Archiv für Oktober, 2010

Ich habe geerbt!

Gute Musik eignet man sich normalerweise selbst an. Man entdeckt sie im Internet oder im Radio, bekommt sie empfohlen oder geschenkt. Aber es gibt auch Musik, die wird einem sozusagen vererbt. Die Eltern hören sie so oft, dass man sich gar nicht dagegen wehren kann, sie auch dann noch zu mögen, wenn man nicht mehr innerhalb der gleichen Schallgrenzen lebt. Von meiner Mutter habe ich so das Faible für Soundtracks geerbt. Die liefen vor allem auf Autofahrten und in der Küche – man kam also nicht dran vorbei.

Ein guter Soundtrack ist wie aus einem Guss. Er fasst den Film, zu dem er gehört, zusammen und bringt mich zurück in genau die Stimmung, in der ich im Kino war. „Elizabethtown“ ist die richtige Musik für lange Autofahrten übers Land. „Ein gutes Jahr“ befördert mich in die romantische Provence, „Vicky Cristina Barcelona“ ins aufregende Spanien. „An Education“ transportiert all den Glamour der 60er Jahre. „Something’s Gotta Give“ ist gut für gemütliche Nachmittage Zuhause. Soundtracks eignen sich auch super für einen Abend mit Freunden, an dem man vorher keine Zeit hatte, eine Playlist mit Hintergrundmusik zusammenzustellen. Dann packe ich „In the Land Of Women“ aus oder „500 Days Of Summer“. Zu guter letzt gibt es noch die Soundtracks, die man wie eine gut kuratierte Kunstausstellung ganz bewusst erleben muss. Bestes Beispiel dafür: Sofia Coppolas „Marie Antoinette“.

Mein Vater mochte Musik früher phasenweise. Er entdeckte einen Künstler oder auch bloß ein Album für sich und hörte es rauf und runter. Da gab es für die Familie kein Entkommen. So ist meine Leidenschaft für den „Buena Vista Social Club“ entstanden. Dieses wunderbare Standardwerk des kubanischen Son hat, wenn ich ehrlich bin, auch maßgeblich dazu beigetragen, dass ich anfing, Spanisch zu lernen.

Und dann natürlich Al Green. Ich weiß nicht, wie viele Alben von Al Green bei meinem Vater im Regal stehen. Ein paar davon trage ich immer auf meinem Ipod mit mir rum. Meistens ist der im Random-Modus, und was nicht zum jeweiligen Gemütszustand passt, wird einfach weggedrückt. Die Musik von Al Green ist die einzige, die ich nie wegdrücke, weil sie immer passt. Ich kann gar nicht genau sagen, warum das so ist. Wahrscheinlich ist einfach alles perfekt: der Takt, der Text, die Intonation. Man kann mitwippen, -singen, -fühlen. Oder die Songs im Hintergrund laufen lassen. Das haben übrigens auch viele Filmemacher erkannt: Laut IMDB wurde Al Greens Musik bisher in 77 verschiedene Soundtracks aufgenommen.

Küchenstolz: Burger mit Bratkartoffeln

Unter meinen Freunden und Kommilitonen sind viele begeisterte Hobbyköche. Am meisten bewundere ich, wie manche von ihnen mit Gewürzen umgehen – nämlich sehr virtuos. Mir fehlt noch ein bisschen das Gefühl dafür (naja, und das umfassende Gewürzrepertoire leider auch…). Die Wirkung von Salbei oder der Unterschied zwischen grünem, roten und schwarzen Pfeffer wage ich nicht zu beurteilen. Stattdessen verlasse ich mich lieber auf fertige Gewürzmischungen. Die sehen genauso aus, nur, dass nicht draufsteht, was drin ist, sondern wo es dran kommt. Die Bratkartoffeln schmeckten dank “Bratkartoffel-Würzer” ganz wunderbar.

Meine Frage an all die Köche da draußen: Ist das nun legitim oder kommt es einem Fix-Tütengericht gleich? Und wie habt ihr das Würzen gelernt?