Archiv für Oktober, 2010

Jungs! Seid sexy, tragt Hüte!

John F. Kennedy fand ich immer super. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um seine Politik – um Kuba, Vietnam, den Kalten Krieg, wo er bestimmt an der einen oder anderen Stelle zu kritisieren ist. Aber ich mag das Bild, das dieser Präsident und seine Familie hinterlassen haben. In Berlin, direkt am Brandenburger Tor, wo Kennedy einst seine berühmte Rede hielt, gibt es ein tolles Museum, das genau dieses Bild aufleben lässt, mit zahlreichen Überbleibseln aus seiner Regierungszeit und vor allem: jeder Menge Fotos.

Vielleicht liegt meine Zuneigung zu Kennedy darin begründet, dass sowohl er als auch seine Frau vor ihrem First Family-Dasein als Journalisten gearbeitet haben. Da ist es kein Wunder, dass sie es wie kein Präsidentenpaar zuvor verstanden, richtig mit den Medien umzugehen.

JFK war der erste amerikanische Präsident, der Pressekonferenzen im Fernsehen übertragen ließ und einen Hausfotografen einstellte. Der durfte freilich nur vorteilhafte Bilder machen: Nie sieht man Kennedy auf diesen Fotos mit Brille oder gar den Krücken, die er eine Zeit lang benötigte. Vor Fernsehduellen übte er gute Argumente ein und ließ sich sogar schminken – angeblich hat er nur deswegen auch gewonnen. Nixon sah einfach zu unrasiert aus.

Im Museum gibt es dementsprechend kaum ein Bild von Kennedy, auf dem er nicht gut aussieht. Sei es als Jungspund, bei seinen Wahlkämpfen oder in Familienurlauben auf Cape Cod. Außerdem kann man seine Aktentasche bestaunen, die geheime Lesebrille und viele Briefe und Notizen. Darunter auch die Karteikarte, die er bei seiner Berliner Rede 1963 dabei hatte: „Ish bin ein Bearleener“.

Meine Begeisterung für JFK wurde jedoch getrübt, als ich vor kurzem diesen Nachruf von E.B. White fand, den dieser nach Kennedys Ermordung für den New Yorker verfasste. “When we think of him, he is without a hat”, heißt es da gleich am Anfang.

Tatsächlich war es John F. Kennedy, der in seiner Nebenfunktion als Stilikone dafür sorgte, dass der Hut aus dem Standardrepertoire der Männermode verschwand. Vor seinem Amtsantritt war es üblich, dass Herren bei jeder Gelegenheit eine Kopfbedeckung trugen. Jetzt war der junge, sehr medienwirksame Präsident allzu oft oben ohne unterwegs.

Und das nehme ich ihm, ehrlich gesagt, ein bisschen übel. Ich mag Männer mit Hüten. Sie sind ein wunderbares Accessoire und können viel über den Charakter eines Menschen aussagen. Ein kleiner Hut aus Korb, mit buntem Band? Locker und fröhlich! Hoher Sturz und breite Krempe? Sehr selbstbewusst! Es gibt so viele Farben, Formen und Materialien, mit denen man herrlich spielen kann. Außerdem schützt ein Hut vor Wind und Wetter (und dem freien Blick auf eventuelle Geheimratsecken). Und zu guter letzt: Hüte sind sexy!

Also, liebe Jungs, bitte tragt wieder Hüte! Und falls ihr immer noch nicht überzeugt seid, werft einfach einen Blick in dieses Video:

Föhnverwöhnt

Wenn ich eines von meinen Eltern gelernt habe, dann, dass man das Haus nicht mit nassen Haaren verlässt. Zumindest nicht im Winter. Deshalb habe ich mir schnell angewöhnt, meine Haare jeden Morgen trocken zu föhnen. Und weil ich so eine innige Beziehung zu meinem Föhn habe, hier drei Sätze dazu:

Erstens. Was Haartrockner angeht, bin ich ziemlich verwöhnt. Meine Tante ist Friseurin und bekommt deshalb immer die Profi-Kataloge, aus denen man tolle bunte Lockenwickler und unkaputtbare Haarklammern bestellen kann. Letztes Jahr lag zum Beispiel eine geniale anti-statische Bürste unter dem Weihnachtsbaum. So kommt es auch, dass ich in Besitz eines übelst guten Friseursalonföhns bin: des Jaguar HD 3900. Der sorgt dafür, dass mein Pony jeden Morgen schön fluffig fällt und meine Haare in HD-Qualität glänzen. Wahrscheinlich hat nicht einmal Udo Walz einen besseren Föhn. Ihr merkt schon: Ich bin föhnverwöhnt.

Zweitens. Deswegen gehe ich nicht gern schwimmen. In öffentlichen Schwimmbädern gibt es immer nur diese komischen Föhne (das ist wirklich die Mehrzahl, ich habe es nachgeschlagen), die oft nicht einmal aussehen wie Föhne. Es sind einfach nur lange Schläuche mit einem Aufsatz – wie die Staubsauger an der Tankstelle. Zu allem Überfluss haben sie auch noch einen Power-Knopf, den man die ganze Zeit gedrückt halten muss, anstatt ihn einmal ein- und schließlich wieder auszuschalten. Als Pubertierende war ich manchmal so genervt von den Dingern, dass ich einfach mit nassen Haaren nach Hause gefahren bin. Es war eine nasskalte Novemberwoche, in der ich lernte, dass Eltern manchmal eben doch recht haben.

Drittens. Noch schlimmer als Schlauchföhnen im Schwimmbad ist es aber, überhaupt keinen Föhn zu haben. Das wiederum lernte ich, als ich zum ersten Mal meine Uni besuchte. Ich fuhr nach Friedrichshafen, zum „Studieren Probieren“, und durfte freundlicherweise in einer Studenten-WG übernachten. Was ich vorher nicht wusste: Die WG bestand ausschließlich aus Jungs. Das ist an sich natürlich nichts schlechtes… aber diese Jungs hatten alle kurze Haare. Und deshalb keinen Föhn. Wieder war es ein nasskalter Tag, dieses Mal im Januar. Mit feuchten Haaren nach draußen, um dann den ganzen Tag zu schniefen? Keine Chance. Also fand mein erster Besuch in der Wunschuni mit ungewaschenen Haaren statt. Seitdem nehme ich meinen Jaguar HD 3900 überall hin mit. Auch nach Friedrichshafen – denn zum Glück haben sie mich ja trotzdem genommen.

Küchenfrust: Spaghetti mit Knoblauch, Thymian, Pilzen und zu viel Zitrone

Spaghetti mit Knoblauch, Thymian, Pilzen und zu viel Zitrone

Maaan, ist das ärgerlich, wenn man die akribisch zusammengesammelten (wenn auch nicht allzu anspruchsvollen) Zutaten sorgfältig putzt, schnibbelt, hackt und reibt – und dann am Ende etwas völlig Ungenießbares herauskommt! Irgendwas muss ich beim Umrechnen dieses Rezeptes der britischen Starköchin Nigella Lawson falsch gemacht haben… Andererseits: Was soll man auch von einer Köchin halten, die ihr Mexikanisch-Kapitel mit dem Satz “Ich bin zwar noch nie in Mexiko gewesen…” anfängt?

#6: Rot

In dieser Folge treffe ich 4000 Rothaarige! In Holland!!

The Social Network

The Social Network
“Was die Anschuldigungen betrifft, denke ich, verdiene ich etwas Anerkennung von diesem Gremium.”

Ich mag ja gute Collegefilme. „The Social Network“ ist so einer. Aber natürlich ist er noch ein bisschen mehr. Er behandelt Personen, die es wirklich gibt, und ein Netzwerk, in dem weltweit 500 Millionen Menschen Mitglied sind. Deshalb funktioniert der Film auch genau so wie Facebook selbst: Man guckt ihn sich an, schon allein, weil er einen auch irgendwie persönlich betrifft.

Dieses Phänomen – dass es uns reizt, alles über die Menschen und Dinge zu erfahren, die wir gut kennen und mit denen wir alltäglich zu tun haben – hat Marc Zuckerberg zum jüngsten Milliardär der Welt gemacht. Es ist schon verrückt, dass ausgerechnet ihm diese Jahrhundertidee kam, ihm, dem Informatikfreak, der keine Freunde hatte und auch sonst ziemlich uncool war. Er wollte dazugehören, Mitglied der elitären Clubs werden. Erst an seiner Uni Harvard, später im Silicon Valley. Letztendlich war Zuckerbergs größte Schwäche auch sein größtes Kapital, denn er wusste genau, was seine Kommilitonen wollten – bevor sie es selbst wussten.

Der Film beschreibt die Entstehungsgeschichte von Facebook aus den Perspektiven von Zuckerberg, seinem Partner Eduardo Saverin und einem versnobten Ruderer-Trio, das ihm bald Diebstahl geistigen Eigentums vorwerfen wird. Als Zuschauer beobachtet man fasziniert, wie Facebook allmählich zu dem wird, was es heute ist, und fragt sich unweigerlich, wie das Leben eigentlich vor Facebook war?! (Das ist wie mit Handys. Oder Billigfliegern.)

Mit dem unfassbar steilen Aufstieg des Netzwerks beginnt ein Rausch, den man als Zuschauer hautnah miterlebt. Es hat mich beeindruckt, wie gut das filmisch gemacht war. Man wird mitgerissen, hinein in den Wahnsinn um Traffic, Mitgliederzahlen, Anerkennung und das große Geld. Es gibt exzessive Partys und exzessive Programmiernächte. Zuckerberg bekommt endlich das, was er immer gewollt hat: Ruhm.

Seine Charakterisierung ist eine der besonderen Leistungen dieses Films. Normalerweise sind Nerds einfach Nerds – vor allem auf der großen Leinwand. Drehbuchautor Aaron Sorkin und Hauptdarsteller Jesse Eisenberg (den man zum Beispiel aus „Adventureland“, dem anderen Film mit Kristen Stewart, kennt) entwerfen aber ein deutlich vielschichtigeres Bild des Facebookgründers. Er wirkt weder sympathisch noch richtig unsympathisch, eher wie jemand, „der sich große Mühe gibt, ein Arschloch zu sein“, wie seine Anwältin es einmal formuliert.

Das Arschloch lässt Zuckerberg schließlich sogar seinem einzigen Freund gegenüber heraushängen. Prompt hat er eine zweite Klage am Hals. Die Anhörungen dazu bilden die Rahmenhandlung des Films. Darüber, wie viel von dieser Geschichte letztlich wahr ist, lässt sich bestimmt streiten. Aber ich finde, darum geht es auch gar nicht. Viel spannender ist ja, was die einzelnen Charaktere antreibt. Die einen wollen Geld, die anderen beliebt sein, wieder anderen geht es um die Ehre. Welches ist das richtige Motiv? Wer soll gewinnen?

Mir gefällt dieser Film unheimlich gut, weil er mich mitfiebern lässt, weil er mich zum Nachdenken und Abwägen bringt, weil er trotz „Discount-Budget“ von 40 Millionen Dollar sehr schön ausgestattet ist und ich den Schauspielern ihre Rollen abnehme. Es ist einfach eine gute Geschichte! Und ich gehöre ja irgendwie auch ein klitzekleines bisschen dazu.