Archiv für Juli, 2010

Küchenstolz: Nudeln mit Oliven und Cabanossi

Nudeln mit Oliven und Cabanossi

Von seinem Trip in den tiefsten Süden Italiens hat Roman mir ein herrliches Delikatessenpaket mitgebracht. Mit einer Riesenflasche Olivenöl, einem halben Kilo Parmesan, dickem Nudelsalz und original italienischen Orichette kann man mich wirklich sehhhr glücklich machen. Jetzt kochen wir seit Tagen auf der immer gleichen Basis… Zuletzt gab es also Pasta mit Oliven und Cabanossi. In Öl und mit Parmesan, versteht sich.

Jane, Julie und Andrea

Leider hatte Jane Austen nicht die Möglichkeit zu bloggen. Mit Sicherheit wäre ihr über kurz oder lang das gleiche passiert wie Julie Powell, deren Buch „Julie & Julia‟ ich gerade gelesen habe. Ja genau, das ist das Buch, das eigentlich ein Blog war und am Ende dann sogar ein Film wurde. Das Dumme ist nur: Ich habs auf Deutsch gelesen.

„Julie & Julia‟ wurde von Andrea Ott übersetzt. Sie hat sich mit Übersetzungen englischer Klassiker wie Austen, Bronte und Trollope einen Namen gemacht. Hätte Jane Austen gebloggt, wäre dieser Auftrag vielleicht naheliegend gewesen. So verstehe ich einfach nicht, wie man darauf kommen kann, die Frau, die sonst „Pride and Prejudice‟ übersetzt, auf ein (200 Jahre jüngeres) Buch über Blogs loszulassen.

Original: Anyway, it seemed I had been missed, out in the virtual world. Someone named Chris posted a comment on the Poulet Poêlé à l’Estragon post, my first in most of a week: „Oh thank GOD you’re back!‟

Übersetzung: Inzwischen wurde ich draußen in der virtuellen Welt anscheinend vermisst. Jemand namens Chris schrieb einen Kommentar zum Poêle à l’Estragon, meine erste Post seit fast einer Woche: „GOTT sei Dank bist du wieder da!‟

Okay, das ist jetzt noch nicht ganz so schlimm. Irgendwie ist Kommentare kriegen ja auch ein bisschen wie Post kriegen. Aber es geht noch weiter:

Original: After reading my post about this, Eric’s father called me and cleared up the trouble: the gizzard is the thing like two hearts stuck together, the heart is the thing like half a gizzard.

Übersetzung: Nachdem ich meine Post zu diesem Thema gelesen hatte, rief mich Erics Vater an und klärte das Problem: Der Muskelmagen sei das Ding, das aussehe wie zwei zusammenhängende Herzen, und das Herz sei das Ding, das aussehe wie ein halber Muskelmagen.

Das ist einfach nur noch schlampig übersetzt. Oder? Bin ich vielleicht zu pingelig?

Dieses Leseerlebnis hat eine Lektion jedenfalls endgültig in mein Hirn gehämmert: Wann immer meine Sprachkenntnisse es zulassen, werde ich Bücher im Original lesen. Auch, wenn das manchmal ein bisschen anstrengender ist – das Wort gizzard hätte ich nämlich ganz bestimmt nachschlagen müssen.

Drei Kurzfilmkritiken (2)

Fantastic Mr. Fox

Fantastic Mr. FoxAch, was für ein herrlicher Film! Nicht nur der beste Wes Anderson-Film bisher, sondern womöglich auch der beste Trickfilm, den ich je gesehen habe – und das liegt nicht nur an der ungewöhnlichen Retro-Optik. Nein, diese Geschichte ist einfach so wunderbar verschroben (gestohlene Schwänze, Emo-Füchse, Schmetterkrachen…), voller gut getarnter Extragags und diesem Peanuts-artigen Humor, den ich so mag.

Dazu kommen noch die Anderson’sche Detailverliebtheit und seine übliche Entourage: Neben Bill Murray, Jason Schwartzman und Owen Wilson (die man allesamt schon aus Vorgängerfilmen wie „The Darjeeling Limited‟ kennt) sind dieses Mal auch George Clooney und Meryl Streep als Sprecher mit von der Partie. „Fantastic Mr. Fox‟ ist ein zeitloser Film, der gleichermaßen für Kinder und Erwachsene geeignet ist – und ich will unbedingt mehr davon. Oder, um es mit den Worten der Hauptfigur zu sagen: „DER PURE WILDE ANIMALISCHE WAHNSINN!‟

Easy Virtue

Easy VirtueJohn (Ben Barnes), Sohn einer alterwürdigen englischen Adelsfamilie, bringt aus dem Urlaub eine Überraschung mit: Er hat sich mit der freimütigen amerikanischen Rennfahrerin Larita (Jessica Biehl) verheiratet. Während seinen Vater (Colin Firth) das nicht weiter juckt, sind Mutter (Kristin Scott-Thomas) und Schwestern empört und machen dem neuen Familienmitglied das Leben schwer. Doch die lässt die Sticheleien nicht auf sich sitzen…

„Easy Virtue‟ hatte bei mir einen Vertrauensvorschuss, dank Colin Firth und des Settings im England der 20er Jahre. Leider war der auch nötig, denn der Film ist zwar amüsant, hat allerdings auch seine Macken. Er ist verspielt gefilmt – aber eben manchmal zu verspielt, mit allzu vielen Spiegel- und grafischen Effekten. Und dann wird immer wieder gesungen – aber es ist dann doch zu wenig, um den Film zu einem Musical zu machen. Letztendlich würde ich „Easy Virtue‟ nicht auf einen DVD-Abend mit Freunden mitnehmen, aber für sonntags zum Kuchen finde ich ihn super.

Eclipse – Biss zum Abendrot

Eclipse - Biss zum AbendrotAlso vorweg: Wir hatten Freikarten. Sonst hätte ich diesen Film sicher nicht im Kino gesehen. Aber mit lauter kreischenden Mädchen im Saal zu sitzen, ist auch mal ein nettes Erlebnis. Ich kenne die ersten beiden Teile und habe nach jedem gedacht: Hach, wenn dieses ganze Vampirzeugs nicht wäre, wären die richtig gut!

Leider gilt das nicht für Teil Drei. Der hat nämlich zu viele Längen, zu viel Gelaber und vor allem: zu viele Floskeln. Ein paar davon sind ja ganz lustig („Ich bin eben heißer als du!‟ – „Kann er sich kein T-Shirt leisten?‟), aber „Twilight‟ war doch nicht als Komödie gedacht, oder? Falls doch, haben die Produzenten vor allem bei der Besetzung des Bella-Vaters (Billy Burke) etwas richtig gemacht. Und dass Kämpfe mit Indiemusik anstatt mit theatralischen Orchesterklängen unterlegt werden, finde ich auch ganz gut. Ansonsten besteht hier wohl das gleiche Problem wie bei so vielen anderen Mehrteilern: In der Mitte hängen sie durch. So oder so – ich bin Team Jacob!

#4: Hipster

Endlich eine neue Folge, dieses Mal aus gleich zwei großen Städten. Mit Hipster-Parties, Hipster-Speisen und Hipster-Brille!
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Mein Jahr mit dem Spiegel

Letzte Woche ist das „Spiegel‟-Abo ausgelaufen, das ich vor einem Jahr im Rahmen des Schülerzeitungswettbewerbs bekommen hatte. So richtig vermissen werde ich es, glaube ich, nicht. Das ist vielleicht nicht unbedingt gut für mein Image als äußerst interessierte und informierte Bürgerin. Immerhin handelt es sich hier um das wichtigste deutsche Nachrichtenmagazin, also eigentlich eine Pflichtlektüre. Doch schon der Begriff „Nachrichtenmagazin‟ verdeutlicht, wenn man ihn sich mal ganz genau anschaut, die Schwierigkeit, mit dem dieses Heft zu kämpfen hat – denn in ihm steckt ein Paradox.

Nachrichten sind schlicht, kurz und sachlich, sprich: langweilig. Ein Magazin dagegen sollte opulent und ausführlich sein, es sollte Themen selbst setzen und auf jeder Seite zum Verweilen einladen. Diese beiden Dinge versucht der Spiegel nun seit über 60 Jahren zusammenzubringen.

Ich will gar nicht sagen, dass ihm das nicht gelingt. Aber leider überwiegt zumeist der Nachrichtenteil und damit der langweilige. Das zeigt sich allein schon beim Layout: Während in der „Zeit‟ wie in einer bebilderten Speisekarte die Artikel so schön aufbereitet sind, dass mir selbst beim ödesten Thema das Wasser im Mund zusammen läuft, scheint der Spiegel zu glauben, das hätte er gar nicht nötig.

Auch inhaltlich wird es selten bunt, sondern bleibt fast immer sachlich-grau. Erst zuletzt wurde der Spiegel mit Titeln wie „Der bessere Präsident‟ (über Joachim Gauck) oder „Aufhören!‟ (zur schwarz-gelben Koalition) wieder politischer und so richtig schön eindeutig.
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