Was ist Kunst? ist eine Frage, die ich im Laufe meines Lebens noch für mich beantworten will. So viel habe ich nämlich schon rausgefunden: Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Deshalb möchte ich jetzt auch gar nicht versuchen, großartig um etwas drumrum zu definieren, dass ich, das man überhaupt nicht fassen kann. Ich will bloß erzählen, wie ich dem Ganzen neulich wieder einen Schritt nähergekommen bin.
In Bielefeld ist derzeit die größte Werkschau Yoko Onos zu sehen, die es je in Europa gegeben hat. In Brüssel hatten wir schon ein sehr spannendes Werk von ihr kennengelernt, also war klar, dass wir uns das anschauen mussten.
Wir bekamen eine Führung und das war enorm wichtig. Ein ambitionierter Student führte uns durch die Ausstellung, und weil die so groß war und die Zeit zu klein, umriss er jeweils die Bedeutung der einzelnen Werke, stellte biographische Bezüge her, gab Denkansätze. Ohne ihn, da bin ich sicher, wäre ich sehr viel oberflächlicher mit dieser Ausstellung umgegangen. Hat man aber schon einmal das Grundsätzliche über ein Werk gehört, ist es viel leichter, das weiterzudenken. Ich habe festgestellt, dass ich mich dazu gar nicht mal vor die Installation hinstellen und sie genau betrachten musste. Ich hatte das im Kopf und konnte in mir drin damit spielen.
Das geht womöglich mit Onos Kunst besonders gut und mit anderer gar nicht. Sie ist die Erfinderin der Konzeptkunst, noch dazu eine Verfechterin der Mitmachkunst, was dazu führt, dass diese Ausstellung einen großen interaktiven Teil hat. Da kann man Scherben kleben, nackte Haut anfassen, malen, schreiben, Spuren hinterlassen und Teil eines Kunstwerks werden. (Dass ich dagegen das Werk eines Malers bloß einmal anschaue und dann im Kopf damit weitermache, kann ich mir kaum vorstellen.)
Onos Themen sind zum Beispiel Freiheit, Feminismus, Toleranz und ganz besonders: bewusst zu leben. “Poetisierung des Alltags”, so nannte es unser Führer. Das ist etwas, das mich stark an französische Filme erinnert und an all diese Dinge. Wenn man das kann, ist man bestimmt ein glücklicherer Mensch.
Kein Wunder also, dass Yoko Onos Ausstellung auch ein bisschen glücklicher macht. Und sie rückt mich ein bisschen näher an die Antwort ran. Deshalb empfehle ich hiermit: Yoko Ono – Between the Sky and My Head, in der Kunsthalle Bielefeld, noch bis zum 16. November.







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