Nach vier rundum tollen Jugendmedientagen in Mainz weiß ich endlich auch, warum die Jugendpresse diese Veranstaltung stets als den Höhepunkt ihres Jahres beschreibt. Unbedingt hin, alle Mann!
Und hier gehts zur Zukunft des deutschen Fernsehens:
„In 20, 30 Jahren bereitet ihr die Nachrichten für mich auf. Ich will wissen, wie ihr das vorhabt. Wie sieht für euch die Zukunft des Fernsehens, der Medien aus?“ So begrüßte uns Chefredakteur Nikolaus Brender letzten Donnerstag zu den Jugendmedientagen im ZDF-Sendezentrum in Mainz. Es war der Beginn einer spannenden Diskussion zum Thema „Qualität statt Quote“, die er zusammen mit Vertretern der privaten Fernsehsender und dem (öffentlich-rechtlichen) Medienjournalisten Kuno Haberbusch führte.
Die Diskussion verlor zu keiner Zeit an Schnelligkeit, sie wurde immer aufgeregter, konkreter. Warum geht DSDS in die x-te Staffel? Warum bürgt das ZDF für Qualität und sendet trotzdem noch Volksmusiksendungen? Wer kopiert welches Format von wem? Und, die große Frage, die sich durch die gesamte Veranstaltung ziehen sollte: Welche Rolle spielt bei alldem das Internet?
Nikolaus Brender absolvierte diesen ersten Teil der Debatte sehr souverän. Er hatte gute Argumente und gab sich jugendlich, griff immer wieder zu den Gummibärchen, die man in „Wetten, dass..?“-Manier bereitgestellt hatte. Gerade die Zuhörer in den hinteren Reihen, die das Spektakel über eine Leinwand verfolgten, hatten Spaß am mampfenden Chefredakteur.
Aber dann entrüstete „ZAPP“-Redaktionsleiter Kuno Haberbusch sich über uns Jugendliche. „Die Sendungen, die ihr sehen wollt, gibt es doch längst! Ihr schaut sie nur nicht an!“, behauptete er. Diese „Publikumsbeschimpfung“ eröffnete die Runde für Wortmeldungen der Teilnehmer.
Da ging es erst richtig los. Die Öffentlich-Rechtlichen sind auf keinen Fall jung genug, wenn es nach den jungen Journalisten geht, die in Mainz ihre bohrenden Fragen stellten. Warum kommt das Programm, das für uns interessant sein könnte, erst dann, wenn wir schon im Bett liegen? Warum werden wir nicht umworben, mit Flyern oder Anzeigen in Jugendmagazinen? Wo sind die blutjungen Moderatoren, die noch vor 15 Jahren vor allem das Programm von Landesanstalten wie WDR und NDR prägten?
Auf die Fragen der Moderatoren war Brender noch vorbereitet, auf diese jedoch nicht mehr. Er zog sich merklich zurück, überließ den anderen das Wort und lutschte stattdessen an seinen Gummibärchen. Doch auch ohne viele Worte wurde der mangelnde Mut der Öffentlich-Rechtlichen bald deutlich.
Da lobte jemand Haberbuschs Sendung „extra 3“ und wurde gleich zurechtgewiesen, das Durchschnittsalter der „extra 3“-Zuschauer liege bei 59 Jahren. (Das überrascht besonders angesichts des Moderators, der Tobi Schlegl heißt und – wie Oliver Pocher – erst kürzlich die Fronten wechselte.) Haberbusch musste jedoch schnell zugeben: Das Alter der Zuschauer im Internet könne man momentan noch nicht erfassen.
Es folgte ein Einwurf, der mich nachdenklich gemacht hat. „Sie nehmen uns doch gar nicht ernst“, warf eine Teilnehmerin vor. „Welchen unserer Vorschläge werden Sie umsetzen?“
Ich fragte mich: Was für ein Programm wünsche ich mir überhaupt? Wie müsste die Sendung aussehen, die mich als junge Erwachsene völlig in ihren Bann zieht? Worauf warten wir: fesselnde Talkshows zu Themen wie Studiengebühren oder Social Networking? Fehlen die lockeren Dokumentationen? Oder brauchen wir tatsächlich ein ganz neues Format, eine Art NEON fürs Fernsehen?
Die Frage jedenfalls war für Nikolaus Brender leicht zu beantworten: „Noch haben Sie mir ja keine Vorschläge gemacht“, grinste er. „Aber ich bin sehr gespannt.“
Zum Schluss sollte er, ganz „Wetten, dass…?“-mäßig, einen Wetteinsatz einlösen und gemeinsam mit der Moderatorin Karaoke singen. Das ist schließlich wieder hochmodern – sicher war unter den 500 JMT-Teilnehmern keiner, der nicht schon einmal Singstar gespielt hat. Doch Brender sträubte sich. Während die junge Frau neben ihm versuchte, die Töne von „Let Me Entertain You“ zu treffen, riss er die Augen auf und klappte stumm seinen Mund auf und zu. Das machte ihm Spaß, so großen, dass er auch noch anfing, seinen Blumenstrauß wild umher zu schwingen und schließlich gegen die Decke zu werfen. Da war er nicht mehr lustig, sondern bloß noch albern.
Der Mann, der sich da als der große Jugendversteher gab, hat letztendlich wohl doch nichts verstanden. Er hätte einfach singen sollen, stattdessen führte er sich auf, als wären wir das eingerostete Volksmusikpublikum – Durchschnittsalter: 61.



toll….so viele leute beim den medientagen und gerade du wirst ausgewählt…welche eine ehre ^^..hast du auch einen link mit besserem ton?
du hast klaus kleber getroffen!!!! ahhh ich mag den
claus nicht klaus
Haha, ja, da saß ich auch mal drin! :)
Nächstes Jahr: Hannover. Ein Muss.
ich sehe da ein pony! einen pony!
ich gehe jetzt wieder zu wendy.de und hüte dort meine pferdchen ;-)
Ahh, da muss ich das wohl doch noch auflösen: Ich habe ihn nicht wirklich getroffen – noch nicht. Aber auf den Jugendmedientagen gab es diese herrliche Blue Box, die, wie man sieht, richtig gut funktioniert. Während der vier Tage musste Kleber sich einiges gefallen lassen: Er wurde geküsst, gewürgt. gefüttert und zugequatscht – zum Beispiel von mir.
na, hier wird brender aber ordentlich abgewatscht, ich würde sagend das hättest du ihm so auf den jmt sagen sollen, ich fand die alten herren haben sich im großen und ganzen kein stück weit von ihrem medienolymp herunter gewagt, aber zum glück bietet das internet jedem seine nische, leider wird es dann zu spät sein, wenn die fernseher erst einmal verwaist sind wird es schwer sein durch änderungen noch ein paar menschen vor den fernseher zu bekommen. außer das hansi hinterseer publikum vielleicht.
@max: und was wäre wirklich schlimm, wenn das fernsehen kaum eine weitere rolle spielen würde?
gruß
an jensjetzt: Also ich persönlich mag Fernsehen. Das Gefühl von Gemeinsamkeit und Harmonie, wenn man gemeinsam im fernsehen – nicht im Internet – einen Film ansieht, von mir aus auch mit Werbepause für neue Schokolade holen und auf Klo gehen. Das würde ich schon vermissen.
ich muss da lena zustimmen ich fänds auch schlimm so ganz ohne fernsehen, meine lieblingsserie aus dem internet, wann immer ich will wo ich will, nein die darf ruhig zu einer bestimmenten zeit laufen und zu der sitzt man dann gemütlich vorm schirm.
ich bin auch nicht gegen das fernsehen. sonntags schaue ich z.b. immer tatort (wenn möglich). schon seit einigen jahren!
ansonsten stehe ich auch auf serien. allerdings ärgere ich mich immer wieder, wenn ihre sendezeiten verschoben werden bzw. wenn ich mich genau dann vor die glotze setzen muss, weil die serie eben dann gesendet wird. ich bin ein großer freund von frei wählbarer sendezeit. zum glück gibt es bald einen digitalen videorecorder, dann passt das ;-). werbung finde ich ok, immerhin bezahlt werbung auch meinen job.
internet als plattform für das schauen von filmen finde ich schwierig. es ist eine große daten- und umweltsauerei. das streamen von filmdaten verbaucht unglaublich viel strom und frisst daten- und serverkapazität.
ich wünschte mir tv-geräte, die integrierte digitale videorecorder haben und meine sehgewohnheiten checken können. mit einem halbwegs schlauen system bräuchte ich mich kaum noch um mein tv-programm kümmern, sondern würde beim einschalten meines tv-gerätes einfach eine art vorschlagscreen sehen: aktuelle tatortfolgen, men in trees-folgen, zdf-dokus und lindenstraße ;-).
eine tolle erfindung bis zu oben genannten geräten ist lovefilms.de – dort vereinbart man einfach einen deal und bekommt dvds im abo. klappt super.
gruß jens
Ich könnte meine Abiklausur (Deutsch; Überlebt das Fernsehen?) hier posten – hab sie aber gar nicht.
Die Quintessenz war in etwa diese: Das Fernsehen bleibt, weil es a) zu viele alte Menschen gibt, die sich mit dem Web nicht auskennen und b) zu viele Menschen faul sind.
das medium fernsehen bleibt eh, nur die form ändert sich (selbst online ist es ja trotzdem noch fernsehen). ist bei allen medien so. (yes, ich gehe da konform mit luhmann, falls es jemanden interessiert…)
(und bücher gibts auch immernoch, obwohl sie in regelmäßigen abständen totgesagt werden…)
@mais oui – vollste zustimmung, trotz luhmann ;-)
Ich finde überhaupt nicht, dass Fernsehen in Form von Internet noch Fernsehen ist. Ich denke, dass der Reiz des Fernsehens ja genau darin liegt, dass eben nicht das, was du gerade gucken willst, genau dann kommt, wenn du Lust darauf hast.
Ich finde Serien im Internet gucken zum Beispiel wahnsinnig langweilig.
(In der Murnau-Stiftung machen sie einen starken Unterschied zwischen Fernsehen, Kino, DVD und Internet, und zwar nicht bloß wegen der Technik. Das sind vollkommen unterschiedliche Sachen.)
Liebe Grüße.
jensjetzt:
ja, ich mag ihn eigentlich gar nicht, aber was er zu medium und form sagt, finde ich trotzdem gut. richtig. wasweißich.
lena:
das liegt wohl daran, wie man fernsehen definiert…
natürlich mache ich auch einen unterschied zwischen fernsehen, (kino)film und dvd. mit dem internet ist es dann aber wieder so eine sache… es ist ein medium, ganz klar, aber ganz viel von dem, was wir eigentlich davon sehen sind trotzdem “alte” medien, nur eben in einer neuen form. schrift z.B. ja auch. und filme auch. und ebenso auch fernsehen. damit meine ich jetzt nicht die bloße verfügbarkeit von fernsehsendungen, die für die rezeption über das heimgerät tv-apparat konzipiert wurden, sondern vielmehr, dass es im internet spezifische formen des mediums fernsehen gibt, die unter umständen gar nichts mit dem, was wir unter dem fernsehen aus unserem fernseher kennen, zu tun haben.
eva:
entschuldige, solche grundsatzdiskussionen gehören wohl eigentlich nicht mehr wirklich als kommentar unter diesen beitrag.
Doch, solche Grundsatzkommentare dürfen hier gern hier hin! Ich finde es sehr spannend und überlege die ganze Zeit, wie ich denn Fernsehen für mich definiere. Dazu bald vielleicht mehr. Bis dahin: Tut euch keinen Zwang an!
vielleicht für alle mitlesenden, für die niklas luhmann noch kein begriff ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann
im 20. jahrhundert folgte auf die zeitung/zeitschrift das radio. es gab eine diskussion, ob das radio die zeitung gefährden würde. auf das radio folgte das kino. wieder diskussion. auf das kino folgte das fernsehen. wieder diskussion. auf das fernsehen folgte das internet. wieder diskussion.
offenbar ein ganz normaler prozess an dessen ende irgendwie immer das gleiche ergebnis steht: kein neues medium löscht eines der älteren medien aus. im prinzip verändert ein neues medium meist nur die nutzungsdauer der mediennutzerInnen. ist ja auch eine simple rechnung: die gleiche anzahl an nutzerInnen hat ein medium mehr zu auswahl – ergo liegt es nahe, dass sich die nutzungszeit pro altem medium verkürzen könnte.
das internet ist gerade einmal 15 jahre alt und damit noch verdammt jung. ich glaube wir befinden uns noch in einer phase, in der die nutzerInnen dieses medium entdecken und somit deutlich häufiger nutzen, als die angestammten medien. im prinzip: wenn ein kind ein neues spielzeug bekommt, ist das total im fokus des kindes. nach ein paar tagen ist das neue spielzeug nur noch eines von vielen und wird normal mitgenutzt. so wird das sicherlich auch mit dem internet sein.
ein ganz besonderer part des internets ist allerdings die chance auf eine sehr demokratische form der meinungsvielfalt. bei allen alten medien waren entweder die kosten einen tv- oder radiosender oder eine eigene zeitschrift/zeitung zu entwickeln viel zu hoch, oder man braucht gar eine staatlich monopolisierte lizenz, wie für radio und fernsehen, um ein solches medium überhaupt betreiben zu können. die durchschnittsbürgerInnen waren/sind also als macherInnen ausgeschlossen. das internet lässt es zu, dass sich jede/r ihren/seinen platz schaffen kann und dort ihre/seine meinung verbreiten kann. und prinzipiell gibt es keine begrenzung der reichweite, denn es gibt keine regionale beschränkung.
gruß aus berlin – jens
(Claus Kleber ist meine heimliche Liebe, deshalb in Klammer gesetzt)
Wenn der Pädagogikunterricht mich nicht schon mit diesem Thema reizen würde, … wäre es höchst interessant.
Glückwünsch btw.!