Die lauen Abende, die wir hier am See im Moment genießen, erinnern mich an den Sommerurlaub. Wir sind durch Frankreich gereist, mein erster richtiger Roadtrip – mit meinem ersten eigenen Auto. Noch vor eineinhalb Jahren hätte ich niemandem geglaubt, der mir prophezeit hätte, dass ich das Autofahren einmal so schätzen würde. Den Führerschein habe ich Monate lang schleifen lassen. Solange, bis klar war, dass ich am Bodensee studieren würde und nicht in einer mit einem umfassenden öffentlichen Nahverkehr ausgestatteten Großstadt. (Das war nämlich eigentlich der Plan.)
Jetzt bin ich sehr glücklich mit meinem kleinen royalblauen Gebrauchtwagen. Es ist ein Opel, weil Papa gesagt hat, nur Opel und VW hätten genug Knautschzone für mich. Und weil Polos irgendwie Jungsautos sind und Corsas irgendwie Mädchenautos, entschied ich mich für letzteren. Ich bin nicht so sehr Mädchen, dass ich meinem Auto einen Namen verpasse. Ein bisschen Persönlichkeit hat es trotzdem, seit ich in einer dunklen, eisglatten Januarnacht an einer Hausecke hängenblieb. Es war eine sehr fiese Hausecke! Und sehr dunkel!
„Streifkollision‟ nannte das der Schweizer Polizist, der uns auf der Rückfahrt von Frankreich aus dem Verkehr zog, und ließ mich erst weiterfahren, nachdem ich ihm versichert hatte, dass dieses kleine Missgeschick nicht in seinem Land passiert ist und ich also auch nicht die Schweiz kaputt gemacht habe.
Was ich an meinem Auto besonders schätze, ist nicht so sehr die Möglichkeit, im Winter trocken in die Uni zu kommen oder einen Kasten Wasser mühelos nach Hause transportieren zu können. Es ist die Freiheit, einfach loszufahren, wann ich will und wohin ich will. Neulich habe ich gelesen, dass Sarah Kuttner „Sinnloses Herumfahren im Auto‟ zu ihren Hobbys zählt. Das gilt für mich auch. Man kann einfach so wunderbar nachdenken, wenn die Landschaft wie ein endloser Strich an einem vorbeizieht. Gerade im Sommer ist es ein tolles, freies Gefühl, mit offenen Fenstern unter einer strahlenden Sonne herzufahren, irgendwo ins Nirgendwo. Einfach mal links abzubiegen, weil man da noch nie war, oder hinter dem nächsten „Forstverkehr frei‟-Schild zu parken (das sind die besten Orte) und die Picknickdecke aus dem Kofferraum zu holen.
Genau so haben wir es auch in Frankreich gemacht. Haben uns für die Fahrttage kurze Strecken vorgenommen, 300 Kilometer vielleicht, und das GPS Autobahnen meiden lassen. Im Laufe des Tages hielten wir einfach überall dort an, wo es zu schön war, um bloß durchzufahren. Das führte zu herrlichen Entdeckungen abseits der üblichen Reiseführerroute, doch dazu vielleicht bald mehr.



Die “Schweiz kaputt gemacht” klang köstlich! “Man kann einfach so wunderbar nachdenken, wenn die Landschaft wie ein endloser Strich an einem vorbeizieht” gilt auch für das Bahnfahren, wenn die Klimaanlage funktioniert, weil “mit offenen Fenstern” im ICE eher ein Wunschdenken ist, wie auch das “überall” dort anhalten, “wo es zu schön war”.
Und warum ist der Corsa ein “Mädchenauto”?
Das Auto, dass ich bisher am längsten gefahren bin (immerhin 13 Jahre) war auch ein Corsa. Einer in Mintgrün – eigentlich nicht meine Farbe, aber einem geschenkten Gaul …
Es war auch mein erster richtiger Neuwagen. Und nachdem ich vorher mir immer Sorgen machen musste, ob ich mein Ziel erreiche, konnte ich mit dem kleinen grünen Corsa endlich richtig sorglos fahren. Und er hat mit immer sicher überall hin gebracht und auch alles transportiert, was ich ihm auf- bzw. eingeladen habe (endlos viele Getränke- und Instrumentenkisten).
Er ist dann vor gut einem Jahr der Abwrackprämie zum Opfer gefallen und wurde durch einen Nissan Note ersetzt.
Aber ich denke immer noch gerne an ihn – meinen kleinen grünen Corsa.
Naja, Lutz, schau dir doch einfach mal einen Polo von vorne an und dann einen Corsa! Ich finde, der Polo sieht viel männlicher aus. So oder so stimme ich allen Vorteilen, die du am Corsa siehst, zu!
Und du erinnerst mich daran, was ich eigentlich in diesem Text schreiben wollte – nämlich, dass Autos wohl auch ein bisschen identitätsstiftend sein können, oder so. Jedenfalls fällt mir das oft auf, wenn meine Eltern mir Fotos von früher zeigen. Dann sagen sie immer dazu, “achja, da hatte Papa noch dieses oder jenes Auto” oder “mit dem waren wir damals in Österreich”. Genauso wirds mir dann in einigen Jahren wohl mit meinen Kindern gehen: “Ach, der Corsa, mit dem waren wir damals in Frankreich…”
“Damals hatte mein schwarzer Astra gerade 100.000″ o.ä. So wird bei uns die Zeit getaktet. :)
Jaaa, genau!
“Damals hatte ich noch den Kuh-Kadett” …
So ein “Roadtrip” würde ich auch gerne mal machen. Habe meinen – Achtung – Polo aber leider verkauft als ich nach Hamburg gezogen bin, weil es sich hier einfach nicht lohnt.
Ha! Polo! Seht ihr!!
autobahn meiden
gedanken schweifen lassen
wind genießen
-
sie sollten es mal mit motorrad statt auto probieren
kann ich nur empfehlen, besser wie alle autos der welt
und so ein motorrad ist auch weder männlich noch weiblich
Mit dem Motorrad ist das keine schlechte Sache, da hast du recht Stefan. Mit dem Auto ists aber einfach komfortabler. Damit meine ich nicht Wind und Wetter, sondern vielmehr das einfach mal schnell anhalten, aussteigen usw. Beim Motorrad Muss der Helm von der Rübe, das Motorrad sicher Stehen und unter Umständen Rucksack, Jacke und Handschuhe runter. Außerdem muss man immer warten bis mal wieder einer fertig ist und pinkeln lässt es sich mit Motorradkombi auch nicht so bequem wie mit der Jeans ;-)
Versteh mich nicht falsch, ich liebe beides. Und genau das ist der Punkt. Beide Reisemittel, sowohl Dose als auch Mopped, haben ihre Vor- und Nachteile.
Dieses Jahr kam ich in den Genuss beides hintereinander zu testen, sonst immer nur unabhängig voneinander. Erstaunlicherweiße war der Roadtrip mit dem Auto über die Alpen bis ans Mittelmeer und zurück der absolute Wahnsinn wohingegen der Trip mit dem Motorrad in die Westalpen nur Mittelmäßig war.
Gut, der Reisepartner macht da wohl auch einiges aus, nicht mit jedem kann man alles machen was einem gerade in den Sinn kommt.
Jedenfalls glaube ich, dass wir dieses mal alles richtig gemacht haben. Es ist nicht nur das Fahren und das Ankommen, nicht nur die Landschaft und die Menschen sondern vielmehr die kleinen Dinge drumherum. Das Kaffekochen mit Bodenseewasser in dem original Bialetti Espressokocher, das Baden im Bergsee auf 2000m Höhe bei 4° oder der Abstecher mit dem Passat in das große Flussbett in dem Apennin, das sich waschen im Bergbach und irgendwie doch auch die Rückenschmerzen vom Schlafen im Kofferraum vom Auto. Das Gesamtpaket machts.
Ach und Eva, toller Blog übrigens. Les schon eine Zeit lang mit aber wohooo, erster Comment. Und wenns das nächste mal noch puristischer werden soll, lasst das GPS weg und steigt auf Karten um. Oder wird dann sonst etwa ein weiteres Vorurteil in Bezug auf Frauen bestätigt?! Thema Navigation und Verfahren ;-))
Viele Grüße
der Elmi
Ich fahr Rad. Das ist auch ganz gut. ;)
Ich kenne das eigentlich eher so, dass Polos für Mädchen sind und der Corsa Unisex ist. Und Jungs fahren bei VW doch nur Golf. Die Freiheiten die Du beschreibst kenne und liebe ich ebenfalls. Habe mich zwar bislang noch nicht getraut mit meinem Kleinen ins Ausland zu fahren doch die Verlockung ist all gegenwärtig. Doch erst mal erkunden mein Kleiner und ich die Ecken und Kanten, die Deutschland so zu bieten hat.
Radfahren ist natürlich das Beste, Lena! Aber wenn man mal richtig rauswill, ist man mit dem Auto besser beraten. Und was die motorisierten Zweiräder angeht – da würden meine Eltern wahrscheinlich Alarm schlagen. Ich sag nur Knautschzone…
Haha, die Schweiz nicht kaputt machen :D Super.
Wenn ich mit dem Auto (Mamas Auto. Eigenes hab ich noch nicht, hab U-Bahn und Großraumticket) mal sinnlos rumkurve, schreibe ich danach merkwürdige Blogeinträge. Hab’s daher noch nicht oft gemacht. Aber das mit dem links abbiegen, einfach weil man da noch nie war, ist cool. Wie verfahren, nur absichtlich.
Und was die Autos angeht… :D Ihr habt alle Sorgen. Der Polo ist vor allem ein Anfängerauto, weil auch sehr alt und sehr billig zu kriegen. Das gilt für den Corsa vermutlich genauso, aber irgendwie hat der bei mir einfach nicht den Ruf dafür…