„Nur unerfüllte Liebe kann romantisch sein.“
In „Vicky Cristina Barcelona“ macht Woody Allen mal ein paar Dinge anders. Das fällt schon beim Vorspann auf, der zwar im üblichen Weiß auf Schwarz den Film eröffnet, aber statt mit klassischer diesmal mit flotter spanischer Musik daherkommt. Der tolle Mix aus urigen Gitarrenklängen und luftig-leichten Tanzstücken prägt diesen Film ganz besonders und ist sicher einer der besten Allen-Soundtracks seit langem.
Kaum hat man sich darüber gefreut, kommt schon die nächste Neuerung: Ein Erzähler – der sich im Verlauf des Films allerdings als völlig überflüssig erweisen wird – führt die Hauptfiguren ein. Die Amerikanerinnen Vicky (Rebecca Hall aus Frost/Nixon!) und Cristina (Scarlett Johansson!) kommen nach Barcelona, um bei einem befreundeten Ehepaar den Sommer zu verbringen. Bei einer Vernissage lernen sie den Künstler Juan Antonio (Javier Bardem!) kennen, der sie spontan zu einem Liebeswochenende nach Oviedo einlädt. Während die frisch verlobte Vicky die Einladung entrüstet zurückweisen will, ist Cristina gleich hingerissen von der offenen, verwegenen Art des Malers. Am Schluss fahren beide mit – und verfallen ihm auch beide (hintereinander).
Schon in dieser ersten halben Stunde macht der Film vor allem eins: Lust auf Spanien. Wenn das Trio Oviedos Kunstschätze besichtigt, die Freundinnen durch Barcelonas Gassen streifen und Vicky abends ganz entrückt der Gitarrenmusik lauscht, will man sofort auch dahin und diesen aufregenden Sommer miterleben.
Cristina zieht bald zu Juan Antonio, um dann von der Rückkehr seiner Ex-Frau überrascht zu werden. Die temperamentvolle Maria Elena (Penélope Cruz!) hat versucht sich das Leben zu nehmen, und muss jetzt von Juan Antonio gesund gepflegt werden. Für Cristina eine verzwickte Situation: Schnell begreift sie, dass die beiden Künstler noch immer eine große Leidenschaft füreinander verbindet.
Es stellt sich heraus, dass Juan Antonio und Maria Elena nicht mit- und nicht ohne einander können. Cristina wird zur „fehlenden Zutat“ – und die Paar- zur Dreierbeziehung, in der jeder mal mit jedem schläft. Tatsächlich hat Woody Allen es aber hinbekommen, das Ganze zu keiner Zeit anrüchig oder albern wirken zu lassen. Stattdessen vermischt sich die kühle Sommerbrise Barcelonas mit einer prickelnden Erotik, die von den beiden so unähnlichen Powerfrauen Johansson und Cruz befeuert wird. Letztere füllt ihre aufbrausend-heißblütige Rolle dabei so großartig aus, dass man manchmal sogar lachen muss, so süß ist ihre Wut. Den Oscar für die beste Nebendarstellerin gabs also völlig verdient.
Und dann wäre da noch Rebecca Hall. Ihre – übrigens herrlich sarkastische – Figur wird von ihrem New Yorker Verlobten überrascht, der sich in den Kopf gesetzt hat, sie spontan in Spanien zu heiraten. Das Wiedersehen mit ihm fällt jedoch verhalten aus, da Vicky seit dem Ausrutscher mit Juan Antonio von einem schlechten Gewissen und Zweifeln an ihrer Liebe für Doug gequält wird.
Überraschend für einen Woody Allen-Film ist auch das Ende, das an dieser Stelle aber ja wohl kaum verraten werden darf. Der Zuschauer weiß jedenfalls schon: Die nächste Reise geht nach Barcelona.




Ich glaube, dass ich das schon mal erwähnt habe, aber ich finde es nach wie vor eine sehr amerikanische Wahrnehmung von Barcelona. Sehr romantisiert und “unkatalanisch”. Dennoch ist der Film, wie auch die Stadt wunderschön und unbedingt sehenswert.
Übrigens, Kopf Hoch wegen dem Prüfungsstress Eva. Das geht auch ganz schnell vorbei. Versprochen. :)
Barcelona ist eine großartige stadt, wirklich toll! Gehts nur mir so oder ist das wort powerfrau auf eine komische art schon wieder sexistisch…
Also Powerfrau ist vielleicht kein schönes Wort (Synonyme jemand?!), aber sexistisch? Finde ich nicht unbedingt.
Den fandest du nicht gut…! :P Ich bin fast eingeschlafen im Kino…
Wer geht auch freiwillig in einen Allen-Film, wenn er keine Dialog-Filme mag? :-o
20. Mai ist DVD-Veröffentlichung. VCB muss in die Sammlung.
Und Chris: Genau. Selbst schuld. Keine Ahnung…
“Look, I wouldn’t call our reluctance to leap at your sexual offer being ‘over analytical’. If you would care to join us for some recognised form of social interaction, like a drink, then we’d be fine.” Meine Lieblingsstelle :)
untypisch für allen fand ich den schluss nicht;
& der film ist eigentlich nur im original zu empfehlen , die deutscherzählerstimme ist so furchtbar nervtötend, und die synchronstimme von juan antonio gibt dem ganzen dann den rest…