Archiv für März, 2009

Frost/Nixon

Frost/Nixon

“When the President does it, that means it’s not illegal.”

Das Tolle an „Frost/Nixon“ ist, dass man nicht mal viel über Watergate wissen muss, um diesen Film wirklich packend und gut zu finden. Denn tatsächlich geht es nicht vordergründig um die politische Affäre, die den Präsidenten 1974 zum Rücktritt zwang. Darüber sind wahrscheinlich auch genug Filme gedreht worden. Stattdessen geht es darum, mit ihr aufzuräumen.

Initiator ist der Fernsehmann David Frost (Michael Sheen), den man eigentlich eher als Entertainer bezeichnen würde statt als Journalisten. Kein Wunder also, dass kein amerikanischer Sender seine Angebote für die Rechte an den Interviews ernst nimmt. Frost muss die zwei Millionen Dollar teure Produktion aus eigener Tasche bezahlen und vergisst über das ganze Investorenumwerben fast völlig, sich auf die vier Interviewtage vorzubereiten.

So ist der ehemalige Präsident Richard Nixon (Frank Langella) gleich von Beginn an im Vorteil und raubt Frost und seinem Team mit reichlich langen Antworten wertvolle Zeit. Das Team besteht übrigens aus tollen Schauspielern wie Matthew Macfayden (Mr. Darcy aus „Stolz und Vorurteil“ – aber plötzlich blond!) oder Oliver Platt (der noch viel mehr Nebenrollen in allen Filmen spielen soll). Sie sorgen mit ihren spitzfindigen Sprüchen für Abwechslung, während die wunderbare Rebecca Hall als Frosts Freundin den Glamour in den Film bringt.

Der Zuschauer indes fiebert mit und schämt sich fremd, für Frost, der wochenlang große Töne gespuckt hatte und nun nichts bieten kann außer eines ziemlich penetranten Grinsens. (Dieses Grinsen kennen wir übrigens schon aus „Die Queen“, wo Michael Sheen Prime Minister Tony Blair verkörperte.)

Das ist umso schlimmer, weil der Zuschauer selbst zwischen den Stühlen sitzt. Denn während politisch gesehen eigentlich klar sein sollte, auf wessen Seite man steht, werden aus charakterlicher Sicht die Karten neu gemischt. Frank Langella stellt Nixon nämlich keineswegs als eiskalten Politiker dar. Ihm geht es genau wie dem Journalisten um die eigene Rehabilitation. Von Anfang an ist aber klar, dass die nur einer von beiden bekommen kann.

Dabei überrascht, wie gut es Regisseur Ron Howard gelingt, diese Geschichte, die eigentlich nur aus Dialog besteht, spannend wie einen Actionfilm zu gestalten. Die Wortgefechte erinnern an Schach, das auch nur eine Metapher für Krieg ist. Nicht umsonst betont Nixon immer wieder, dass hier „mit harten Bandagen“ gekämpft werde. Am Ende, und das darf man ja ruhig verraten, werden seine schwächer sein. Der Zuschauer verlässt den Kinosaal mit einer derart großen Zufriedenheit, dass sie wahrscheinlich nur noch von David Frost selbst übertroffen werden könnte.

18 Jahre und immer noch nicht volljährig

Mit der Volljährigkeit ist das so eine Sache. Ich habe sie inzwischen seit einem guten halben Jahr, und letzte Woche kam schon wieder ein Glückwunsch-Brief. Nach den ganzen Versicherungen, den Rentenleuten, den Banken meldet sich nun das Deutsche Rote Kreuz. Sie schreiben, dass ich mich über die neuen Rechte freuen soll, die ich jetzt habe. Die Volljährigkeit würde schließlich viele neue Möglichkeiten eröffnen. Ja, das hatte ich auch gedacht.

Die Möglichkeit, auf die ich mich am meisten gefreut hatte, waren die Verlosungen und Gewinnspiele. Für mich als Kind der Internetgeneration sind die nämlich eine Nuss, an der man ordentlich zu knabbern hat. Jeden Tag stößt man im Netz auf verlockende Gewinnchancen: Bücher, Reisen, Haushaltsgeräte – egal was, es klingt immer ganz toll, vor allem, solange man nicht mitmachen darf. (Das ist wie glatte Haare haben und Locken wollen.) Denn alle Gewinnspiele sind „ab 18“. Wenn man bei 9Live anruft und unter 18 ist, wird man aus der Leitung geschmissen. Wenn man bei einem Gewinnspiel gewinnt und unter 18 ist, dann hat man nicht gewonnen.

Aber an meinem 18. Geburtstag konnte ich endlich anfangen und überall teilnehmen. Meine Adressdaten müssen inzwischen zigfach in diesen immergleichen Formularen gelandet sein, ich habe Wikipedia für die richtigen Antworten auf etliche Gewinnspielfragen durchsucht, mich ums Kleingedruckte nicht geschert und trotzdem noch ein relativ niedriges Spamaufkommen.

Kurz nach meinem Geburtstag letztes Jahr habe ich auch tatsächlich gleich etwas gewonnen: Eine VIP-Reise zum Los Angeles Film Festival, in einem Top-Hotel, mit Business Class-Flug und Backstage-Karten. Es war der Gewinn meines Lebens! Gesponsert von American Airlines.

Ahnt ihr den Haken? Genau. Für American Airlines war meine Volljährigkeit, was für ein Eichhörnchen eine Nuss ist – ziemlich schnell geknabbert. Bei den Amerikanern ist 18 keine Volljährigkeit, 18 bedeutet in Amerika nichts. Ausgerechnet bei diesem Gewinnspiel lag die Grenze bei 21. Statt nach Los Angeles fuhr ich nach Semmering. Seitdem fiebere ich auf meinen 21. Geburtstag hin und frage mich, was die blöde 18 eigentlich soll.

Eine Antwort hat das Deutsche Rote Kreuz. In dem Brief werde ich herzlich eingeladen, demnächst zum Blutspenden vorbei zu kommen. Die 18 bedeute „wachsende Verantwortung“. Na toll. Sehr verantwortungsbewusst ziehe ich jetzt also das Blutspenden in Betracht und drücke mich vor jeglichen Preisausschreiben. Ich überlasse die Preise denen, die alt genug dafür sind. Stattdessen überlege ich: Gibt es noch mehr Dinge, die ich mit meiner Volljährigkeit unebdingt schnell tun könnte, sollte, müsste?