Archiv für Mai, 2009
Duplicity
“Du vertraust mir doch auch nicht!”
Was nun folgt, ist eine Warnung: Tut es nicht so wie ich. Fallt nicht auf den wirklich verheißungsvollen Trailer zu “Duplicity”, dem neuen Film von Tony Gilroy, herein. Dieser Mann hat die “Bourne”-Triolgie gedreht und vor einiger Zeit auch “Armageddon”. Da verzeiht man ihm einen Schnitzer wie “Michael Clayton”, ja, man vergisst ihn sogleich und kommt schon gar nicht auf die Idee, misstrauisch zu werden gegenüber dem Nachfolgewerk.
Der Trailer jedenfalls suggeriert eine wunderbare Thrillerkomödie á la “Mr. & Mrs. Smith” – zwei Spione aus gegnerischen Lagern, die sich miteinander verbünden, um in Liebe (und Ruhe und Reichtum) zusammen zu leben – was will man denn mehr? Zumal Julia Roberts und Clive Owen schon in “Closer” ein spannungsreiches Paar abgegeben haben.
Wir packten also unsere sieben Sachen, und dann nichts wie los ins Kino. Kaum saßen wir da jedoch drin, war es, als ob man mit voller Wucht gegen eine Scheibe rennt. Die Anfangssequenz ist ein Sinnbild für den Rest des Films: Viiiiieeeeel zu laaaaangsaaaam prügeln sich da zwei Personen, die nicht die Hauptdarsteller sind und diesen doch die Show rauben werden.
Paul Giamatti und Tom Wilkinson verkörpern die Chefs zweier konkurrierender Kosmetikunternehmen, für deren Spionageabteilungen Claire (Roberts) und Ray (Owen) arbeiten. Letztere warten auf den großen Knüller, die neueste Erfindung, das innovative Produkt, dessen Formel sie stehlen und zu Geld machen können. An dieser Stelle wird das “Mr. & Mrs. Smith”-Konzept erweitert um einen satirischen Aspekt, der genüsslich in alle Richtungen ausgewälzt wird.
Das wäre ja nicht schlecht, wenn dafür nicht die Spannung verloren ginge. Stattdessen steht Verwirrung auf dem Programm, und zwar nicht zu knapp: Weder die ständigen Zeitsprünge und Ortswechsel noch die nervigen Split Screens schaffen es, den Film in Fahrt zu bringen. Das alles (und die viel zu langsame Kameraführung im Kontrast dazu) verärgert nur, weil man doch auf eine leichte Komödie gehofft hatte und nicht auf einen Film, bei dem man Buch führen muss über die Verwicklungen und Hinterlisten der Hauptfiguren. Von dem enttäuschenden, völlig falschen Ende will ich gar nicht erst anfangen.
Spart euch also “Duplicity” und schaut euch lieber mal wieder Angelina und Brad an – da weiß man, was man hat.
Weil’s so schön war!
Die letzten 20 Tage war es auffallend ruhig hier. Offiziell habe ich drei Wochen lang für die Philosophieprüfung gelernt. Inoffiziell habe ich mich zwei Wochen lang ausgeruht, Unistädte bereist und einen Müslisuchtrückfall erlitten und erst in der dritten Woche gelernt. Dabei habe ich gemerkt, das unter meinen Mitlesern und Twitter-Followern außergewöhnlich viele Philosophieinteressierte sind. Für sie alle nun hier ein grobes Best of, ehe ich am 8. Juni (nach der Bekanntgabe der Noten) alle meine Aufzeichnungen verbrenne. Ab jetzt wird mein Leben wieder auffallend unruhig – vergesst das Müsli!
Platon
Berühmtester Satz: alle im Höhlengleichnis.
Unsinnigste Ansicht: Es gibt praenatale Ideen, die wir aber vor der Geburt wieder vergessen.
Das werde ich mir nie merken können: das Liniengleichnis.
Aristoteles
Das werde ich nicht mehr vergessen: eudaimonia!
Thomas Hobbes
Berühmtester Satz: “Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf.”
Das werde ich mir nie merken können: Im Naturzustand ist “kluger Egoismus” gefordert: Jeder soll mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln (auch Hinterlist, Bosheit, Gewalt) sein Leben / Besitz sichern.
Das werde ich nicht mehr vergessen: Hobbes hat ein viel zu negatives Menschenbild.
Offene Frage: Müsste man Neugeborenen nicht die Wahl zwischen Natur- und Staatszustand lassen?
René Descartes
Berühmtester Satz: “cogito ergo sum.”
Unsinnigste Ansicht: der Gottesbeweis.
Das werde ich mir nie merken können: “Die Körper sind Raum, der Raum besteht aus Körpern, leeren Raum gibt es nicht.”
Das werde ich nicht mehr vergessen: radikaler Zweifel!
John Locke
Berühmtester Satz: “Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf.”
Das werde ich mir nie merken können: Alle Menschen = Werk, Diener, Eigentum Gottes.
Offene Frage: Kann es nach Locke überhaupt geistiges Eigentum geben?
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Der Mathe LK kriegt die Kurve
Ich werde oft gefragt: Bist du jetzt eigentlich schon schrecklich wehmütig, weil die Schule bald vorbei ist? Ich antworte: Nee. Nicht mal, wenn ich all die alten Fotos und Videos durchsehe für die Abizeitung. Zumindest nicht, solange die mich noch dauernd prüfen.
(Und im SZ-Magazin hat Fotograf Tobias Kruse eine Berliner Abschlussklasse fotografisch begleitet.)




Kommentiert
anna*: berührend. und das meine ich nicht pathetisch, aber ich weiß mich gerade nicht besser auszudrücken als “das berührt meine seele”.
Auceza: Huhu!!! Habe vor Kurzem Deine Website im Netz entdeckt und finde sie sehr gut. :) Ich hoffe, dass Du noch viele Interviews machst und fleißig...
Nathalie: Ich drücke mich immer vom lernen mit lesen.. I love lesen Und ich liebe einen jungen aus der 6. Klasse
Eva: Aber nur ganz leicht! ;D