Archiv für Februar, 2010

Doppelt sehen mit Candice Breitz

Das Kunsthaus Bregenz ist ein spannender Ort, vor allem in diesen Wochen. Da wird es nämlich von der Videokünstlerin Candice Breitz bespielt, die sich in verschiedenen Arbeiten mit der Frage auseinandersetzt, wie ein Mensch zu seiner Identität gelangt.

Ich konnte mit Videokunst nie so viel anfangen, bis ich diese Ausstellung betrat. In der großen, dunklen Halle des Kunsthauses sind Teile des Werks “Factum” installiert: Da hängen riesige hochformatige Flachbildschirme paarweise nebeneinander und zeigen – auf den ersten Blick – das jeweils gleiche Bild. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass es Zwillingspaare sind, die da jeder einen Bildschirm für sich haben und von sich und ihrem Geschwister erzählen. Über Kopfhörer kann man zuhören und eintauchen in die Geschichten, die in getrennten, jeweils mehrstündigen Interviews aufgezeichnet und nachher kunstvoll zusammengeschnitten wurden.

Da sind zum Beispiel die zwei koreanischen Schwestern, die als Jugendliche wegen ihrer Herkunft schikaniert wurden und daraufhin beide an Bulimie erkrankten. Oder die beiden alten Damen, die sich einerseits ganz nah, andererseits so fern sind: Die eine ist streng gläubige Mormonin und noch immer gekränkt, weil die andere sich nie zu einem Gott bekannt hat. Da fallen Sätze wie “Ich fand uns eigentlich nie besonders schön”, und kurz darauf wird erzählt, wie sie sich gemeinsam einer Schönheitsoperation unterzogen. Es ist spannend und lustig zu beobachten, wie die beiden jungen Frauen sogar von gleichen Träumen erzählen, die sie haben, und die beiden Omas sich ständig widersprechen. Gleichzeitig machen diese Geschichten nachdenklich, sie gehen einem noch lange nach dem Besuch im Kopf herum.

Eine andere sehr aufwendige Arbeit ist “Him” und “Her”. In zwei Videocollagen hat Breitz kurze Szenen aus den Filmografien von Jack Nicholson und Meryl Streep zusammengeschnitten. Da unterhält sich auf einmal der Jack Nicholson aus “Wenn der Postmann zweimal klingelt” mit dem Jack Nicholson aus “The Departed” und es entstehen Dialoge wie dieser: “Wer bist du?” – “Ich bin ein gottverdammtes Wunder moderner Wissenschaft!” – “Ich bin ein großartiger Kerl.”

Diese Kunst entlarvt nicht nur das Prinzip, nach dem diese Schauspieler ihre Rollen auswählen, sondern auch, wie sie sie spielen: Während Meryl Streep unendlich wandelbar scheint und sich immer wieder in komplizierten Beziehungskisten verfängt, bleibt Nicholson doch immer Nicholson und findet sich selbst wohl ziemlich großartig.

Es gibt noch weitere Werke mit ebenso tollen, überraschenden Ideen, in denen immer wieder Dopplungen, Zwillinge, Synchronitäten auftauchen. Sie alle sind von beeindruckender Bildqualität und ganz wunderbar geschnitten worden. Deshalb kann ich diese Ausstellung, die übrigens den Titel “The Scripted Life” trägt, nur jedem ans Herz legen. Sie läuft noch bis zum 11. April. Bringt genug Zeit mit und, falls ihr habt, auch euren Zwilling – dann gibts vielleicht freien Eintritt.

Sex mit Karasek

Am Dienstag war Hellmuth Karasek zu Besuch an meiner Uni und hat aus seinem neuen Buch vorgelesen, das, wenn der Eindruck nach drei Ausschnitten nicht täuscht, so etwas wie seine erotische Biografie ist. Die ganze Zeit war ich überrascht, dass er doch viel weniger tüddelig zu sein schien als für gewöhnlich im Fernsehen – dann schmiss er jedoch kurz vor Ende der Veranstaltung noch gleich zwei Gläser hintereinander vom Podium. Aber das war okay, es war sogar gut. Genauso gut wie die Sätze und Gedanken, die er da von sich gegeben hat. Ein paar konnte ich mitschreiben.

Über Emanzipation: “Die Frauen haben die Männer längst überflügelt. Es kann nur noch eine kurze Zeit dauern, bis sie auch gleich bezahlt werden – ich schätze 70 Jahre.”

Über Helene Hegemann: “Diese Literatur ist für mich nicht mehr geschrieben.”

Über Treue: “Treue ist Mangel an Gelegenheit oder einfach Faulheit.”

Über Google Street View: “Das gab es bis zur Industriellen Revolution auf jedem Dorf! Die Nachbarn waren die stärkste Kontrolle.”

Über die Zurückweisung einer Frau: “Dafür war ich dankbar – aber nur einerseits.”

Das Buch heißt übrigens “Ihr tausendfaches Weh und Ach – Was Männer von Frauen wollen” und ist bei Hoffmann und Campe erschienen.

Wir müssen reden

Manchmal, wenn mir langweilig ist, hole ich nochmal das Gurkenglas aus dem Schrank und versuche es zu öffnen. Ich liebe Gewürzgurken, aber es ist Wochen her, dass ich welche gegessen habe. Das blöde Glas geht einfach nicht auf! Doch das ist bisher der einzige richtige Nachteil, den ich am Alleinwohnen entdeckt habe. Ansonsten gefällt es mir sehr gut.

Da wäre bloß noch diese komische neue Angewohnheit, mit Gegenständen zu reden. Es ist ja sonst niemand in der Wohnung! Deswegen beschimpfe ich jetzt das Kopfkissen, wenn ich morgens aufstehen muss, und den Staubsauger, weil er ständig irgendwo aneckt. Ich rede mit dem Drucker, weil ich mich einfach nicht in den Duplexdruck reindenken kann, und lese meinem Telefon die Nummern vor, während ich sie ins Adressbuch speichere. Ich spreche zum Spiegel, meinem Kleiderschrank, dem Backofen. Und natürlich mit dem Toaster, dem es inzwischen wieder besser geht. Neulich war er sogar so gut gelaunt, dass er mein morgendliches Vollkorntoast ganz überschwänglich auf die Arbeitsfläche hat hüpfen lassen! Also scheint die, nunja, irgendwie belebende Wirkung, die diese Gespräche für mich haben, auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Nur das Gurkenglas lässt sich leider nicht bequatschen.

Londons Parks

Erfrischend in den Royal Botanic Gardens (Kew)

Wir picknickten uns durch Londons Parks. Immer dabei: Eine gut gefüllte Einkaufstasche von Marks & Spencer. Bagels, Tomaten, Salat, eine gute Chorizo und zum Nachtisch saftige Erdbeeren – ich habe selten besser gegessen. Aber das lag sicher auch an dem strahlenden Sonnenschein, in dem wir uns auf den Wiesen räkelten.

Schöne Aussicht im Hyde Park
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