Keep Surfing

Keep Surfing
„Mit Angst hab ichs nicht so.‟

Also ich will ja jetzt Surfen lernen. Aber das will ich eigentlich immer, wenn ich gerade einen Surf-Film gesehen habe, sei es „Blue Crush‟ (Mädchenfilm), „Dogtown Boys‟ (Jungsfilm) oder auch bloß „Surfer Girls‟ (Disneyfilm).

Bei „Keep Surfing‟ ist das allerdings noch etwas anderes, denn das ist zum ersten Mal eine Dokumentation und die zeigt, dass man zum Surfen längst nicht an irgendeiner wellenumspülten Küste wohnen muss. Der Film erzählt Geschichten rund um den Münchner Eisbach, in dem es eine magische stehende Welle gibt, auf der seit Jahrzehnten gesurft wird. Und fast genauso lange hat der Regisseur Björn Richie Lob das gefilmt.

Dieses Thema ins Kino zu bekommen, stelle ich mir nicht leicht vor. Zum Einen, weil es ein absolutes Nischenthema ist, und zum anderen, weil sich dort das übliche Sportfilmproblem einstellt: dass ein und der selbe Sport für den Laien auf Dauer (96 Minuten) langweilig anzuschauen ist. Doch diese Herausforderung meistert „Keep Surfing‟ mit Bravour. Die Bilder sind wunderbar scharf und nah und abwechslungsreich. Es gibt atemberaubende Zeitlupen, in denen jeder Wassertropfen auf der Leinwand glitzert, ästhetische Draufsichten und nostalgische Super 8-Aufnahmen. Das wirkt, kombiniert mit einem ausgefeilten Sounddesign, wie die von den Surfern so gefürchteten Strudel, wie ein „Tornado unter Wasser‟: Ratzfatz saugt der Film einen auf und lässt bis zum Schluss nicht mehr los.

Es geht um dieses ganz bestimmte Lebensgefühl, um persönliche Schicksale, um Abenteuer – und dabei immer, immer um die Suche nach der perfekten Welle. Das führt zu so spektakulären Aufnahmen wie denen vom Jahrhunderthochwasser 2005, als die Surfer von den Münchner Brücken in die offene Isar sprangen, nur für ein paar Minuten Nervenkitzel – bis die Polizei sie wieder raus holte.

„Keep Surfing‟ ist ein Film von Surfern für Surfer. Als Insider konnte Lob ganz nah an seine Protagonisten herankommen und neben surfenden Kameramännern, Informatikern und Ärzten auch Meister des Wassersports aus der ganzen Welt gewinnen, die nur der einen Welle wegen zum berühmten Eisbach reisen. Dieser Insider-Blick hat den Nachteil, dass die Dramaturgie ein wenig durcheinander gerät. So erfährt der unwissende Zuschauer erst recht spät, dass die geheimnisvolle Eisbachwelle bloß dank einer nicht ganz legalen Konstruktion ganzjährig steht (und auch ganzjährig genutzt wird, wie zum Ende hin gezeigt wird).

Aber das tut der Stimmung keinen Abbruch, dieser ganz besonderen Surferstimmung. Entspannt und mit einem fröhlichen Grinsen verlässt man deshalb das Kino und schielt aus den Augenwinkeln schon auf den nächsten Fluss, auf der Suche nach der perfekten Welle.

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