“When the President does it, that means it’s not illegal.”
Das Tolle an „Frost/Nixon“ ist, dass man nicht mal viel über Watergate wissen muss, um diesen Film wirklich packend und gut zu finden. Denn tatsächlich geht es nicht vordergründig um die politische Affäre, die den Präsidenten 1974 zum Rücktritt zwang. Darüber sind wahrscheinlich auch genug Filme gedreht worden. Stattdessen geht es darum, mit ihr aufzuräumen.
Initiator ist der Fernsehmann David Frost (Michael Sheen), den man eigentlich eher als Entertainer bezeichnen würde statt als Journalisten. Kein Wunder also, dass kein amerikanischer Sender seine Angebote für die Rechte an den Interviews ernst nimmt. Frost muss die zwei Millionen Dollar teure Produktion aus eigener Tasche bezahlen und vergisst über das ganze Investorenumwerben fast völlig, sich auf die vier Interviewtage vorzubereiten.
So ist der ehemalige Präsident Richard Nixon (Frank Langella) gleich von Beginn an im Vorteil und raubt Frost und seinem Team mit reichlich langen Antworten wertvolle Zeit. Das Team besteht übrigens aus tollen Schauspielern wie Matthew Macfayden (Mr. Darcy aus „Stolz und Vorurteil“ – aber plötzlich blond!) oder Oliver Platt (der noch viel mehr Nebenrollen in allen Filmen spielen soll). Sie sorgen mit ihren spitzfindigen Sprüchen für Abwechslung, während die wunderbare Rebecca Hall als Frosts Freundin den Glamour in den Film bringt.
Der Zuschauer indes fiebert mit und schämt sich fremd, für Frost, der wochenlang große Töne gespuckt hatte und nun nichts bieten kann außer eines ziemlich penetranten Grinsens. (Dieses Grinsen kennen wir übrigens schon aus „Die Queen“, wo Michael Sheen Prime Minister Tony Blair verkörperte.)
Das ist umso schlimmer, weil der Zuschauer selbst zwischen den Stühlen sitzt. Denn während politisch gesehen eigentlich klar sein sollte, auf wessen Seite man steht, werden aus charakterlicher Sicht die Karten neu gemischt. Frank Langella stellt Nixon nämlich keineswegs als eiskalten Politiker dar. Ihm geht es genau wie dem Journalisten um die eigene Rehabilitation. Von Anfang an ist aber klar, dass die nur einer von beiden bekommen kann.
Dabei überrascht, wie gut es Regisseur Ron Howard gelingt, diese Geschichte, die eigentlich nur aus Dialog besteht, spannend wie einen Actionfilm zu gestalten. Die Wortgefechte erinnern an Schach, das auch nur eine Metapher für Krieg ist. Nicht umsonst betont Nixon immer wieder, dass hier „mit harten Bandagen“ gekämpft werde. Am Ende, und das darf man ja ruhig verraten, werden seine schwächer sein. Der Zuschauer verlässt den Kinosaal mit einer derart großen Zufriedenheit, dass sie wahrscheinlich nur noch von David Frost selbst übertroffen werden könnte.



Wieder eine spannend und intelligent geschriebene Filmkritik!
Ich muss leiderweise dagegen halten, aus meiner Sicht eher ein schwacher Text. Wohl könnte ich behaupten, dass wäre jetzt kein Angriff; ist es ja am Ende doch! Nur kein persönlicher! Vielleicht hilft es ja sogar weiter :-)
Du müsstest m.E. genauer werden um der Platitüde zu entgehen, weg vom PR-Text hin zur Kritik.
WIE gelingt es Howard Nixon darzustellen und vielleicht noch wichtiger, wie gelingt das Langella?
Was ist dran am Charakter Frost? Bei dem tumben Strahlemann kannst du es hier nicht belassen, da steckt mehr drinn.
Optik, Austattung? Wo liegen die Schwächen des Filmes (gehört immer dazu), macht Howard es manchmal vielleicht nicht doch zu deutlich?
Und so weiter, und so weiter.
Dann noch zur Stilistik:
Den Leser mit Sätzen “…das kennen WIR ja schon aus…” anzusprechen klingt zwar etwas neunmalklug, ist aber noch Geschmackssache.
In der letzten Passagen wird es dann doch zu arg:
“Schwächere Bandagen”? Eine Zufriedenheit die “nur noch von David Frost selbst übertroffen werden könnte?” Da knirscht es doch heftig im Ausdrucks-Gebälk.
“An eine Zeile Prosa wie an einer Bildsäule arbeiten”, empfiehlt Nietzsche. Aber man sieht ja was aus ihm geworden ist ;-) Trotzdem: Gerade der letzte Satz muss stehen, wie in Stein gemeißelt.
Das alles soll natürlich heißen: Weitermachen :-)
Vielleicht auch mal ein bisschen bei Anderen stöbern:
Batzmann
http://www.fuenf-filmfreunde.de/2009/02/04/frostnixon/
Tucholsky
http://www.amazon.de/Sprache-ist-eine-Waffe-Sprachglossen/dp/3499124904/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1236726551&sr=8-1
Reich-Ranicki (wirklich! der Titel ist durchaus ironisch)
http://www.amazon.de/Lauter-Verrisse-einem-einleitenden-Essay/dp/3423115785/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1236726622&sr=1-2
Danke für die Tipps, ist schön zu sehen, dass du dich so damit auseinandergesetzt hast. Ich glaube, meine Kinokritiken leiden mitunter unter meinem Vorsatz, über jeden Film auch etwas schreiben zu wollen. Außerdem verstehe ich sie an dieser Stelle, also im Blog, gar nicht mal unbedingt als journalistische Produkte. Ich mag die Vorstellung, einfach alles aufzuschreiben, was mir an einem Film aufgefallen ist oder (nicht) gefallen hat. Aber ich werds im Hinterkopf behalten! Und Tucholsky zu lesen kann ja nie schaden.