Für mich hat Alter vor allem mit Beweglichkeit zu tun. Dass mein Opa alt ist, ist mir erst aufgefallen, als er vor einem Jahr einen Schlaganfall hatte. Seitdem kann er nicht mehr ohne fremde Hilfe aus seinem Sessel aufstehen. Viel wichtiger als die physische ist aber die mentale Beweglichkeit. Wirklich alt sind Menschen, die nicht mehr offen sind für Neues, die geistig erstarrt sind. Das Problem ist, dass wir heute dazu neigen, diese Alten aus unserem Alltag zu verbannen. Weil sie nicht so modern denken wie wir, hören wir ihnen einfach nicht mehr zu – wir haben den Respekt verloren. Das führt zu einer gesellschaftlichen Kluft, die langfristig ziemlich gefährlich werden kann. Wir sollten wieder mehr miteinander reden! Die letzte Frage, die mein Opa mir gestellt hat, war übrigens: „Was ist denn nun dieses Street View?“
Heute und morgen kommen die letzten beiden Folgen von „Frau Kuttner und Herr Kavka“, dem neuesten Versuch von 3sat, mehr junge Zuschauer für sich zu gewinnen. Bei mir ist der allerdings völlig fehlgeschlagen.
Das Format wirkt wie ein öffentlich-rechtlicher Schnellschuss (in den Ofen): Man nehme zwei Moderatoren, die bei der Zielgruppe bekannt und beliebt sind, und ein Thema, das irgendwie jeden interessiert. Soweit gar nicht übel, aber – Geschlechterklischees? Im Ernst? Nicht nur, dass dieses Feld durch Mario Barth in den letzten Jahren einfach komplett abgegrast worden ist, es zeugt auch von der eindimensionalen Sicht, die die Produzenten auf unsere Generation haben. Da wird nicht um die Ecke gedacht, und schon gar nicht provoziert.
Männer können nicht tanzen und Frauen nicht den Mund halten? Ahso. Das Problem ist: Klischees überraschen nicht. Es macht überhaupt nichts mit mir, wenn ich zusehe, wie Sarah Kuttner mädchenhaft auf einen Boxsack einprügelt oder Markus Kavka sich als Cowboy versucht. Und mit den Moderatoren scheint es auch nichts zu machen. Dann geht der Kavka halt mal für eine Nacht in den Knast und die Kuttner ins Kloster – aber am nächsten Tag sind sie wieder raus, ohne große Emotionen, ohne irgendeine Erkenntnis.
Verbunden werden die Mini-Reportagen durch kurze Moderationssequenzen. Frau Kuttner und Herr Kavka sitzen jeweils auf ihrem Teil des Sofas und „unterhalten“ sich – das heißt, sie spulen einen Dialog ab, den Mario Barth glatt selbst geschrieben haben könnte. „Frauen können nicht Pilot sein, weil der Himmel dann rosa wäre“ – hat das wirklich gerade Sarah Kuttner gesagt?! Ich hatte gedacht, in dieser Sendung ginge es darum, Klischees zu widerlegen. Tatsächlich scheint aber genau das Gegenteil der Fall zu sein.
Deswegen tut es mir auch ausnahmsweise gar nicht Leid, dass die Sendung ein weiteres Beispiel für den öffentlich-rechtlichen Trend zur Kurzstaffel ist: Insgesamt wurden nur vier Folgen produziert. So erging es in letzter Zeit schon einigen Formaten, zum Beispiel „Weilers Welt“ (vier Folgen, 3sat, Oktober), „Uwe Wöllner wills wissen“ (sechs Folgen, RBB, Oktober – Dezember) oder auch „Entweder Broder“ (fünf Folgen, ARD, November – Dezember). Schon klar, solche neuen Konzepte wollen erst mal ausprobiert werden. Gleichzeitig wirkt das aber, als stünden die Sender nicht hinter ihren Produkten. Die werden zu merkwürdigen Zeiten versendet und sind so schnell wieder weg, dass eine feste Etablierung gar nicht möglich ist. Gut für die Senderchefs – so haben sie schon eine Ausrede dafür, dass sie keine zweite Staffel finanzieren.
Von „Frau Kuttner und Herrn Kavka“ werden wir so schnell sowieso nichts mehr sehen. Das weiß Frau Kuttner sogar selbst: „Inhaltlich ist eine Fortsetzung möglich, wenn auch schwierig. So viele Klischees, die fernsehtauglich umgesetzt werden können, gibt es gar nicht“, hat sie in einem Interview mit dem Tagesspiegel gesagt. Ich frage mich, warum ein so wenig zukunftsträchtiges Format es dann überhaupt auf den Bildschirm schafft.
Und euch frage ich: Wie findet ihr die Sendung? Und wie müsste ein TV-Format aussehen, für das ihr euch den Abend freihalten würdet?
“No judgement, but you kind of look like a stripper.” – “A high end stripper. For govenors or athletes.”
Olive ist eigentlich eine Musterschülerin. So eine, die Lektüren auch wirklich liest, anstatt sich nur die Verfilmungen anzuschauen. Aber dann gerät durch einen blöden Zufall das Gerücht in Umlauf, Olive hätte Sex gehabt. Und wie das so ist mit Gerüchten, verbreitet sich die Geschichte rasend schnell und wird immer abstruser. Auf einmal gilt Olive als das Flittchen schlechthin. Und weil sich dagegen zu wehren eh nichts bringen würde, spielt sie das Spiel einfach mit und macht eine Art gemeinnützige Sache daraus: Jungs, die in der Gerüchteküche Etiketten wie „schwul“ oder „Loser“ tragen, dürfen gegen Baumarktgutscheine oder Essenseinladungen behaupten, sie hätten mit Olive geschlafen – und so ihr Image aufpolieren.
„Easy A“ ist eine tolle Highschool-Komödie, eine Mischung aus „Juno“ und „Mein Leben und ich“ – nur, dass ich noch viel mehr lachen musste. Es ist einfach zu lustig, wie Olive mit ihrem schwulen Freund Brandon auf einer Party den Mega-Orgasmus simuliert. Wie sie sich mit ihren „zu locker, um wahr zu sein“-Eltern (Patricia Clarkson! Stanley Tucci!!) über ihre Situation unterhalten will, ohne Worte zu benutzen, die ihr kleiner Bruder noch nicht hören darf. Oder wie sie sich immer wieder mit Marianne anlegt, der frommen Anführerin einer Christentruppe, die die vermeintliche Schulschlampe bekehren will.
Es sind die genialen, mit guten Sprüchen gespickten Dialoge, die diesen Film ausmachen – und natürlich seine grandiosen Hauptdarsteller. Emma Stone hat so eine tolle rauchige Stimme und eine unvergleichliche Mimik. Sie spielt herrlich zynisch und gleichzeitig sehr authentisch. Kaum zu glauben, dass sie beim Dreh schon 22 Jahre alt war!
Aber ihre Gegenspielerin Marianne ist auch nicht schlecht. Der Darstellerin Amanda Bynes mit ihrem runden Puppengesicht traut man auf den ersten Blick nicht viel zu, aber sie gibt das gemeine Girlie verdammt gut – ohne sich selbst dabei zu ernst zu nehmen. Und wie viele Schauspielerinnen sind schließlich schon groß geworden, nachdem sie in einem Highschool-Film die Böse spielten? Reese Witherspoon („Election“), Mandy Moore („Plötzlich Prinzessin“), Rachel McAdams („Mean Girls“)…
Allzu lange geht Olives Schlampentour jedenfalls nicht gut. Als selbst ihre beste Freundin sich den Missionaren anschließt, ihre Eltern beginnen, sich Sorgen zu machen, und ihr die Stripperinnen-Outfits ausgehen, merkt Olive, dass sie dem Ganzen ein Ende setzen muss. Dabei hilft ihr „Gossip Girl“-Star Penn Badgley, dem man den Oberstufenschüler leider nicht mehr abnimmt. Aber hey, es ist Penn Badgley, und es ist lustig, also nehmen wir diese Besetzung ausnahmsweise hin.
Nach dem genretypisch furiosen Ende hat man viel gelacht, aber vielleicht zu wenig nachgedacht. Denn die Geschichte mag noch so lustig sein – sie hat einen ernsten Hintergrund. Es geht um Außenseitertum und Mobbing, um die dunkelsten Seiten des Schulalltags. Vor dem Hintergrund der sich häufenden Selbstmorde von homosexuellen Jugendlichen in den USA, die die Gerüchteküche an ihren Schulen nicht mehr ertragen, wirkt „Easy A“ ein bisschen zu oberflächlich. Aber andererseits: Das gehört eben auch zu einer guten Highschool-Komödie. Deswegen würde ich sagen, guckt euch itgetsbetter.org an – aber verpasst auch bloß nicht diesen wirklich coolen Film!
Die Versöhnung mit Nigella Lawson brachte dieser simple, aber herrlich leckere Nachtisch, den wir vor ein paar Wochen zubereitet haben. Einfach einen Haufen Beeren mit einem Gemisch aus Haferflocken, Mandeln und Sonnenblumenkernen (naja, und Zucker…) überbacken und zu Quark, Eis oder sonstwas reichen. Unseren Gästen hats geschmeckt! Oder, Lukas?
Als Bodenseeanwohner hat man bestimmte Privilegien, die ihr da oben im Norden alle nicht habt. Zum Beispiel empfange ich neben deutschen Rundfunkprogrammen auch schweizerische und österreichische. Das heißt, ich kann mir die Filme, die ihr auf RTL anschaut, zeitgleich im ORF ansehen – nur ohne Werbeunterbrechung. Und noch viel besser: Ich komme in den Genuss von FM4.
Die Jugendwelle des ORF-Rundfunks hat mich heute Morgen gerettet, als ich mit dem Auto ganze 20 Minuten lang in einer Baustelle feststeckte. Sicher wäre ich total genervt gewesen, hätten mich nicht die charmanten Moderatoren von FM4 abgelenkt. Das Konzept des Senders ist ziemlich genial: Hinterm Mikro stehen nicht nur Österreicher, sondern auch Amerikaner, gerne zu zweit. Da spricht dann der eine Deutsch, der andere Englisch und niemanden juckts. Genauso wenig wie die Tatsache, dass Moderator Stuart Freeman einen Track von „Very Best“ gleich zweimal hintereinander spielt – einmal mit und einmal ohne Gesang. Und das nächste Lied einer Freundin widmet.
Zu anderen Tageszeiten geht es ernster zu, dann packt die Redaktion zum Teil Themen aus, von denen ich noch nie gehört habe, aus Ländern, über die ich noch nie nachgedacht habe. Apropos: Einen Großteil der Musik, der dort läuft, kenne ich auch nicht. Robert sagt, manchmal sei ihm das alles „zu abgespacet“. Das stimmt schon, ist aber immer noch besser als all diese „McDonalds-Sender“, wie sie sie bei Welle20* nennen.
Es scheint, als sei FM4 eine der letzten großen Spielwiesen der deutschsprachigen Radiolandschaft in einer Zeit, in der alle anderen lieber auf Nummer Sicher gehen und sich der Mainstreammitte annähern, anstatt sich an den Nischenrand zu trauen. Also, hört mal rein!
*Ein weiterer Sender, den man nicht verpassen sollte, ist der, der direkt aus meiner Uni sendet: Welle20! Zu hören nur im Internet, aber wer hat schon noch ein gutes altes Rauscheradio? Ihr etwa?
Steve: Hey Eva, neben Glück gehört natürlich auch ein gewisses Talent dazu und das hast du ohne Zweifel – zusammen mit Ausstrahlung und deiner... Konstantin: Manchmal bringen einem die Facebook-Freunde dann etwas aus der weiten Welt mit (mir gerade ein Fahrrad aus Atlanta). Wenn man nicht wüsste, das... Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :) Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/ Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.
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Konstantin: Manchmal bringen einem die Facebook-Freunde dann etwas aus der weiten Welt mit (mir gerade ein Fahrrad aus Atlanta). Wenn man nicht wüsste, das...
Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :)
Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/
Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.