Gute Musik eignet man sich normalerweise selbst an. Man entdeckt sie im Internet oder im Radio, bekommt sie empfohlen oder geschenkt. Aber es gibt auch Musik, die wird einem sozusagen vererbt. Die Eltern hören sie so oft, dass man sich gar nicht dagegen wehren kann, sie auch dann noch zu mögen, wenn man nicht mehr innerhalb der gleichen Schallgrenzen lebt. Von meiner Mutter habe ich so das Faible für Soundtracks geerbt. Die liefen vor allem auf Autofahrten und in der Küche – man kam also nicht dran vorbei.
Ein guter Soundtrack ist wie aus einem Guss. Er fasst den Film, zu dem er gehört, zusammen und bringt mich zurück in genau die Stimmung, in der ich im Kino war. „Elizabethtown“ ist die richtige Musik für lange Autofahrten übers Land. „Ein gutes Jahr“ befördert mich in die romantische Provence, „Vicky Cristina Barcelona“ ins aufregende Spanien. „An Education“ transportiert all den Glamour der 60er Jahre. „Something’s Gotta Give“ ist gut für gemütliche Nachmittage Zuhause. Soundtracks eignen sich auch super für einen Abend mit Freunden, an dem man vorher keine Zeit hatte, eine Playlist mit Hintergrundmusik zusammenzustellen. Dann packe ich „In the Land Of Women“ aus oder „500 Days Of Summer“. Zu guter letzt gibt es noch die Soundtracks, die man wie eine gut kuratierte Kunstausstellung ganz bewusst erleben muss. Bestes Beispiel dafür: Sofia Coppolas „Marie Antoinette“.
Mein Vater mochte Musik früher phasenweise. Er entdeckte einen Künstler oder auch bloß ein Album für sich und hörte es rauf und runter. Da gab es für die Familie kein Entkommen. So ist meine Leidenschaft für den „Buena Vista Social Club“ entstanden. Dieses wunderbare Standardwerk des kubanischen Son hat, wenn ich ehrlich bin, auch maßgeblich dazu beigetragen, dass ich anfing, Spanisch zu lernen.
Und dann natürlich Al Green. Ich weiß nicht, wie viele Alben von Al Green bei meinem Vater im Regal stehen. Ein paar davon trage ich immer auf meinem Ipod mit mir rum. Meistens ist der im Random-Modus, und was nicht zum jeweiligen Gemütszustand passt, wird einfach weggedrückt. Die Musik von Al Green ist die einzige, die ich nie wegdrücke, weil sie immer passt. Ich kann gar nicht genau sagen, warum das so ist. Wahrscheinlich ist einfach alles perfekt: der Takt, der Text, die Intonation. Man kann mitwippen, -singen, -fühlen. Oder die Songs im Hintergrund laufen lassen. Das haben übrigens auch viele Filmemacher erkannt: Laut IMDB wurde Al Greens Musik bisher in 77 verschiedene Soundtracks aufgenommen.




Kommentiert
alex: Hallo Eva, ein schönes Interview und eine technisch ansprechende Umsetzung. Einzige Kritik: Der Ton :) Manchmal musste man doch etwas genauer hinhören...
Nico: Fühlte mich beim Sehen dieses Videos daran erinnert: https://vimeo.com/3608666 9 “I’m not writing it down to remember it later, I am...
anna*: tolle reihe, echt spannend!
anna*: berührend. und das meine ich nicht pathetisch, aber ich weiß mich gerade nicht besser auszudrücken als “das berührt meine seele”.