Archiv für April, 2010

Chloe


„I guess I’ve always been good with words.‟

„„Chloe‟ kommt wie ein billiges Klischee daher.‟ intro

„Trotzdem geht bei [Atom Egoyan] der Erotik-Thriller aus denselben Gründen an sich selbst zu Grunde wie bei jedem dahergelaufenen Stümper auch.‟ Frankfurter Rundschau

„Dass die wahre Beschaffenheit dieses unglückseligen „Dreiers‟ für den aufmerksamen Zuhörer viel zu früh enthüllt wird, führt leider früh zu Ernüchterung.‟ film-dienst

„Vergessen wir das schrecklich banale, auch noch das letzte Geheimnis auflösende und dem Regisseur unwürdige Ende, das klar macht, dass der Meister hier doch nicht ganz auf eigene Rechnung gearbeitet hat.‟ Berliner Zeitung

„Leider setzt auch Atom Egoyan, von „Exotica“ bis „Felicia’s Journey“ ein Star-Autorenfilmer der 90er Jahre, immer mehr aufs Bordkino.‟ Tagesspiegel

„Diesmal aber knallt [Egoyan] sein Blatt auf den Tisch, als wollte er sich den Weg in den Mainstream notfalls mit nackter Gewalt bahnen.‟ FAZ

„Verführerisch inszeniert, aber letztlich abstrus.‟ Die Welt

Also ich finde „Chloe‟ ja gut. Der Film ist ein bisschen wie „Elegy‟, ein bisschen wie „Wahnsinnig verliebt‟ mit Audrey Tatou und in seinem Purismus sogar – und ich hätte nie gedacht, dass ich das so schnell sagen würde – ein winzig kleines bisschen wie „A Single Man‟. Aber das könnte auch schlicht an Julianne Moore liegen, von der ich seit diesen beiden Rollen ein völlig anderes Bild habe. Von Amanda Seyfried übrigens auch! Die spielt jetzt die manische Lolita – ein Part, der vor fünf Jahren noch Scarlett Johansson sicher gewesen wäre.

So viel ganz spontan dazu. Was meint ihr?

Blümchen und John Locke

A Single Man


“If the minority is somehow invisible, the fear is just greater.”

Das Besondere an Tom Fords „A Single Man‟ ist, dass dieser Film wahre Kunst ist, und wahre Kunst ist selten geworden im Kino. Und auch wenn Kunst nicht immer schön anzusehen sein muss – diese ist es. Die Musik ist schön, die Settings sind schön, die Kostüme sind schön, die Darsteller sind wunderschön, die Bilder sind kaum zu beschreiben.

Tatsächlich könnte man „A Single Man‟ in jeder einzelnen Sekunde anhalten, das Standbild auf eine Leinwand ziehen und direkt als Tom-Ford-Anzeigenmotiv verwenden. Der war schließlich schon Chefdesigner bei Gucci und YSL, ehe er 2003 sein eigenes Label gründete. Keine Frage also, dass Colin Firth in der bisher außergewöhnlichsten Rolle seiner Karriere ausschließlich Ford-Anzüge trägt. Viel spannender ist aber, was der Regisseur außerdem aus seinem Hauptdarsteller gemacht hat. Denn Firth war nach Filmen wie „Stolz und Vorurteil‟, „Ernst sein ist alles‟ oder auch „Bridget Jones‟ in erster Linie auf den steifen Briten abonniert, der seine tadellosen Manieren und Moralvorstellungen kaum auch nur für einen Moment vernachlässigt.

Jetzt sehen wir ihn auf einmal trinkend und rauchend und mit einer unbeachtet in die Stirn fallenden Schmalzlocke, wie er am Tod seines langjährigen Lebensgefährten zu Grunde geht. Ford blickt hinter die Fassade von Colin alias George, den nichts mehr im Leben hält – nicht sein Beruf als Professor, der längst nur noch Routine ist, nicht die Studenten, die ihn verehren, nicht die alte Freundin (eine wunderbar fatale Julianne Moore!), die ihn liebt.

Und das alles in dieser nie zuvor gesehenen, unheimlich dichten Ästhetik, die den filmischen Stil der 60er Jahre hervorragend imitiert und durch besondere Perspektiven und eine mutige Lichtgestaltung ergänzt. So sieht der Zuschauer manches von oben, was jeder andere Kameramann frontal oder seitlich gefilmt hätte, und durchlebt gemeinsam mit dem Protagonisten den fortwährenden Wechsel zwischen – buchstäblich – grauen und goldenen Zeiten.

Die hervorragende Musik trägt dazu bei, dass man diesen Film wohl auch ganz ohne Worte verstehen könnte. Die vergleichsweise wenigen, die da gesprochen werden, sind allerdings so präzise formuliert, dass man sie auf keinen Fall missen will.

Ach, sowieso: Den ganzen Film will man nicht mehr missen, wenn man ihn einmal gesehen hat. Man erwischt sich dann kurz bei dem dummen Gedanken, dass alle Filme so sein sollten wie dieser, um sich im nächsten Moment zu wünschen, dass es bloß nie einer schaffen möge. Deswegen habe ich auch ein bisschen Angst davor, was passiert, wenn Tom Ford nach diesem Riesenerfolg statt neuer Anzüge einen weiteren Film macht.

Solange warte ich darauf, dass endlich die DVD erscheint, und hänge sie mir dann vielleicht in einem Rahmen an die Wand. Wie es sich für wahre Kunst eben gehört.