“If the minority is somehow invisible, the fear is just greater.”
Das Besondere an Tom Fords „A Single Man‟ ist, dass dieser Film wahre Kunst ist, und wahre Kunst ist selten geworden im Kino. Und auch wenn Kunst nicht immer schön anzusehen sein muss – diese ist es. Die Musik ist schön, die Settings sind schön, die Kostüme sind schön, die Darsteller sind wunderschön, die Bilder sind kaum zu beschreiben.
Tatsächlich könnte man „A Single Man‟ in jeder einzelnen Sekunde anhalten, das Standbild auf eine Leinwand ziehen und direkt als Tom-Ford-Anzeigenmotiv verwenden. Der war schließlich schon Chefdesigner bei Gucci und YSL, ehe er 2003 sein eigenes Label gründete. Keine Frage also, dass Colin Firth in der bisher außergewöhnlichsten Rolle seiner Karriere ausschließlich Ford-Anzüge trägt. Viel spannender ist aber, was der Regisseur außerdem aus seinem Hauptdarsteller gemacht hat. Denn Firth war nach Filmen wie „Stolz und Vorurteil‟, „Ernst sein ist alles‟ oder auch „Bridget Jones‟ in erster Linie auf den steifen Briten abonniert, der seine tadellosen Manieren und Moralvorstellungen kaum auch nur für einen Moment vernachlässigt.
Jetzt sehen wir ihn auf einmal trinkend und rauchend und mit einer unbeachtet in die Stirn fallenden Schmalzlocke, wie er am Tod seines langjährigen Lebensgefährten zu Grunde geht. Ford blickt hinter die Fassade von Colin alias George, den nichts mehr im Leben hält – nicht sein Beruf als Professor, der längst nur noch Routine ist, nicht die Studenten, die ihn verehren, nicht die alte Freundin (eine wunderbar fatale Julianne Moore!), die ihn liebt.
Und das alles in dieser nie zuvor gesehenen, unheimlich dichten Ästhetik, die den filmischen Stil der 60er Jahre hervorragend imitiert und durch besondere Perspektiven und eine mutige Lichtgestaltung ergänzt. So sieht der Zuschauer manches von oben, was jeder andere Kameramann frontal oder seitlich gefilmt hätte, und durchlebt gemeinsam mit dem Protagonisten den fortwährenden Wechsel zwischen – buchstäblich – grauen und goldenen Zeiten.
Die hervorragende Musik trägt dazu bei, dass man diesen Film wohl auch ganz ohne Worte verstehen könnte. Die vergleichsweise wenigen, die da gesprochen werden, sind allerdings so präzise formuliert, dass man sie auf keinen Fall missen will.
Ach, sowieso: Den ganzen Film will man nicht mehr missen, wenn man ihn einmal gesehen hat. Man erwischt sich dann kurz bei dem dummen Gedanken, dass alle Filme so sein sollten wie dieser, um sich im nächsten Moment zu wünschen, dass es bloß nie einer schaffen möge. Deswegen habe ich auch ein bisschen Angst davor, was passiert, wenn Tom Ford nach diesem Riesenerfolg statt neuer Anzüge einen weiteren Film macht.
Solange warte ich darauf, dass endlich die DVD erscheint, und hänge sie mir dann vielleicht in einem Rahmen an die Wand. Wie es sich für wahre Kunst eben gehört.



Oké? o0
Dann sehe ich ihn mir gleich mal an! ^^
Du hattest Recht! :-)
Hab mir den Film am Donnerstag auch endlich angesehen. Und er ist wirklich so schön, wie du schreibst. Traurig und trotzdem wunderschön. Danke, Eva.
Schön, dass er dir genauso gut gefallen hat. Ich hab ihn neulich auch noch einmal gesehen und war wieder sehr beeindruckt – bald erscheint die DVD…