Archiv für September, 2009

Zwischen den Pinakotheken

Romanasalat

… gibts leckeren Salat. In der Brasserie Tresznjewski, wo auch alle anderen Portionen so aussahen, als könne man sie locker zu zweit verdrücken.

Kunst, die ich nicht mochte: In der Pinakothek der Moderne. Es gibt so viel dort, aber das Einzige, was mich auf Anhieb ansprach, war die temporäre Ausstellung des Fotografen Gerrit Engel, der sich mit Berliner und New Yorker Architektur beschäftigt hat. Sogar Beuys war – zumindest teilweise – viel zu sehr aus dem Kontext gerissen, fand ich. Dafür gibt es aber einen wirklich tollen Museumsshop! Und auf die bin ich ja bei neuen Museen, das muss ich gestehen, spätestens seit dem BOZAR in Belgien genauso gespannt wie auf die Ausstellungen selbst.

Kunst, die ich mochte: Im Museum Brandhorst! Das war toll. Das Haus wurde erst vor ein paar Monaten eröffnet und zeigt eine Auswahl der bislang privaten Sammlung von Udo und Annette Brandhorst – darunter so große Namen wie Andy Warhol, Damien Hirst und Sigmar Polke. Ich fand vor allem die Arbeiten von Cy Twombly toll, den ich vorher noch gar nicht kannte. Beeindruckend ist auch das Gebäude selbst, das innen durch Schlichtheit, außen durch herrliche Farben besticht.

“Die Piraten klingen so cool”

Heute fanden die U18-Wahlen statt: Alle, die eigentlich noch zu jung sind, durften ihre Stimme abgeben. Candida Splett, Sprecherin des Netzwerks U18, erklärt, was das bringt.

Frau Splett, wie muss man sich diese Bundestagswahl für Minderjährige vorstellen?
Heute dürfen alle, die jünger als 18 Jahre sind, eine der Parteien wählen. Jeder, der irgendwie mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, konnte im Vorfeld ein Wahllokal anmelden. Das sind meistens Schulen oder Jugendheime, aber auch Bibliotheken oder jemand, der sich damit einfach auf den Marktplatz stellt. Man braucht dafür nur eine Urne, ein paar Stifte und genügend Kopien des Stimmzettels, den man sich auf unserer Website u18.org herunterladen kann. Im Idealfall bereiteten die Veranstalter die U18-Wähler mit politischen Bildungsprojekten auf den heutigen Tag vor. In Berlin gab es zum Beispiel ein Politiker-Speeddating für Jugendliche, es wurden Podiumsdiskussionen veranstaltet und sogar ein Fußballspiel, bei dem Poltiker gegen Jugendliche angetreten sind.

Wie viele Wahllokale gibt es denn?
In diesem Jahr sind über 1100 Wahllokale registriert. Das sind doppelt so viele wie noch 2005. Wir erwarten, dass sich etwa 100.000 Jugendliche an den Wahlen beteiligen werden.

Die Stimmen werden am Ende zwar ausgewertet, aber für die eigentlichen Bundestagswahlen in zehn Tagen zählen sie nicht. Was bringt das Ganze dann überhaupt?
Unser Ziel ist, Kinder und Jugendliche für Politik zu begeistern. Wir unterstützen sie dabei, sich politisch zu engagieren und kämpfen damit gegen das weit verbreitete Vorurteil, die Jugend sei völlig unpolitisch. Studien belegen, dass Jugendliche durchaus Lust haben, ihr Umfeld mitzugestalten – sofern sie sich ernst genommen fühlen. Dieses Gefühl wollen wir ihnen vermitteln.

Wählen U18-Wähler anders als Erwachsene? Gibt es bestimmte Themen, für die sie sich besonders interessieren?
Unsere Wähler sind weniger konservativ und wählen nicht strategisch. Sie wählen gern auch die kleinen Parteien und denken nicht darüber nach, ob diese überhaupt eine Chance hätten, in den Bundestag einzuziehen. Die Themen sind im Grunde die gleichen wie bei den erwachsenen Wählern. Das reicht von Afghanistan über Umwelt und Atomkraft bis hin zu Hartz 4. Da tauchen dann Fragen auf wie: „Muss ich wirklich mehr Steuern zahlen, wenn ich groß bin, weil es jetzt das Konjunkturpaket II gibt?“ Wichtige Themen sind natürlich auch Bildung – und Tierschutz! Bei den U18-Wahlen 2005 kam die Tierschutzpartei auf 1,12 Prozent. Die Erwachsenen gaben ihr damals nur 0,2 Prozent der Stimmen.

Bei den letzten U18-Wahlen fiel auch auf, dass die NPD mit 6,66 Prozent noch vor der FDP mit 5,82 Prozent lag. Wie konnte es dazu kommen?
Obwohl da sicher einige Protestwähler dabei waren, fiel in einigen Bundesländern und in bestimmten Wahllokalen eine starke rechtsextreme Wahlbeteiligung auf. Das liegt wohl auch daran, dass in diesen Ländern die Gelder für politische Bildung und nachhaltige Jugendarbeit radikal gekürzt werden. Wir empfehlen dann Einrichtungen, mit denen man das vor Ort gezielt aufarbeiten kann. Dieses Ergebnis war natürlich auch ein Signal an die Politik, auch dafür sind die U18-Wahlen gut.

Wie reagieren die Politiker denn generell auf das Projekt?
Viele Politiker interessieren sich dafür und werden am Montag auch ein Statement zu den Ergebnissen abgeben. Dennoch werden Kinder und Jugendliche aber solange von der Politik vernachlässigt werden, wie sie kein Wahlrecht haben. Deshalb plädieren wir auch für eine Herabsetzung des Wahlalters. Die Politiker sollten sich mehr um die Interessen der Jugend kümmern.

Aber erreichen Sie mit dieser Aktion nicht sowieso nur die Jugendlichen, die schon politisch interessiert sind und sich entsprechend engagieren?
Nein, denn es gibt viele Wahllokale in Schulen und Jugendeinrichtungen, die sich an alle Bevölkerungsschichten wenden.

Eine Besonderheit der U18-Wahlen ist, dass auch Jugendliche ohne deutschen Pass mitmachen dürfen.
Ja, weil die schließlich auch hier leben und mitbestimmten wollen. Heute morgen war ich in einem Wahllokal, in dem viele ausländische Jugendliche ihre Stimme abgegeben haben. Sie haben sich sehr für die deutschen Parteien interessiert, insbesondere für die rechten. Die werden intensiv hinterfragt.

Die Auswertung der Stimmen wird heute Abend per Livestream im Internet übertragen. Ab 22 Uhr steht das Ergebnis fest. Haben Sie eine Ahnung, wie die Wahlen dieses Jahr ausgehen?
Nein, das will ich mir auch gar nicht anmaßen. Aber ich vermute, dass die Piraten ein paar Stimmen bekommen, gerade von den Jüngeren, weil die den Namen so cool finden und sich schließlich auch ein bisschen am Image der Partei orientieren. Das ist etwas, das leider auch bei Erwachsenen immer noch häufig vorkommt.

jetzt.de, 18. September 2009

“Beim Küssen zeigt sich das wahre Ich”

Die 27-jährige Taiwanerin Ya-Ching Yang studiert in Paris Musik – und die Kunst des Küssens! Sie hat sich vorgenommen, in der Stadt der Liebe 100 fremde Männer zu küssen.

Einer von 100 Küssen

Ya-Ching, wie bist du auf die Idee gekommen, 100 Küsse von Fremden zu sammeln?
Ich weiß auch nicht, das ist schon drei Jahre her und ich fand die Vorstellung einfach toll. Damals war ich aber noch nicht mutig genug. In Paris wurde mir dann bewusst, dass ich inzwischen genug Courage habe, und legte los.

Wie gehst du das an – läufst du einfach los und küsst den nächstbesten Fußgänger?
Wenn ich an einem Ort in Paris bin, dessen Atmosphäre mir besonders gut gefällt, halte ich Ausschau nach einem Fremden, der irgendwie zu dem Gefühl passt, das ich mit diesem Ort verbinde. Ich erzähle ihm dann von meinem Projekt und bitte ihn um einen kurzen Kuss. Ich habe zum Beispiel schon ein Model, einen Fabrikarbeiter und sogar einen Soldaten geküsst. Ein paar Deutsche waren auch dabei!

Und wie küssen die dich dann: Ganz brav auf den Mund, oder bekommst du sogar französische Küsse? Du bist schließlich in Paris!
Nein, doch keine Zungenküsse! Das sind alles ganz leichte Küsse auf die Lippen, so wie eine Libelle, die die Wasseroberfläche berührt… Manchmal habe ich das Gefühl, es war bloß ein Kuss und da ist nichts dahinter. Aber manche Männer küssen unheimlich intensiv. Ich war überrascht, wie groß die Unterschiede sind.

Über 50 Küsse hast du schon gesammelt. Welcher war bisher der schönste?
Das bleibt mein Geheimnis! Aber ich glaube, er war für den Fremden genauso besonders wie für mich. Ich konnte sein Herz klopfen hören! Wir haben uns wohl beide in diesen Kuss verliebt, so schön war das. Als würde man sich in die ganze Welt verlieben.

Hast du eigentlich gar keine Angst, dass du dich mit der Schweinegrippe oder irgendeiner anderen Krankheit ansteckst?
Je mehr Dinge man fürchtet, desto weniger erreicht man, oder? Das Wichtige ist, mit den seelischen Bazillen klarzukommen, dann können einem die aus der Außenwelt nichts mehr anhaben.

In Europa und Amerika wird dein Blog gerade zur Internetattraktion. Drei Millionen Besucher hattest du bisher. Was halten denn die Menschen in deiner Heimat Taiwan von dem Projekt?
Einige Taiwaner denken, dass ich unsere traditionellen moralischen Werte verletze, aber für mich hat das nichts mit Ethik zu tun. In Asien ist generell der gesellschaftliche Druck sehr stark, die Menschen haben Angst davor, ihr wahres Ich in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Was hat denn Küssen mit dem wahren Ich zu tun?
Es ist das Wichtigste! Bei einem richtig guten Kuss geht es nicht darum, attraktiv zu sein oder das Handwerk zu beherrschen. Man muss den Mut haben, sein wahres Ich zu zeigen. Durch soziale Zwänge und Traditionen ist die Kluft zwischen der Innen- und der Außenwelt der Menschen sehr groß geworden. Ich versuche, die beiden zu vereinen und geistige Freiheit zu erlangen. Das macht mich glücklich, und wenn ich glücklich bin, stecke ich vielleicht die anderen an und sie werden auch froh. Auf keinen Fall will ich immer nur daran denken müssen, den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Das macht die Leute unglücklich, und dann sind all ihre Anstrengungen vergebens.

jetzt.de, 16. September 2009

Zwitschern für den guten Zweck

Beim Twestival in München trafen sich Twitterfans, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Der trat aber ziemlich schnell in den Hintergrund.

„Du gehörst zu denen vom Twitter, oder?“, fragt Kathi. Sie kellnert im Münchner Lokal „Niederlassung“ und muss, weil ich zu denen vom Twitter gehöre, heute 50 Cent von meiner Apfelschorle abziehen. Die gehen an die Waris Dirie Foundation, eine Stiftung, die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung engagiert.

Draußen, auf dem Gehsteig, sitzen an diesem lauen Abend zwischen zwanzig und dreißig Twitternutzer und reden wild durcheinander. Sitzgelegenheiten gibt es hier kaum noch, iPhones dafür umso mehr. Sie feiern das „Twestival“, ein Festival von und für Twitterer, das vom 10. bis 13. September an über 100 Orten auf der ganzen Welt stattfindet. Die Ziele sind immer die gleichen: sich endlich mal „in echt“ kennenlernen, netzwerken und Geld für gute Zwecke sammeln.

In München hat Heiko Ditges (@heikoditges) das Treffen organisiert. Der 31jährige hatte eigentlich gehofft, Waris Dirie für diesen Abend gewinnen zu können, weil die am Mittwoch eh in Berlin war, um ihren Film „Wüstenblume“ vorzustellen. „Das hat aber leider nicht geklappt.“ Stattdessen hat er ein paar signierte Bücher bekommen, die er im Laufe des Abends verlosen will.

Ansonsten hat das alles mehr etwas von einem großen Stammtisch. Die „Twestival“-Teilnehmer, die im Vorfeld Spendentickets für fünf, zehn, 15 oder 20 Euro gekauft haben, sind Technikfreaks, Kreative, Netzbegeisterte in jedem Alter, die vor allem eins gemeinsam haben: Sie kommen alle aus der Werbung oder einer Onlineagentur oder irgendeiner Branche, die so jung ist, das sie noch gar keinen Namen hat.

Sabine Sikorski (@siktwin), 33, ist die „Twitter-Beauftragte“ in der PR-Agentur, für die sie arbeitet. Sie ist mit ihrer Freundin Anya Rutsche (@angel_ita), 29, da, die Marketing Managerin bei einem Internetunternehmen ist. Die beiden haben sich im „Social Media Club“ kennengelernt und treffen sich eigentlich nur selten. „Die letzten vier Wochen haben wir uns lediglich über Twitter gesprochen“, sagen sie.

Aber gerade das gefalle ihnen so gut an dem Online-Dienst. „Man kann leicht in Kontakt bleiben und erfährt von Dingen, die man sonst aufwendig recherchieren müsste“, sagt Sabine, deren Twitterfeed 185 Follower hat. Anya bringt es sogar auf über 1130 Follower. „Wenn ich eine Frage habe, bekomme ich über Twitter am schnellsten eine Antwort“, sagt sie.

Zum „Twestival“ sind sie gekommen, weil man hier all die Leute trifft, die man sonst nur aus Followerlisten und Favcharts kennt. „Hier ist endlich mal wer, der weiß, was das ist!“, freut sich Sabine.

Tatsächlich erkennt man die Twitterer zwar nicht am Äußeren, wohl aber an den Gesprächen, weiß Kellnerin Kathi: „Die Technik ist halt der gemeinsame Nenner.“ Hier wird viel darüber geredet, welches Handy am besten zum Twittern geeignet ist, wie sich der Onlinedienst für Vermarktungszwecke einsetzen lässt und welche Apps man unbedingt kaufen sollte. Es geht aber auch um die bevorstehenden Wahlen. Darum, wie man die skeptischen Bekannten von der Piratenpartei überzeugen kann und dass man nicht nach seinem Wahl-O-Mat-Ergebnis wählen soll.

Die Diskussionen dauern noch ziemlich lange an diesem Abend. Am Ende kommen 300 Euro für die Stiftung zusammen, um die es aber eigentlich gar nicht mehr ging. Das ist mehr der nette Nebeneffekt des Twitterstammtisches, den man in der Niederlassung (@niederlassung) bald wieder veranstalten will.

Nur Kathi, die Kellnerin, ist immer noch nicht überzeugt. „Ich komme ja auch aus der Onlinebranche und interessiere mich für die ganzen social communities und so“, sagt sie. „Aber für Twitter sitze ich einfach zu wenig vorm Computer.“

jetzt.de, 11. September 2009

Wie am Set von Sofia Coppola (nur die Musik klingt kaputter)

Wie bei Marie Antoinette!

Am Sonntag bin ich rausgefahren nach Oberschleißheim, wo das angeblich zweitschönste Schloss von München steht. Dieses Schloss hatte sich verwandelt in die Welt von Marie Antoinette: Barock kostümierte Adlige spazierten durch die weitläufigen Parkanlagen, am Wasser entlang, wo meterhohe Fontänen in der Sonne glänzten. Altmodische Kutschen fuhren über die Schotterwege, und durch die Alleen sauste eine fürstliche Jagdgesellschaft. In den Ohren hatte ich nur das Bellen der Hundemeute und die französischen Jagdhörner, die absichtlich so kaputt klingen. Und obwohl viele Besucher zu dem Spektakel gekommen waren, störte nicht einmal ein modernes Handyklingeln diese 18. Jahrhundert-Idylle.

Es war ganz toll, und ich habe wieder lauter Dinge gelernt, die man in der Schule nicht erklärt bekommt. Übers Jagen (zum Beispiel, dass man bei einer “Schleppjagd” einer Duftspur hinterherjagt, nicht aber einem lebenden Tier, weil das bei uns verboten ist), über Kutschen (zum Beispiel, dass die Farben eine wichtige Rolle spielen – der Kutsche und der Pferde!), über Mode (zum Beispiel, dass der breite braune Rand an vielen Stiefeln und lauter andere modische Dinge ihren Ursprung in der Jagdkultur haben) und über lauter andere Dinge. Das meiste davon fällt mir jetzt schon gar nicht mehr ein, es wird übertüncht von dem allgemeinen Sommerhochgefühl, das diesen Tag prägte. Aber ich bin sicher: Bei der passenden Gelegenheit kommt alles zurück.

Ein Video vom Jagdtreiben gibts auch!

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