„Die größte Überraschung im Leben eines Mannes ist das Alter.“
In einem sehr europäisch wirkenden New York lebt David Kepesh (Ben Kingsley), kahlköpfiger Professor und Teil der städtischen Bildungselite. In Fernsehsendungen spricht er über Literatur, in der Uni wird er von seinen Studentinnen angehimmelt – und nutzt das auch aus. Doch vor einiger Zeit hat man neben seinem Büro ein Schild mit der Notrufnummer für sexuell belästigte Frauen aufgehängt. Seitdem läuft es nicht mehr so gut. Zum Glück hat er noch diese andere regelmäßige Affäre, gespielt von Patricia Clarkson, die weder durch Verpflichtungen noch durch Erwartungen die heiß geliebte Unabhängigkeit des alternden Mannes einschränkt.
Doch dann lernt er die kubanischstämmige Studentin Consuela (Penelope Cruz) kennen und verfällt ihr völlig. Am liebsten würde er sie besitzen, hätte er sie ganz für sich. Aber diese sehr kluge und elegante Frau weiß, was sie will – und auch, was sie nicht will. So liest sie ihm die Leviten, als er sie, von Eifersucht getrieben, verfolgt. Später wendet sich das Blatt: Nun will sie eine ernste Beziehung und gibt ihm schließlich den Laufpass, weil er sich nach über einem Jahr noch immer weigert, ihre Eltern kennenzulernen. Das stürzt Kepesh in eine tiefe Krise.
Besonders interessant ist, dass dieser Film, der auf dem Roman „Das sterbende Tier“ von Philip Roth basiert, von einer Frau realisiert wurde. Regisseurin Isabel Coixet, selbst erst 48, beobachtet den alten Macho aus weiblicher Perspektive – was die Zuschauerinnen neben mir öfters entsetzt schnaufen ließ. Doch dieses Schnaufen wurde mit der Zeit weniger, bis ich nach einer halben Stunde gar nichts mehr hörte. Denn durch die Begegnung mit Consuela zeigen sich neue Charakterzüge Kepeshs, die ihn wenn auch nicht sympathisch, dann doch zumindest menschlicher erscheinen lassen.
So würde man sicher zehnmal lieber mit Dennis Hopper befreundet sein, der den besten Freund der Hauptfigur spielt. Er ist einer von den wenigen Menschen, die den Professor sein Leben lang begleiten. Auch darum geht es in „Elegy“, dessen Handlung sich über mehrere Jahre erstreckt. Der Film beschreibt sehr genau das engere soziale Netz des Professors. Da wäre, neben dem besten Freund und der Daueraffäre, noch sein Sohn (Peter Sarsgaard), mit dem ihn eine Hass-Liebe verbindet. Zum Schluss wird er durch die Gespräche mit ihm zu einer neuen Erkenntnis kommen. Leider ist es dann schon fast zu spät.
In einer Vorlesung am Anfang des Films erklärt Kepesh seinen Studenten, dass ein Buch nicht mehr dasselbe sein wird, wenn man es nach zehn Jahren noch einmal liest. Das trifft bestimmt auch auf diesen Film zu. Da ist so oft die Rede von Ehe, langen Beziehungen (und kurzen), vom Altern und Vergänglichkeit, dass man, wenn man mehr Erfahrungen mit diesen Dingen gemacht hat, sicher noch viel mehr aus dem Stoff herausziehen kann. Vielleicht erkennt man sich dann sogar in der Figur David Kepesh wieder.
Gerade deswegen bin ich so gespannt auf den Tag, an dem ich diesen sehr ruhigen, sehr guten Film noch einmal sehen werde. Ich freue mich jetzt schon auf die erneuten ausführlichen Charakterisierungen, die durchweg guten Schauspieler und die leise Musik – und auf die vielen neuen Dinge, die ich dann an „Elegy“ entdecken werde.




Kommentiert
Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :)
Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/
Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.
Marc vm: Dann schiess mal los :)