Archiv für Dezember, 2008

Kalle und ich

Ha! Das hab ich noch gar nicht erzählt: Seit ein paar Wochen fahre ich Auto. Mit Kalle.

Mein erstes Treffen mit ihm war sehr verwirrend, weil er, kaum dass ich hinter dem Lenkrad saß, sagte: „So, du hast das ja schon mal gemacht, dann fahr mal los!“ War das bei euch auch so, dass der Fahrlehrer euch bereits gegoogelt hatte, dabei natürlich auf euer Weblog (und diesen Eintrag) gestoßen war und so schon vor der ersten Fahrstunde alles über euch wusste? Ich fand das etwas komisch.

Komisch fand ich auch: Bremsen, Schalten, Anlassen. Egal in welcher Reihenfolge. Das hat sich inzwischen längst gelegt. Jetzt kann ich überholen, am Berg anfahren und sogar schon ein bisschen rückwärts einparken. Allerdings finde ich es noch immer nicht sonderlich toll.

Kalle versteht das, glaube ich, nicht so wirklich. Manchmal sagt er zum Beispiel: „So, pass auf, heute fahren wir mal auf die Autobahn!“, und schaut mich dann ganz erwartungsvoll an, als müsste ich die Autobahn besonders spannend finden. Tue ich aber nicht. Die Autobahn ist – meiner Meinung nach – eher entspannend. Schließlich stehen da kaum noch Schilder, und nirgendwo ist rechts vor links. Nur Holländer gibts da. Holländer sind nicht so der Brüller.

Jedenfalls sagt Kalle, im Januar bin ich fertig. Das wär doch mal was: fertig mit dem Führerschein, ich! Nach ganzen, äh… 17 Monaten! Da werde ich ja beinahe ein bisschen aufgeregt.

Sieg!

Eva liest Zeitung

Teil Drei der alten Blogger-Nachmache: Ich wollte immer schon mal können, was Marcel Wichmann kann. Das Dumme ist nur, dass ich den Artikel zu diesem Foto nicht mehr finde. Damit haben meine Eltern einen Fotowettbewerb vom Stadtanzeiger gewonnen, und als ich 18 wurde, haben sie es mir nochmal geschenkt – frei nach dem Motto: Das hat bei dir schon ganz früh angefangen mit dem Journalismus.

Mental befinde ich mich gerade in dieser typischen Ferienlangeweile: Es gäbe so viel zu tun (E-Mails schreiben, aufräumen, Londonfilm schneiden, Matheaufgaben machen, Fotos entwickeln lassen), aber nichts davon ist gut oder spannend genug, um Ferienzeit daran zu verschwenden.

Stattdessen lümmele ich ein bisschen rum und denke über Ugg Boots nach. Ihr wisst schon, diese ziemlich unansehnlichen, aber sehr gemütlichen Fellstiefel aus Australien. Ich würde damit nie auf die Straße gehen, aber Isi erzählte gestern, dass sie sich ein Paar zugelegt hat, um es bloß Zuhause zu tragen. Das ist doch mal ein Ansatz, oder?

Wie hast du erfahren, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt?

Meine Lieblingsschülerzeitungsredaktion hat sich auf meinem Lieblingsschulhof umgehört und sehr süße, teils wehmütige Geschichten eingefangen.

Wie lief es denn bei euch? Frohes Fest!

Weihnachtliches Gezwitscher

Zusammen mit Oskar und Roman und noch ein paar anderen twittere ich über Weihnachten. Beim zuender!

Tintenherz

Tintenherz

“Ich bevorzuge Geschichten, die so vernünftig sind, auf den Seiten zu bleiben, wo sie hingehören.”

Auf Tintenherz habe ich mich sozusagen ängstlich gefreut. Gefreut deshalb, weil Cornelia Funke die Autorin meiner Kindheit ist. Ich habe bestimmt 15 Bücher von ihr im Regal und jedes wirklich verschlungen. Ängstlich, weil die Verfilmung ihres bisher größten und aufwendigsten Werkes im Vorfeld vielfach kritisiert wurde: Die Darsteller seien entweder zu alt oder zu jung, zu viele Dinge seien ausgelassen worden, das Ende fatal verändert.

Ich glaube, die meisten dieser Kritiker gehören zu der Sorte, die Literaturverfilmungen grundsätzlich nicht so gut haben kann. Vor allem, wenn es sich, wie bei „Tintenherz“, um eine Ode an die Bücher handelt: Da kann der Hauptdarsteller das, wovon jeder Leser eines gutes Buches träumt – die Geschichten Wirklichkeit werden lassen. Als er jedoch einen Schuft aus einer Fantasiewelt herausliest, nimmt das Ganze eine dunkle Wendung. Ein Stoff, der wie gemacht ist für die Leinwand!

Zumal Cornelia Funke uns doch in den letzten Jahren mehrmals gezeigt hat, wie gut ihre Werke im Kino funktionieren: Die Verfilmungen von den „Wilden Hühnern“, vom „Herrn der Diebe“ und insbesondere „Mississippi“ waren allesamt sehr gelungen und für Kinder sicher ebenso ansprechend wie die Bücher.

Bei „Tintenherz“ ist es nun nicht viel anders, mit dem Unterschied vielleicht, dass hier erstmals wahre Hollywood-Größen zum Einsatz kommen: Brendan Fraser gibt einen herrlichen Mo – kein Wunder, ist er doch gut mit der Autorin befreundet, die ihn schon beim Schreiben der Figur vor Augen hatte. Und dann Helen Mirren, bei der ich mich gefragt habe, warum ich eigentlich beim Lesen nicht selbst auf sie gekommen bin. Sie passt so perfekt in diese Rolle, ihre schnippische Art, ihr Gang, sogar die spitze Nase entsprechen genau der Elinor, die ich mir immer vorgestellt habe.

Und dann natürlich Paul Bettany, der den innerlich zerrissenen Charakter von Staubfinger wirklich gut darstellt. Den Mann mag ich ja sowieso, obwohl er der erste und bislang einzige Schauspieler ist, durch den ich im Kino vor Schreck einen Wadenkrampf bekam (als er als Mönch in „Sakrileg“ kurz nach der Pause so von der Seite reinspringt (das hat er dann in „Wimbledon“ wieder gutgemacht)).

Die Kritik, dass gerade die Kinder, Meggie und Farid, älter sind als im Buch, mag zutreffen – ist aber nicht von Belang, denn der Film funktioniert auch mit einer 14- oder 15jährigen Meggie (Eliza Hope Bennett) sehr gut. Bei Farid (Rafi Gavron) dagegen war ich ein bisschen enttäuscht, der schien nun wirklich viel zu alt.

Ansonsten kommen aber tatsächlich alle guten Personen in „Tintenherz“ genauso rüber, wie ich sie im Kopf hatte – ganz im Gegensatz zu den bösen. Vielleicht liegt das daran, dass Beschreibungen von Bösewichten (insbesondere, wenn sie einer Fabelwelt entspringen) der Fantasie einen viel größeren Spielraum lassen. Mir persönlich waren die Schurken im Film alle noch nicht fies und ruppig genug. Gruselig war es aber trotzdem!

Das liegt sicher auch an den wunderbaren Kulissen. Auf der einen Seite sind da die gemütlichen Büchermärkte in italienischen Dörfern, über die Meggie mit ihrem Vater streift, und das einladende große Haus von Elinor, das nicht weniger Bücher aufweist und direkt am Meer gelegen ist. Auf der anderen Seite die finstere, verlotterte Festung von Chef-Bösewicht Capricorn, der dort mit einer missratenen Armee sein Unwesen treibt. Ich glaube, Cornelia Funke hatte ihren Spaß an diesen so liebevoll gestalteten, detaillierten Sets. Vielleicht war es sogar ein bisschen so, als ob man sie in ihre eigene Welt versetzt hätte. Denn genau darum geht es ja in „Tintenherz“: Dass Bücher wirklich werden und man an den Geschichten teilnehmen kann.

So ist der Film auf jeden Fall etwas für alle Leseratten, aber auch für Fantasten und Abenteurer, die an einem langweiligen Winterabend mal wieder etwas erleben wollen. Ich jedenfalls hoffe, dass die Trilogie auch im Kino vervollständigt wird und es nicht bloß bei diesem ersten Teil bleibt. Und vielleicht kann man ja beim nächsten Mal auch das Ende von der Vorlage übernehmen.