördermöglichkeiten.

jetzt.de, 23. Januar 2010

The Tourist

The Tourist
„It was a big year for 3D movies: Toy Story, Despicable Me, Tron… Seems like everything this year was three-dimensional. Except the characters in The Tourist.“ - Ricky Gervais bei der Verleihung der Golden Globes

Ich wollte nicht zwei Mal den gleichen Fehler machen und mir einen Henckel von Donnersmarck-Film erst viel zu spät ansehen (bei „Das Leben der Anderen“ waren das gefühlt zwei Jahre nach der Oscar-Verleihung). Also war ich schon vor ein paar Wochen im Kino und habe mich bis heute nicht ganz davon erholt.

„The Tourist“ ist das Remake einen französischen Films von 2005 (sowieso ein Unding, diese ganzen amerikanischen Neuverfilmungen, die nicht mal einen Anstandsabstand von zehn, zwölf Jahren einhalten) und ich habe keine Ahnung, wie der Regisseur sich auf so einen plumpen Stoff einlassen konnte. Aber vielleicht hat er ihn auch erst dazu gemacht?

Es geht um den trotteligen Touristen Frank (Johnny Depp), der von einer schönen Fremden im Zug angesprochen und alsbald in ein wildes Abenteuer hineingerissen wird. Er ahnt nicht, dass Elise (Angelina Jolie) ihn nur benutzt, um von ihrem Freund, einem international gesuchten Verbrecher, abzulenken. Jetzt werden die beiden von der Polizei (allen voran der ziemlich tolle Paul Bettany) über die Kanäle und Dächer Venedigs gejagt und man hat bald den Überblick darüber verloren, wer zu wem gehört und wer wie viel weiß.

Vielleicht waren es die Schauspieler, die Henckel von Donnersmarck dazu brachten, dieses Projekt anzunehmen. Denn mit Jolie und Depp, sollte man meinen, kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Nunja: kann es doch. Depp spielt lediglich eine neue Variation seines Piraten, mit kürzeren Haaren und weniger Rum. Im Grunde ist er absolut fehlbesetzt, denn wenn er eines nicht kann, ist das langweilig und unscheinbar Wirken. Genauso wie Jolie, die hier allerdings daherkommt wie ihr eigenes, immerzu schönes, über allem schwebendes Abziehbild.

So können auch die Darsteller nicht viel retten von dieser sehr platten Geschichte, die noch dazu viel zu konventionell umgesetzt wurde. Nicht nur der Schauplatz, auch die aalglatten Bilder und die allzu vorhersehbaren Gags erinnern eher an einen Commissario Brunetti-Krimi in der ARD als an großes Hollywoodkino. Am Ende hat man sich so sehr über die übertriebene Musik aufgeregt, dass einen die achso dolle Wende am Schluss schon gar nicht mehr juckt. Zumindest, was diesen Teil seiner kontroversen Rede angeht, hat Ricky Gervais also völlig recht.

Fünf Vorsätze, die mein Leben ab morgen besser machen

Heute ist der Montag, mit dem mein 2011 so richtig beginnt – und damit der passende Zeitpunkt, um nochmal zu überlegen, ob ich das mit den Neujahrsvorsätzen nun mache oder nicht.

Vor einer Woche erschien im SZ Magazin Meike Winnemuths Text „Wohlsein!“ über ein Selbstexperiment, das ich auch schon in Erwägung gezogen habe (wer hat das nicht): Winnemuth hat sieben Wochen lang ihre Lebensweise von „ganz okay“ auf „perfekt“ umgestellt und so gelebt, wie man laut Ärzten und Ratgebern leben soll. Gesunde Ernährung, Jane Austen-Hörbücher beim Joggen, Zahnzwischenraumbürsten, lauter solche Dinge.

Nun gut, ganz so extrem wollte ich es natürlich nicht treiben, aber es gibt diese Liste in meiner Nachttischschublade, mit den wenigen Vorsätzen, die mein Leben sicher besser machen würden. Wirklich eingehalten habe ich leider noch keinen von ihnen. Vielleicht lag das aber gerade daran, dass ich die Liste geheim gehalten habe. So gab es immer ein Schlupfloch. Außer meines schlechten Gewissens war da niemand, der mich hätte tadeln können, als ich doch wieder einen Pickel ausdrückte oder das heute journal verpasste.

Deshalb habe ich beschlossen, diese Liste heute öffentlich zu machen, in der Hoffnung, dass ihr, liebe Leserschaft, mein Gewissen und damit meine Disziplin stärkt.

1. Fit werden

Sport ist wirklich zu kurz gekommen in den letzten Monaten, wenn man mal von dem Hausfrauen-Pilateskurs absieht, den ich zuletzt jeden Donnerstag Abend in einer Grundschulturnhalle besucht habe. Ich bin immer noch nicht sicher, ob mit „Beckenboden anspannen!“ wirklich das gemeint war, was ich da gemacht habe (um das zu wissen, muss man wahrscheinlich die ein oder andere Geburt hinter sich haben). Ich bin mir aber auch noch nicht sicher, welche die passende Alternative wäre. Wieder regelmäßig zu tanzen fände ich gut, oder Tennis spielen.
Das ist der Plan: Einen Meinen Sport finden und ab sofort immer die Treppe nehmen. Also WIRKLICH immer.

2. Weniger prokrastinieren

Es gab mal eine Zeit, da war ich richtig gut im nichts Aufschieben. Dann kam die Uni mit ihren vielen Referaten und Thesenpapieren und Prüfungen und sowieso noch der ganze Haushaltskram drumrum. Uff! Dabei geht es einem viel besser, wenn man einfach alles sofort macht. Außerdem könnte ich dann im Facebook Chat endlich wieder „Ich langweile mich“ statt „Ich drücke mich“ schreiben, wenn Leute fragen, was ich eigentlich von ihnen will.
Das ist der Plan: Mehr am Schreibtisch arbeiten und weniger auf dem Sofa.

3. Pickel nicht mehr ausdrücken

Es bewirkt einfach genau das Gegenteil von dem, was man will! BÖSE!
Das ist der Plan: Abends im Dunkeln abschminken.

4. Mehr lesen

Ich lese unheimlich gern, aber ich habe mir abgewöhnt, ein Buch nach dem anderen zu lesen. Ständig kommen irgendwelche Magazine, RSS-Überschwemmungen oder Abstracts dazwischen, die gerade wichtiger sind und schneller gehen. Und wenn sich doch mal eine freie Stunde ergibt, lande ich statt mit einem Roman mit der Fernbedienung auf dem Sofa.
Das ist der Plan: Je ein Kapitel aus Joey Goebels „Heartland“ vor dem Schlafengehen und nächste Woche direkt mit Stuckrad-Barre weitermachen.

5. Täglich Nachrichten schauen

Es ist nicht so, als ob das Weltgeschehen völlig an mir vorbeizöge, im Gegenteil. Aber wenn ich es schaffe, pünktlich einzuschalten, empfinde ich das heute journal jedes Mal als Bereicherung. Weil da die Top-Neuigkeiten mal aus anderen Blickwinkeln betrachtet werden und Auslandsreporter auch berichten dürfen, wenn in ihren Ländern gerade nichts explodiert oder überflutet wird. Und weil der letzte Beitrag immer ein Wundertütenbeitrag ist.
Das ist der Plan: Öfter mal die ZDF-Mediathek benutzen.

So weit, so gut. Meike Winnemuth kam übrigens zu dem Schluss, “dass es geht. Ich weiß nur nicht, wie es für immer geht.” Schauen wir mal, ob ich das herausfinde.