Archiv für Oktober, 2009

Away We Go

Away We Go
“Burt, sind wir Loser?”

Dass er auch Komödien machen könnte, die ähnlich großartig sind wie die beiden Dramen „American Beauty“ und „Zeiten des Aufruhrs“, hätte ich ja, ehrlich gesagt, von Sam Mendes gar nicht gedacht. Mit „Away We Go“ beweist er jetzt krachend das Gegenteil, denn dieser Film ist mitten in mein Humorherzzentrum eingeschlagen.

Es geht um Verona und Burt, dargestellt von den mir bis dato völlig unbekannten Schauspielern Maya Rudolph und John Krasinski. (So guuut, dass ich bald einen Fanclub gründen werde.) Am Anfang sieht es tatsächlich aus, als wären die beiden ziemliche Loser: Sie haben komische Über-Wasser-Halt-Jobs, Fenster aus Pappe und Eltern, die das Wort “Egoismus” völlig neu definieren, indem sie – wo Maya doch gerade schwanger ist! – einfach mal eben nach Belgien auswandern wollen. Jetzt, wo sie nichts mehr Zuhause hält, beschließen die beiden, im Rahmen einer großen Nordamerikareise den besten Ort zum Kindergroßziehen und Familiesein zu finden. Sie besuchen Freunde und Verwandte in Phoenix, Miami, Montreal und stellen bald fest, dass es nicht den einen Ort gibt, und schon gar nicht die eine Vorstellung von Familie.

Und wer anfangs noch dachte, Verona und Burt seien verrückt, wird schnell eines Besseren belehrt – die Leute, die sie da treffen, sind nämlich noch viel verrückter! Der Film, der in Schwung und Optik an “Little Miss Sunshine” erinnert, porträtiert zum Beispiel Veronas schrullige Ex-Chefin mit ihren dicken Kindern, oder Burts Studienfreundin “LN”, die zu einer gruseligen Esoteriktante mit unverständlicher Buggyphobie mutiert ist. Dann sind da noch die alten Freunde Tom und Munch, die nur auf den ersten Blick das perfekte Leben zu führen scheinen: Munch legt am Ende der Episode einen buchstäblichen Seelenstriptease hin. Damit kommt – völlig zurecht – der Nebendarstellerin Melanie Lynskey eine der zwei emotionalsten Szenen zu.

Das alles ist aber eben nicht nur emotional und mitunter dramatisch, sondern vor allem sehr, sehr lustig. Da sind so wunderbar unaufdringliche Running Gags wie Burts geschäftliche Telefonate, für die er immer seine Stimme verstellt, um ernst genommen zu werden. Oder seine Versuche, die Herzfrequenz des Babies in Veronas Bauch zu erhöhen, indem er sie regelmäßig zu Tode erschreckt.

Am Ende, nach vielen tollen Dialogen und viel guter Musik von Singer-Songwriter Alexi Murdoch, steht die Einsicht, dass man sich wohl nicht vornehmen kann, sein Zuhause zu finden – das Zuhause findet seine Bewohner. Oder holt sie ein. Und genau das ist der zweite emotionalste Moment dieses sehr sehenswerten Films.

Der kleine Knastkanal

Für das Projekt “Podknast” berichten junge Häftlinge per mp3 und Video aus ihrem Alltag. Sie wollen “denen da draußen” zeigen, wie sie leben – und potentielle Mitbewohner abschrecken.

Dreh mit Aachener Studenten, Foto: JVA Siegburg

Gemütlich siehts nun wirklich nicht aus im Knast: Bett, Tisch, Regal und eine kleine Waschecke. An den Wänden vielleicht noch ein Poster mit einem Rapper oder einer halbnackten Frau drauf, und überall die gleichen grauen Gitterstäbe. Gleichzeitig scheint es nicht so schlimm zu sein, wie mancher Fernsehkrimi suggeriert: Die Wächter sind gar nicht so streng, und man liegt auch nicht den ganzen Tag tatenlos auf der Pritsche. Das ist nämlich verboten.

„Wie es wirklich ist“ im Gefängnis will ein Projekt des nordrhein-westfälischen Justizministeriums in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Medien zeigen. Auf der Website podknast.de gibt es zahlreiche Podcasts und Videos, in denen jugendliche Sträflinge vom Leben in der Haft erzählen – und wie sie da gelandet sind.

So berichtet der 20-jährige Rasu von seiner Drogensucht und Timo, 18, der wegen Körperverletzung und mehreren Einbrüchen sitzt, fragt sich, was seine Freundin gerade macht. Ben, ebenfalls 20, hat sogar ein Gedicht über seine Vergangenheit geschrieben.

Alle Berichte seien „ungeschminkt und ungekürzt“, sagt Edwin Pütz, Jugendrichter und Leiter der Jugendarrestanstalt Düsseldorf. Er hatte vor zwei Jahren die Idee zu „Podknast“. „Unsere Zielgruppe sind solche Jugendliche, die selbst Gefahr laufen, einmal im Gefängnis zu landen“, sagt er. „Und die erreicht man doch am besten übers Internet, per mp3 oder Video.“ Sie würden anhand der Podcasts merken, dass der Knast „ziemlich blöd“ sei und so hoffentlich vor weiteren kriminellen Taten zurückschrecken.

„Gleichzeitig bekommen unsere Jungs die Chance, sich intensiv mit sich selbst und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Sie haben zwar auch so schon viel Zeit zum Nachdenken, aber wenn sie es jemandem erzählen können und der auch noch richtig zuhört, beschäftigen sie sich noch einmal intensiver damit“, sagt Pütz. Er erfährt von den Sozialarbeitern in seiner Anstalt, welche Jungs Interesse an einer „Podknast“-Folge hätten. Dann setzt er sich mit ihnen zusammen, schaltet das Mikro ein und lässt sie einfach erzählen. Den Schnitt übernehmen Pütz und ein Mitarbeiter. „Um das zu lernen, sind die Jungs zu kurz hier“, sagt er. In einer Jugendarrestanstalt beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zwei bis vier Wochen.

Anders sieht es in den Jugendvollzugsanstalten in Herford, Iserlohn und Siegburg aus, die inzwischen auch bei „Podknast“ mitmachen. In Siegburg sitzt zum Beispiel Khaled, 20. Warum er da ist, will er nicht sagen. „Sagen wir mal so: Ich habe viel Mist gemacht.“ 16 Monate muss er noch absitzen.
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20 wichtige Erfahrungen eines Bloggers

Welche Sätze man vermeiden, welche Stimmungen man erwarten und welche Realitäten man nicht aus den Augen verlieren sollte, wenn man sich entschließt, ein eigenes Blog zu beginnen.

20 Blogger-Fallen

1. „Oh man, bist du hässlich! Und wie kommst du überhaupt darauf, so einen Quatsch zu schreiben? Das stimmt doch gar nicht!“ Auf solche Kommentare musst du dich als Blogger gefasst machen. Mögliche Reaktionen gibt es, grob zusammengefasst, drei: 1. Weinen, das Weblog löschen und nie wieder ins Internet gehen. 2. Sofort eine wütend-kindische Antwort auf den Kommentar schreiben und dich anschließend über dich selbst ärgern, weil du dem Störenfried deine Zeit und Zeilen geschenkt hast. 3. Den Kommentar löschen und dich über die zehn anderen freuen, die deinen Text alle ganz wunderbar und dich äußerst gut aussehend finden.

2. Ein schönes Kunstwerk gepostet oder auch nur den Link zu einem tollen Song – schwupps, schon gibt’s Post vom Anwalt. Inzwischen haben sich ganze Kanzleien darauf spezialisiert, nichtsahnende Blogger abzumahnen. Das kann teuer werden.

3. Aus Langeweile Blogs lesen: geht klar. Aus Langeweile bloggen: bloß nicht! Wenn du anfängst, zu bloggen, weil du nun mal so gern bloggen würdest, aber gar nicht weißt, worüber du bloggen sollst, und deshalb übers Nichtbloggen bloggst – dann überträgst du deine Langeweile auf den Leser und siehst ihn nie wieder.

4. Ein kurzes Wort zum Auslandsblog: Du darfst gern ein wunderschönes Weblog einrichten, bevor du ins Austauschjahr, den Freiwilligendienst oder das Auslandssemester abdüst. Aber warte mit dem Verbreiten der Adresse, bis du mindestens einen Monat da bist. Spätestens dann merken nämlich 90 Prozent aller Auslandsblogger, dass sie eigentlich gar keine Zeit und Lust haben, dauernd für das verregnete, viel zu weit entfernte Zuhause aufzuschreiben, was sie gerade alles Geiles erleben. Zumal du während des Schreibens bestimmt die durchgeknallte Sophomore-Party oder die Schildkröten-Eiablage am Strand verpasst.

5. Buchhändler, Pizzaboten, Prostituierte – alle schreiben sehr unterhaltsame und erfolgreiche Jobblogs. Der Trick ist, weder seinen Namen noch Arbeitgeber oder Wohnort zu nennen. Sonst ist der Job – und damit auch der Inhalt – ganz schnell weg.

6. Auch Festnahmen oder körperliche Angriffe auf Blogger sind nicht selten. Zumindest nicht, wenn man aus Burma, dem Iran, Syrien, Kuba oder Saudi-Arabien bloggt. Das sind laut dem New Yorker „Committee to Protect Journalists“ die Top Fünf der gefährlichsten Länder für Blogger.

7. Selbst, wenn du nie jemandem aus der „realen“ Welt von deinen Bloggerambitionen erzählt hast, ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass deine Mama, dein Lehrer, dein Chef oder dein Ex mitlesen. Vielleicht sogar alle vier. Siehe hierzu Punkt 5 und 17.

8. Angeblich sind die Weblogs am erfolgreichsten, die sich ausschließlich einem bestimmten Thema widmen. Aber Vorsicht: Kochbloggen macht dick! Reisebloggen macht arm! Arztbloggen macht krank!

9. Selbstüberschätzung ist eine üble Bloggerfalle. Manche scheinen wirklich davon überzeugt zu sein, dass „irgendwo da draußen“ ein Riesenpublikum heimlich mitliest – obwohl eigentlich nur Mama und Papa ab und zu vorbeisurfen. Besonders peinlich: Sätze wie „Und was meint ihr?“ oder „Ich bin gespannt, was ihr dazu zu sagen habt!“.

10. Wenn man einmal seinen Blogrhytmus gefunden hat, gibt es immer noch eine ständige Bedrohung (vorausgesetzt, es geht nicht um Streetstyle-Fotos oder lustige Internetvideos): dass einem die Themen ausgehen. Dann lieber still bleiben (siehe Punkt 3).
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An den Tatort via Facebook

Michael Jäger, 43, hat zehn Jahre lang den Lehrer Matthias Kruse in der ARD-Vorabendserie Marienhof gespielt. Jetzt hat er ein neues Ziel: Tatort-Kommissar werden. Für diesen Posten bewirbt er sich ausschließlich übers Internet – in einer „Bewerbung 2.0“

Michael Jäger (Fotos: Mathias Vietmeier, vietmeierfoto.de)

jetzt.muenchen: Michael, kann man sich eigentlich als Tatort-Kommissar bewerben? Ich dachte immer, für so eine prominente Rolle wird man eines Tages angerufen.
Michael Jäger: Stimmt! Dieses Mal ist es aber anders. Liane Jessen, die Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks, hat in einem Interview die Leser dazu aufgerufen, Schauspieler vorzuschlagen, die in Frankfurt als neue Tatort-Kommissare antreten könnten. Meine absolute Traumrolle! Da habe ich mir gedacht: Sicher machen jetzt ganz viele Schauspiel-Kollegen eine Mappe fertig und die DVDs stapeln sich auf Frau Jessens Schreibtisch. Also muss man sich irgendwie abheben – deshalb habe ich meine „Bewerbung 2.0“ gestartet.

Und wie sieht diese Bewerbung 2.0 aus?
Auf meinem Weblog michaeljaeger.tv habe ich einen Kurzfilm gepostet, in dem ich einen Kommissar spiele, und außerdem eine Fotoserie veröffentlicht, die mich in so einer Rolle darstellt. Dazu habe ich geschrieben, dass ich schon immer Tatort-Kommissar werden wollte, und meine Blog-Leser gebeten, mich zu unterstützen, indem sie eine Mail an den Hessischen Rundfunk schicken oder die Bewerbung über ihre eigenen Blogs und Twitterfeeds verbreiten.

Machen die Leser das denn auch?
Ohja! Inzwischen gibt es schon einige Unterstützer-Blogeinträge und auch eine eigene Facebookgruppe zu der Sache mit über 230 Mitgliedern. Einige davon sind große Tatortfans und finden, dass ich dort gut hineinpassen würde. Andere mögen einfach die Idee, sich per Web 2.0 um einen Job zu bewerben.

Glaubst du, dass sich das in der Branche etablieren könnte?
Einerseits ja. Es ist zum Beispiel so, dass viele Caster inzwischen keine DVDs mehr per Post geschickt bekommen wollen, sondern nur noch YouTube-Links, weil das einfach schneller geht. Andererseits glaube ich, dass so eine umfassende Online-Bewerbung wie meine den meisten zu aufwendig sein wird.

Woher kommt eigentlich der Wunsch, Tatort-Kommissar zu werden?
Das ist ein Ziel, das ich mir gesetzt habe, als ich mit der Schauspielerei anfing: Bis zu meinem 45. Lebensjahr möchte ich Tatort-Kommissar sein. Das habe ich auch in Interviews immer wieder betont. Inzwischen bin ich 43 – das ist doch der perfekte Zeitpunkt, die Sache mal so richtig voranzutreiben!

Was für einen Kommissar willst du denn eigentlich spielen? Soll er so ruppig sein wie der Duisburger Schimanski, oder eher cool wie Batu in Hamburg?
Ich finde, es wird mal wieder Zeit für einen richtigen Kerl. So ein Raubein, dem man abnimmt, dass er sich auch in den zwielichtigen Milieus gut auskennt. Der bräuchte dann eine charmante Assistentin als Gegenpart – dafür wäre Janine Kunze meine Nummer Eins! Die kann nämlich viel mehr, als sie bei „Hausmeister Krause“ zeigen darf.

Süddeutsche Zeitung, 13. Oktober 2009

„Die Leute sollen lieber jobben“

Wieder mal kämpfen Praktikanten für bessere Bedingungen – von einer „Generation Praktikum“ kann aber keine Rede mehr sein

Kaffeekochen und Kopieren – dieses Praktikantenklischee ist veraltet. Heute machen Praktikanten richtige Arbeit und eigentlich ist das ja gut. Nur hat sich der Lohn für diese Arbeit nicht geändert. Noch immer bekommen viele Praktikanten eher „Aufwandsentschädigungen“ oder überhaupt kein Geld. Im Rahmen eines Schulpraktikums oder eines Praktikums während des Studiums sei das noch in Ordnung, findet Robin Thiesmeyer, schließlich komme da der Weiterbildungsaspekt zum Tragen. „Aber als Uniabsolvent ist man bereits voll ausgebildet. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase ist da das Lernen meist vorbei und es wird nur noch gearbeitet.“ Deshalb lud der 30jährige, der selbst gerade ein halbes Jahr Praktikant war, zusammen mit sieben Gleichgesinnten zum „Praktikantenstreik“. Am vergangenen Freitag war es soweit. Die Streikenden trafen sich auf dem Potsdamer Platz in Berlin, um für eine faire Entlohnung und gegen Ausbeutung zu kämpfen.

Karl-Heinz Minks ist Hochschulforscher bei HIS, der Hochschul-Informations-System GmbH. Er sieht in solchen Streiks keinen rechten Sinn mehr. „Es ist natürlich richtig, sich gegen den Missbrauch von Praktikanten als billige Arbeitskräfte zu wehren“, sagt er. Tatsächlich komme das aber nur noch selten vor.

Er ist der Autor einer Studie, die zeigt, dass es die „Generation Praktikum“ in Deutschland nie wirklich gegeben hat. Der Begriff, der für Kettenpraktika und Unterbezahlung steht, ist laut Minks „völlig überzogen“.

„Es gibt zwar bestimmte Bereiche, in denen Praktika sich häufen“, sagt Karl-Heinz Minks. „Aber es kommt äußerst selten vor, dass jemand nach dem Studium mehr als eines absolviert. Spätestens nach einem Jahr haben fast alle einen festen Job.“ Vor allem Studenten aus den Kultur- und Medienwissenschaften sowie aus den Wirtschaftswissenschaften kennen sich mit Praktika aus, sagt Minks. „Das ist aber nur auf den ersten Blick überraschend. Wirtschaftswissenschaftler sind Pragmatiker. Wenn die vorne nicht reinkommen, gehen sie eben durch die Hintertür und hoffen, im Anschluss an ein Praktikum eine Stelle zu bekommen.“

Jetzt, da in den Stellenbörsen weniger Jobs als vor zwei Jahren stehen, umgehen viele Absolventen die drohende Joblosigkeit mit einem Praktikum. Ein Wagnis, sagt Robin Thiesmeyer: „Mit nur 400 Euro im Monat kommt man nicht aus. Wir bezahlen dafür, arbeiten zu dürfen – das ist doch eine verkehrte Welt!“ Mindestens 800 Euro müssten drin sein, wenn man nicht unter dem Existenzminimum leben wolle. Karl-Heinz Minks macht einen anderen Vorschlag. „Die Leute sollen lieber jobben, als ihre Arbeitskraft für lau anzubieten“, empfiehlt der HIS-Forscher. „In der Masse produzieren all die bereitwilligen Praktikanten doch genau den Billiglohnsektor, über den sie sich beschweren und der unserem Wirtschaftsstandort nicht gut tut.“ Es spricht sich herum, welche Unternehmen besonders gern billige Praktikanten nehmen. Minks glaubt, dass Schulabgänger daraus Schlüsse ziehen: Wenn in der Wunschbranche zu wenig bezahlt wird, wird die Zukunft eben anders geplant. Jahre später mangelt es den Betrieben dann an qualifizierten Leuten.

Robin und seine Kollegen wollen jetzt etwas tun. Sie wollen, dass sich die Politik einmischt, dass Gehalt und Arbeitszeiten geregelt werden. „Außerdem sollte man die Dauer von Praktika auf höchstens sechs Monate beschränken und sicherstellen, dass damit keine regulären Arbeitsplätze ersetzt werden“, so Robin.

Zum Streik am Freitag kamen über 100 Leute. Das ist zwar keine ganze Generation, aber mindestens eine Randgruppe – eine, die ein Problem hat. Manche Demonstranten tragen weiße Masken, wie man sie von früheren Protesten aus Frankreich und Deutschland kennt. „Sie sollen ein Symbol für unsere Austauschbarkeit und Anonymität sein“, erklärt Robin. Dann spielen sie „Reise nach Jerusalem“: Sie benutzen große Bürostühle und nennen es „Reise in die Festanstellung“. Am Ende bekommt nur einer den Job, es ist ein Ellenbogenspiel. Die anderen Stühle, die, die zur Seite geräumt wurden, sind wieder frei – für die nächsten Praktikanten.

Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2009