Archiv für Juli, 2009

Mi nueva familia en Costa Rica

Meine Gastfamilie hat keine Adresse, aber das ist nicht schlimm – niemand in Costa Rica hat eine. Es gibt überhaupt keine Straßennamen und erst recht keine Hausnummern, es gibt höchstens Hausfarben. (Meine Sprachschule gibt auf ihren Visitenkarten folgendes an: “Richtung Dent-Viertel, bei “Autos Subarú” 300 Meter nördlich und 150 Meter östlich”.)

Die Farbe meines neuen Zuhauses ist ocker. Hier wohnt Felicia, eine Mutter von drei erwachsenen Kindern, die nicht gern allein ist und deshalb regelmäßig Sprachschüler aus dem Ausland bei sich aufnimmt. Außerdem hat sie noch zwei Katzen, die sich gegenseitig das Futter wegfressen, und einen Hund, der nicht auf die Straße darf, weil er dann stirbt. (Warum, habe ich nicht ganz verstanden.)

Felicia wohnt in einer ziemlich guten Gegend. Hier steht ein Wachhäuschen auf der Straße, es gibt ein elektrisches Tor vor der Einfahrt und Gitter vor den Fenstern. Ich habe ein eigenes Zimmer und teile mir das Bad mit Anna, einer weiteren Gastschülerin, die auch aus Deutschland kommt. Dann ist da noch Sven, mit dem sie gemeinsam hergereist ist. Die beiden haben in Deutschland seit ein paar Jahren Spanischunterricht.

Zu viert haben wir immer viel Spaß beim Abendessen, auch wenn ich zu den Unterhaltungen kaum etwas beitragen kann. Aber nach nur zwei Schultagen kann ich immerhin schon einiges davon verstehen.

Felicia hat einen Fernseher mit über hundert Kanälen – darunter auch all die tollen amerikanischen, wo die guten Serien mit spanischen Untertiteln laufen. Und sie hat ein großes Auto, dessen Fahrertür allerdings nicht mehr aufgeht, seit mal jemand versucht hat, das Schloss zu knacken.

Die Kriminalität ist etwas, das mir im Moment noch zu schaffen macht. Von allen Seiten wird man vor Taschendieben und Räubern gewarnt, sodass man sich kaum noch traut, auch nur eine Kamera mitzunehmen. Ganz zu schweigen von einem Trip in die Stadt auf eigene Faust.

Bisher pendle ich deshalb vor allem zwischen dem ockerfarbenen Haus und meiner Sprachschule. Von der erzähle ich demnächst noch mehr. Bis dahin – hasta luego!

Videogruß aus Atlanta

Ich warte am Flughafen und trinke meinen ersten Kaffee.
(In Costa Rica wars übrigens halb drei. Totale Zeitzonenzerzwirbeltheit.)

Barcelona

Mercat de la Bouceria

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Kopf zwischen Sterne

An so sternklaren Abenden wie dem heutigen denke ich oft an die Nacht, die wir vor ein paar Wochen in der Sternwarte verbracht haben. Ich wollte da schon seit einer Ewigkeit mal hin, und bezeichnenderweise hat es erst nach dem Ende meiner Schulzeit geklappt.

Die Sterne und ihre gesamte Wissenschaft waren für mich immer eines von diesen Feldern, die man in der Schule so gut wie gar nicht kennenlernt. Darum muss man sich selbst kümmern, und es gibt hunderte und aberhunderte Themen, bei denen das ebenso ist. Deswegen mag ich es nicht, wenn Leute behaupten, zum Zeitpunkt des Abiturs sei das Allgemeinwissen, über das man verfügt, am größten. (Ja, diese Leute gibt es tatsächlich!) Für mich ist das Abitur bloß Allgemeinwissen, das andere in einen reingestopfen. Es ist sozusagen das Fundament, der Boden von einem riesengroßen Loch, in den noch viel mehr Allgemeinwissen reinpasst. Nur muss man den Rest selbst in sich reinstopfen, und ich habe mir vorgenommen, das zu machen.

Das tolle an diesem Rest-Allgemeinwissen ist, dass man es auf so viele verschiedene Wege erlangen kann. Man muss nicht immer nur Bücher wälzen oder Fernsehdokumentationen anschauen (obwohl das auch super ist, weil es so schnell geht und man IMMER was lernt, wenn man nur gerade empfänglich dafür ist (Kennt ihr diesen hyperempfänglichen Modus, diesen Moment, in dem man unbedingt was Neues lernen und einfach IRGENDEINE Doku angucken will, egal, worum es geht?)), man kann auch in eine Galerie gehen oder einen Imker besuchen oder eben eine Sternwarte.

In meiner kleinen Stadt gibt es eine ganz kleine Sternwarte. Sie hat nur einmal die Woche geöffnet, immer donnerstags. Und dann auch erst nachts, und allein das ist ja schonmal riesig aufregend. Was sonst hat schon tagsüber die ganze Zeit geschlossen, um dann mitten in der Nacht ein paar Stunden der ganzen Welt offenzustehen?

Die Nacht, in der wir rausfuhren zur Sternwarte, war ganz überraschend eine klare. Eigentlich waren Wolken und Regen gemeldet worden. Entsprechend überrascht waren auch die beiden Männer, die in der düsteren Kuppel herumwerkelten, als wir die schmale, eiserne Treppe heraufgestapft kamen.

In dem kleinen, runden Raum mit dem drehbaren Loch in der Decke stand ein einziges, sehr wuchtiges elektronisches Teleskop. In die Wand war ein Fach eingelassen, in dessen schummriger Beleuchtung man aufgeschlagene Astronomiebücher, eine Kamera und fremde Gerätschaften erkennen konnte.

“Da kommt ja doch noch jemand!”, begrüßten uns die zwei Männer fröhlich. Ich weiß bis heute nicht, wie die beiden aussahen, weil es die ganze Zeit so dunkel war. Der Eine trug eine Lampe auf der Stirn, die seine wild abstehenden Haare anleuchtete. Die beiden waren richtige Sternenfreaks, wie man sich das so vorstellt.
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Fünf Lieblingszitate aus David Gilmours “The Film Club”

“He caught a glimpse of himself in the mirror over the kitchen sink. Turning his head slightly to the side, he sucked in his cheeks, pursed his lips and frowned gravely. This was his “mirror face”. A way he never looked otherwise.”

Das ist einer von diesen Gedanken, die man selbst schon ganz oft hatte, aber so unterbewusst, dass sie einem erst klar werden, wenn man es so liest: dass man vor dem Spiegel so aussieht, wie einen sonst niemand kennt. Mit all den Konsequenzen.

“Some books you only read if you’re forced to. That’s the beauty of a formal education. It makes you read a lot of stuff you’d normally never bother with.”

Dieser Satz hat mich sehr an mein Bewerbungsgespräch an der Uni erinnert. “Sie werden vieles tun, das überhaupt keinen Sinn zu haben scheint. Manchmal hat es auch einfach keinen.”

“The second time you see something is really the first time. You need to know how it ends before you can appreciate how beautifully it’s put together from the beginning.”

Alte Filmweisheit, auf den Punkt gebracht.

“How do they succeed in making you nostalgic for a life you never had?”

Gilmour bezieht sich hier auf die “Waltons”, die ich nie gesehen habe (war immer mehr der “Unsere kleine Farm”-Typ), aber dennoch geht es mir oft ganz genauso. Viele Serien, Filme und Bücher mag ich deshalb so sehr, weil ich unheimlich gern selbst in ihren Welten leben würde. Ich will wie Rory in Luke’s Diner sitzen und Kaffee trinken, obwohl Stars Hollow wahrscheinlich ein schrecklich langweiliges Kaff ist und ich Kaffee gar nicht mag, ich will wie Kathleen Kelly E-Mails an einen Unbekannten schreiben (Tom Hanks!), obwohl 1998 das Internet noch fürchterlich langsam war, und ich will wie Lizzy mit Mr. Darcy streiten, obwohl die Frauen in ihrer Zeit eine so geringe Rolle spielten. Wenn es einen wehmütig macht, ist es gut.

“What did Howard Hawks say constituted a good film?” – “Three good scenes and no bad ones.”

Mit dem Satz hätte das Buch eigentlich aufhören können, geht es doch zur einen Hälfte um Filme. Die andere Hälfte behandelt aber nunmal eine Vater-Sohn-Beziehung, die noch zu Ende erzählt werden muss. Geht das Konzept des Vaters auf, der seinem Sohn erlaubt, die Schule zu schmeißen, einzig unter der Bedingung, drei Mal die Woche mit ihm einen Film anzuschauen?

Das Ganze liest sich leichter, als ich gedacht habe und als die deutschen Kritiken suggerieren. Bei uns heißt das Buch übrigens “Unser allerbestes Jahr”, was etwas merkwürdig ist, wenn man bedenkt, dass die Handlung sich (niemals zäh) über drei Jahre erstreckt. Es ist ein gutes Buch, man muss auch all die Filme nicht gesehen haben (obwohl es dann wahrscheinlich noch mehr Spaß macht), auch wenn der Autor manchmal den Eindruck erweckt, ziemlich von seinem Film-Know-How (zurecht!) und seinen pädagogischen Fähigkeiten (zurecht?) überzeugt zu sein.