„Notfalls werde ich den Kontrabass mit dem Mund machen.‟
Roman ist ein bisschen in Melanie Laurent verliebt, also haben wir uns „Das Konzert‟ natürlich angesehen. Der Film handelt von dem Russen Andrei Filipov, der einst das berühmte Bolschoi-Orchester dirigierte. Während des kommunistischen Regimes weigerte er sich jedoch, seine jüdischen Musiker zu entlassen – und musste daraufhin selbst gehen. Seitdem arbeitet er als Putzmann im selben Konzerthaus. Als er eines Tages den Schreibtisch seines Chefs abstaubt, kommt per Fax eine Einladung für das Bolschoi nach Paris. Prompt stibitzt Andrei den Brief und verfolgt fortan den wahnwitzigen Plan, sein in alle Winde verstreutes Orchester wieder zusammenzutrommeln und nach Frankreich zu reisen. Dort will er endlich das Tschaikowski-Konzert aufführen, das er nie zu Ende bringen durfte – und zwar mit Anne-Marie Jaquet, der berühmten Stargeigerin.
In seinen Grundzügen erinnert dieser Plot an „Die Band von nebenan‟, denn auch da machte sich ein trotteliges altes Orchester auf Reisen. Die Figuren im „Konzert‟ sind ähnlich verschroben und liebenswert, leider aber auch ziemlich klischeehaft dargestellt: Welche Vorurteile man auch immer haben kann über Russen, Zigeuner, Juden, Kommunisten – in diesem Orchester sind sie alle versammelt. Das ist bisweilen sehr lustig, aber im Großen und Ganzen trübt es das Vergnügen ein wenig.
In der deutschen Version ist leider auch die Synchronisation missglückt. Während im Original die Russen Russisch (mit Untertiteln) und die Franzosen Französisch sprechen, ist es hierzulande durchgängig Deutsch mit den jeweiligen Akzenten. Dadurch gehen viel zu viel Witz und Dramatik verloren.
Oh, und apropos Dramatik: Am Anfang dachte ich ja noch, Melanie Laurent dürfte in diesem Film nichts tun außer ehrfürchtig zu gucken. Tatsächlich kann sie zum Ende hin aber noch die volle Bandbreite ihres mimischen Könnens zeigen, als sie die aufgewühlten Gefühle ihrer Figur in ein Geigensolo verpackt.
Nebenbei bemerkt bin ich davon überzeugt, dass Laurent, was ihre Rollenauswahl betrifft, eine Art Zweiter Weltkrieg-Reflex hat. Schon zu „Inglourious Basterds‟, in dem sie eine jüdische Rächerin spielte, sagte sie nämlich: „Ich komme selbst aus einer jüdischen Familie und träumte schon mit vier davon, Hitler umzubringen.‟ In „Das Konzert‟ ist das ganz ähnlich – aber ich will nicht zu viel verraten.
Eine Sache gibt es dann aber doch noch, die ich dem Film ganz besonders zugute halte: Das Tschaikowski-Stück, um das die ganze Zeit so ein Wirbel gemacht wird, wird am Ende in voller Länge dargeboten. Für einen Spielfilm ist das nicht gerade selbstverständlich. Besonders lobenswert finde ich, dass danach auf dahin plätschernde Schlussszenen (zum wieder Runterkommen…) verzichtet wird. Der Film ist einfach vorbei, auf der Höhe der Gefühle. Und so sollte es doch auch sein.




Ganz toller Film, habe ihn mir schon drei Mal angesehen, um nicht mehr heulen zu müssen (Immunisierung).
Ach, manchmal ist zu einem Film Heulen doch auch was schönes! Neben uns saßen zwei ältere Herren, denen es auch nicht anders ging.
Danke für die Empfehlung, werd ich mir wohl auch mal anschauen.
Kleiner Filmtipp von mir: In manchen wenigen kleinen Kinos läuft grade “Mary & Max” , ein umwerfend liebevoll gemachter großartiger Knet-Film. Falls er also in einem Kino bei dir in der Nähe läuft, verpass ihn nicht!