Ich hatte ja nie eine Fibel. Ab und zu kommen die Gespräche in der Schule auf Fibeln und die komischen Kobolde oder Wurzelwesen, die darin wohl herumhuschen. Dann kann ich leider nicht mitreden.
Schreiben habe ich mit der Anlauttabelle gelernt, einer Methode, die vor über zehn Jahren noch ziemlich neu war. Meine Lehrerin war die erste, die das an der Grundschule ausprobierte – mit uns. Dazu musste sie sich gegen eine entsetzte Elternhorde durchsetzen, die nicht verstehen konnte, dass man Lesen und Schreiben bloß mithilfe einer laminierten Din-A4-Seite lernen kann.
In einer meiner ersten Grundschulstunden durfte ich diese Seite ausmalen. Ganz viele Bilder waren drauf, zu jedem Buchstaben mindestens eins: U wie Unterhose. I wie Indianer. Pf wie Pfanne. Der Trick ist, die Buchstaben so auszusprechen, wie wir sie auch verwenden. Statt “Be” sagt man “b” und statt “Ha” “h” – sowas macht Eltern verrückt. Aber uns zu korrigieren war streng verboten.
Wir durften so schreiben, wie wir die Wörter hörten – Rechtschreibfehler gab es nicht. Während die Parallelklasse noch Tim, Ole, Oma lernte, schrieben wir bereits Geschichten. Vielleicht war schon damit der Grundbaustein für meine Schreibleidenschaft gelegt.
Heute habe ich ein paar alte Hefte wiedergefunden. Es macht riesigen Spaß, die kurzen, oft eigenwillig bebilderten Einträge mal wieder zu lesen. Sogar etwas Weihnachtliches habe ich gefunden:

Weitere Fundstücke gibts in den nächsten Tagen. Eine Anlauttabelle kann man sich hier angucken, und mehr über die Methode, nach der meine Lehrerin gearbeitet hat, findet sich hier.
Vor kurzem kam dann mein Deutschlehrer in die Klasse und erklärte, er wolle jetzt an seiner Aussprache arbeiten. Seine Tochter lernt nämlich auch Schreiben mit der Anlauttabelle und schreibt die Wörter so, wie sie sie hört. Sie hat ihm geschrieben, sie wünsche sich einen “Hont”.


Ich hab Lesen und Schreiben auch mit der Anlauttabelle gelernt!!! Toll, dass du daran zurückerinnert hast….irgendwo hab ich meine auch noch, auf dem Dachboden, wo du es so sagst, ich glaub’ ich kram die auch nochmal hervor!!
Oh, so etwas habe ich noch nie gesehen. Schien ja aber gut geklappt zu haben. Ich habe damals noch mit Fu und Fara schreiben gelernt.
Ich finde es so unglaublich süß, wie du früher Advent geschrieben hast! Mehr davon! :)
“Atwänt” mag süß sein, wenn ein Kind es schreibt – jedenfalls dann, wenn es intelligent genug ist und genügend liest (!), um später zu lernen, wie man richtig schreibt. Wenn Erwachsene “Atwänt” schreiben, ist das allerdings nicht süß, sondern tragisch – und ja, es gibt genügend Menschen, die so ins Leben entlassen werden. (Leider garantiert auch ein Abitur nicht mehr, daß der Absolvent Lesen, Schreiben und Rechnen kann.) Ob sich die Anlauttabelle insofern generell bewährt, sei einmal dahingestellt.
Also, dass man, um das abitur zu bekommen, nicht mehr die Rechtschreibung beherrschen muss, hätte ich jetzt nicht gehört. Ganz ohne Rechnen wirds wohl auch nicht gehen, Lesen wäre wohl auch nicht schlecht. So schlimm ist’s heutzutage ja nun auch wieder nicht……………
Ich glaube nicht, dass es an der Anlauttabelle liegt, ob man nach der Schule Lesen und Schreiben kann oder nicht. Das passiert Fibel-Kindern sicher genauso, die Gründe dafür liegen dann zum Beispiel darin, dass sie außerhalb der Schule kein Buch in die Hand nehmen, wie du ja auch sagst. Das ist ein unheimlich wichtiger Punkt. Lesen konnten wir übrigens schneller als die Parallelklassen.
Ich könnte als Erziehungswissenschaft/Deutsch-LKler viel über Lernpsychologie/Pädagogik erzählen … Ich denke, es ist fast egal auf welche Weise ein Kind die Sprache/Zahlen etc. lernt, es muss nur Spaß daran finden. Von daher: für die freie Erziehung! Montessori und so. Haha.
@ -thh
Ich weiß ja nicht, vor wie vielen Jahren oder ob du ein Abitur erworben hast, aber ich kann dir versichern, dass man sehr wohl Rechtschreibung und Ausdruck beherrschen muss, um durchzukommen. Es lebe der Fehlerquotient.
Mit dem Rechnen ist es so eine Sache. Abiturienten sollten so Allerlei von Integralen bis Differentialrechnung können, aber ob man Prozentrechnung und das kleine 1*7 noch flüssig beherrscht, überprüft keiner mehr. Ist aber auch nicht nötig, meiner Meinung nach.
Ich hatte eine Fibel, aber die Buchstaben haben wir am Anfang genauso ausgesprochen, wie du das oben schilderst.
Ich mag meine Fibel aber immer noch – und darin gab es weder komische Kobolde noch Wurzelwesen, sondern nur Fine und Toni. Ich hab’ sie kürzlich auf einem Flohmarkt entdeckt und mitgenommen, denn wir durften sie damals ja nur ausleihen.
Anlauttabelle…meine Kinder gehen bzw. gingen in Montessorieinrichtungen. Dort lernen sie mit der Anlauttabelle schreiben und lesen. Ich habe ähnliche Geschichten wie oben, zum Beispiel “Grisdbaumkugl”. Meine älteste tochter geht mittlerweile in die 7. Klasse Gymnasium und ist eine Deutsch Einserschülerin, kann also nicht so verkehrt gewesen sein!
federfisch
der federfisch es gabs in nur ein mal
deswegen hänselten die anderen den federfisch.
Ein tag sagte warum seit ihr sogemein zu mir ich hab euch
doch nichts getan .Nur weil ich anders bin ihr seit gemein sagte er. Seit dem hat in niemand geärgert.