Letzte Woche ist das „Spiegel‟-Abo ausgelaufen, das ich vor einem Jahr im Rahmen des Schülerzeitungswettbewerbs bekommen hatte. So richtig vermissen werde ich es, glaube ich, nicht. Das ist vielleicht nicht unbedingt gut für mein Image als äußerst interessierte und informierte Bürgerin. Immerhin handelt es sich hier um das wichtigste deutsche Nachrichtenmagazin, also eigentlich eine Pflichtlektüre. Doch schon der Begriff „Nachrichtenmagazin‟ verdeutlicht, wenn man ihn sich mal ganz genau anschaut, die Schwierigkeit, mit dem dieses Heft zu kämpfen hat – denn in ihm steckt ein Paradox.
Nachrichten sind schlicht, kurz und sachlich, sprich: langweilig. Ein Magazin dagegen sollte opulent und ausführlich sein, es sollte Themen selbst setzen und auf jeder Seite zum Verweilen einladen. Diese beiden Dinge versucht der Spiegel nun seit über 60 Jahren zusammenzubringen.
Ich will gar nicht sagen, dass ihm das nicht gelingt. Aber leider überwiegt zumeist der Nachrichtenteil und damit der langweilige. Das zeigt sich allein schon beim Layout: Während in der „Zeit‟ wie in einer bebilderten Speisekarte die Artikel so schön aufbereitet sind, dass mir selbst beim ödesten Thema das Wasser im Mund zusammen läuft, scheint der Spiegel zu glauben, das hätte er gar nicht nötig.
Auch inhaltlich wird es selten bunt, sondern bleibt fast immer sachlich-grau. Erst zuletzt wurde der Spiegel mit Titeln wie „Der bessere Präsident‟ (über Joachim Gauck) oder „Aufhören!‟ (zur schwarz-gelben Koalition) wieder politischer und so richtig schön eindeutig.
Für mehr Persönlichkeit
Meinungen gehören für mich zu einer Wochenzeitung unbedingt dazu. Ich will mir mithilfe der Lektüre ein eigenes Bild machen können. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als vor einiger Zeit das ressortübergreifende Essay-Format eingeführt wurde. Kommentare und Kolumnen fehlten mir aber bis zum Schluss. Ich finde sowieso, dass der deutsche Journalismus noch viel persönlicher werden sollte – weil das zu spannenderen, abwechslungsreicheren Texten führt, mit denen ich mich besser auseinandersetzen kann.
In guter Erinnerung werden mir daher die Reportagen von Matthias Matussek bleiben. Weil er einen buchstäblich mitnimmt, wie zuletzt auf die Spuren von Mark Twain oder Clint Eastwood. Und dann gibt es diese wunderbaren Ein-Seiter, Kategorien wie „Global Village‟ oder „Ortstermin‟. Das sind die einzigen institutionalisierten Möglichkeiten des Spiegels, sich mit weltbestimmenden Nachrichten einmal auf Augenhöhe zu beschäftigen. Warum wird ausgerechnet diesen Rubriken so wenig Platz eingeräumt?
Oft hatte ich aber auch Probleme mit den Geschichten, die besonders viel Raum einnahmen. So sind die Titelstories des Spiegels regelrechte Standardwerke zum jeweiligen Thema, die sich gern mal über zehn, zwölf Seiten erstrecken. Bin ich die einzige, die sich von solchen Längen abschrecken lässt? Ich finde, eine Stückelung täte diesen Artikeln manchmal ganz gut.
Redet mit uns, nicht über uns!
Womöglich entspreche ich da schon viel mehr dem Klischee des „Digital Native‟, als ich gedacht hätte. Denen wird schließlich gern vorgeworfen, sie seien auf kurze Texte getrimmt und würden ständig hin und her schalten bzw. blättern. Hat der Spiegel überhaupt schon mitbekommen, dass es auch eine junge Zielgruppe gibt? Eine, die man schon jetzt erreichen und binden sollte, wenn man in der Zukunft bestehen will?
Der Spiegel ist ein Magazin, das gern in die Vergangenheit schaut, mit „Amerikas Kriege‟-DVDs und regelmäßigen Stasi-Stories. In die Zukunft blickt man dagegen selten. Selbst junge Themen wie Bildung und Wehrpflicht werden aus politisch-nachrichtlicher Vogelperspektive beschrieben. Die Betroffenen kommen womöglich gar nicht selbst zu Wort – oder werden outgesourct: Im vergangenen Juli erschien mit dem Spiegel-Spezial „Was wird aus mir?‟ eine Art Sonderausgabe für die 20- bis 35-jährigen. Und die sechs Mal im Jahr erscheinende, wirklich gute (!) Beilage „UniSpiegel‟ wird umsonst auf den Campus verteilt, anstatt als Kaufargument für das Mutterheft zu fungieren.
Um mich irgendwann noch einmal dazu zu bringen, den Spiegel zu abonnieren, braucht es mehr Lockerheit. Mehr Persönlichkeit, Nähe, Farbigkeit – oder eine verdammt gute Prämie.
Weiterlesen: Für das Medium Magazin habe ich vor einiger Zeit bereits einen Artikel zum Thema Jugend und Zeitung geschrieben.


Ich finde. dass einfach zu viele Geschichten aus dem gedrucktem Spiegel im Laufe der Woche nach dem Erscheinungsmontag bei SpOn auftauchen.
Da komme ich mir etwas blöde vor, wenn ich am Mittwoch – die Zeit das Heft am Montag auszulesen habe ich nicht mehr – auf was stoße, was ich im Internet schon für lau lesen durfte.
Wäre nicht eigentlich “Der Freitag” genau deine Lektüre?
Ich habe gerade die ausführlichen Titelgeschichten des “Spiegels” in sehr positiver Erinnerung, auch wenn ich zugeben muss, dass ich schon seit längerem keine Ausgabe mehr in der Hand hatte. (Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Reportage zur Finanzkrise, in der ihre komplette zeitliche Entwicklung anhand von Einblicken in das Leben von drei oder vier Amerikanern rekonstruiert wurde.)
“Der Spiegel”, das bleibt für mich dieses kleine Heft mit der seltsamen Haptik und dem etwas dubiosen Geruch, in dem man die deutsche Politik detailliert verfolgen kann und zusätzlich noch einen Blick über den Tellerrand bekommt. Ich habe den Kultur-Teil nie besonders gemocht, habe besonders im hinteren Teil des Hefts viele Seiten einfach überblättert. Aber die Titelgeschichten, die haben mich immer wieder fasziniert. Wenn man die einzeln beziehen könnte – etwa auf dem iPad/iPhone/iPod touch -, würde ich wahrscheinlich auch in Zukunft wieder den ein oder anderen Euro für “Den Spiegel” ausgeben. Im Moment begnüge ich mich mit SpiegelOnline.
Zu den gedruckten Medien kann ich nicht sehr viel sagen, aber deiner Aussage bezüglich der “Zeit” und dem Spiegel kann ich im Hinblick auf das Onlineangebot hundertprozentig zustimmen. Früher war ich treuer Spiegel-Online Leser, aber wenn man einmal auf den Seiten der Zeit gestöbert hat, dann wars das mit Spiegel…
Naja, der Spiegel ist auch nur scheiße je nachdem wie man aussieht. Blöder Witz am Rande.
Ich finde den Spiegel immer noch eines der besten Magazine. Bin auch schon lange Abonent.
Wobei ich mittlerweile meine Nachrichten immer mehr im Internet lese. Ist einfach aktueller.
Ich find den Spiel toll. Ich finde den Stil klasse, in dem die Artikel geschrieben sind. Und ich mag auch das Layout, gerade weil es nichts besonderes ist. Die Artikel lese ich ja, weil sie mich interessieren und nicht der tollen Bilder wegen. Ok, es stimmt, teilweise wirds echt langweilig, aber dann lese ich halt nur die Sachen, die spannend sind.