Archiv für März, 2009

Mottowoche, Tag 1: Berufe

Heute ging unsere verkürzte Mottowoche mit dem Thema “Berufe – was wir (garantiert nicht) werden wollen” los – samt Überraschungsauftritt der stufeneigenen Boyband in der großen Pause.

Fotos von den tollen Kostümen kommen demnächst. Am schönsten war aber das wunderbare Wetter. In den Freistunden mit allen draußen in der Sonne zu liegen werde ich demnächst wohl am meisten vermissen.

Noch 2 Wochen

LindaJulezChristinaSimonRamona

Am Mittwoch kam Roman zu uns in die Schule und hat den ganzen Tag lang lauter Mini-Fotoshootings mit meinen Mitschülern gemacht. Herausgekommen sind ein großer Berg wunderschöner Portraitfotos. Hier sind fünf (beinahe) zufällig ausgewählte.

Effi Briest

Effi Briest

„Ist das jetzt Liebe?“ – „Das ist Freiheit.“ – „Nochmal!“

Was haben wir gestöhnt in den letzten zwei Jahren, über die vielen schrecklichen Verfilmungen, die es zu den Zentralabilektüren gibt. In „Don Carlos“ bewegen sich weder Kamera noch Schauspieler, „Der junge Törless“ ist auch nur schwarz-weiß und Fassbinders „Effi Briest“ hat einfach zu viele Spiegel. Da kommt die Neuverfilmung von Hermine Huntgeburth gerade recht! Schließlich haben wir doch in wenigen Wochen Prüfungen und wollten sowieso gerade mit der Wiederholung anfangen.

In Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ geht es um ein junges Mädchen, das im späten 19. Jahrhundert den deutlich älteren Landrat Geert von Instetten heiratet. Mit ihm zieht es in einen kleines Kaff an der Ostsee. Dort kann Effi sich aber nie so recht einleben: Das Haus ist gruselig, die Leute sind komisch und sowieso ist nie was los. Für ihren Ehemann empfindet sie keine Liebe, wohl aber für den schneidigen Major Crampas, mit dem sie eine Affäre beginnt. Sechs Jahre später – die Affäre ist längst vorbei, Effi und Geert wohnen nun mit ihrer kleinen Tochter in Berlin – fliegt alles auf und löst eine Kette von dramatischen Ereignissen aus.

Während Fontane im Buch ganz nach dem Motto „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ vorgeht und es dem Leser überlässt, sich die wirklich signifikanten Stellen auszumalen, schreckt der neue Film vor nichts zurück: Es gibt Sexszenen, ein neues Ende und die meisten Charaktere sind mit sehr viel spitzerer Feder gezeichnet.

So trinkt Effis Vater gern mal einen über den Durst, während ihre Mutter den strengen Gegenpart darstellt. Auch lässt der Film keinen Zweifel an deren merkwürdiger Beziehung zu Instetten. Hat sie tatsächlich den eigenen Liebhaber an die Tochter weitergereicht? Der macht indessen mit dem Hausmädchen herum. Und der liebenswerte Apotheker Gieshübler bekommt überraschend homosexuelle Züge. Doch das ist alles nicht so schlimm, sondern eigentlich typisch für Literaturverfilmungen. Da wird nunmal weniger Platz für eigene Interpretationen gelassen.

Blöd ist aber, dass Fontanes Intention dadurch völlig verdreht wird. Nachdem Effi (Julia Jentsch, die toll spielt, aber anfangs einfach zu alt aussieht) zu Beginn ziemlich brutal von ihrem frisch angetrauten Ehemann entjungfert wird, ist der Zuschauer sogleich auf ihrer Seite. Geert (mit Sebastian Koch genau richtig besetzt) wirkt fortan ausschließlich distanziert und kalt, ganz im Gegenteil zum überschwänglichen Crampas (Misel Maticevic).

Im Roman hingegen pendelt man als Leser ständig zwischen beiden Sichtweisen, und das offene Ende trägt noch dazu bei, dass man nicht wirklich entscheiden kann, wer nun gut und wer böse ist. Dieses Kunststück gelingt der neuen Verfilmung nicht. Das völlig andere Ende ist ein klares Statement, für Effi, für die Emanzipation.

Trotzdem sollten auch Deutschgrundkursler nicht vorm Gang ins Kino zurückschrecken. Dann würden sie nämlich mit Roswithas Selbstmordversuch die – ausgerechnet – lustigste Szene verpassen, und diese wirklich guten Schauspieler, und die wunderschönen Ostseedünen. Das Buch mag besser sein, doch der Film ist ganz bestimmt bunter.

Rebellion nach der sechsten Stunde

Eine Schülerzeitung kann ein echtes Demokratieerlebnis sein. Wenn es noch Schüler gibt, die das wissen

Alles fing mit einem ganz normalen Artikel an, den Niklas Wuchenauer für seine Schülerzeitung „Dürer!“ schrieb. Darin beschwerte er sich darüber, wie chaotisch die letzte Schülersprecherwahl gelaufen war. Doch der Artikel sollte nie gedruckt werden – zumindest nicht in Niklas’ Fassung. Zwei Ausgaben ihrer Zeitung hatten der 17-jährige und die „Dürer!“-Redaktion bereits erfolgreich herausgebracht. Bevor sie die traditionelle Schülerzeitung der Albrecht-Dürer-Oberschule in Berlin-Neukölln übernehmen durften, mussten sie allerdings einen Kompromiss mit Direktorin Urte Schoenwälder eingehen. Sie wollte die Texte vor der Veröffentlichung sehen. Doch dann präsentierte er seinen kritischen Bericht über die Schülersprecherwahlen beim obligatorischen Treffen mit der Schulleiterin. „Aus unserer Sicht war der sehr neutral geschrieben“, erinnert er sich. „Aber Frau Schoenwälder hat ihn so nicht akzeptiert.“

Rektorin Urte Schoenwälder denkt heute „mit Zähneknirschen“ an diese Tage zurück. „Dieser Streit, wo ganze Schülerscharen durch die Flure marschierten und Unterschriften sammelten, war das Härteste, was ich je erlebt habe“, sagt sie. Ihr einziges Bestreben sei gewesen, den Schulfrieden zu wahren: „Wir sind eine typische Brennpunktschule in Neukölln. Hier finden sich zig Nationalitäten und alle nur denkbaren politischen Einstellungen.“

Auch Niklas Wuchenauer ist nicht unpolitisch. So engagiert er sich zum Beispiel für die Schülerinitiative „Bildungsblockaden einreißen“, die im vergangenen November einen Aufsehen erregenden Schulstreik in Berlin organisierte. Das bereitete der Schulleiterin Sorgen. „Aus meiner Sicht hätte Niklas den „Dürer!“ gern instrumentalisiert“, sagt sie. „Wenn man da Frieden halten will, muss man sehr gut aufpassen.“

Was Urte Schoenwälder Aufpassen nennt, ist für Niklas und seine Freunde ganz klar Zensur. Doch wehren, sagen sie, konnten sie sich nicht. „Unsere Möglichkeiten waren an dem Punkt ausgeschöpft, an dem wir die Schulleitung mit den rechtlichen Vorgaben konfrontierten“, sagt Niklas. Die Schülerzeitungsmacher hatten alles versucht – und mussten am Ende doch nachgeben.

Die Wut in ihrem Bauch blieb. Und das Unverständnis darüber, dass ihre Zeitung, wie Niklas sagt, „nicht als wichtiger Teil des Schullebens, sondern als Privatveranstaltung einiger weniger“ angesehen wurde. Als das Schuljahr zu Ende ging, machten vier der sechs rebellischen Redakteure deshalb einen Schnitt und wechselten die Schule.

Solche Resignation ist eine typische Folge, weiß Klaus Farin. Er ist Leiter des Archivs der Jugendkulturen und erforscht seit vielen Jahren Jugendbewegungen und ihre Publikationen. Die Schülerzeitung sei ein wichtiges Experimentierfeld, sagt er. „Es ist oft der erste Versuch, mit Medien umzugehen und Demokratie zu erleben. Umso schlimmer ist es, wenn man dafür abgestraft wird, anstatt Anerkennung zu bekommen.“ Viele Jugendliche würden ihr Engagement dann einstellen, weil sie lernen: Engagement schadet mir.
Weiterlesen →

Noch 3 Wochen