Archiv für Oktober, 2008

Burn After Reading

“Ein Alkoholproblem? Du bist Mormone, verdammte Scheiße! Im Vergleich zu dir hat jeder ein Alkoholproblem!”

Zu Burn After Reading kann ich einfach nicht viel schreiben. Ich habe die Geschichte bis heute nicht ganz geblickt. Gibt es überhaupt eine? Normalerweise sollte das die erste Voraussetzung für einen Film sein. Ich glaube, bei diesem war es das nicht.

Es ging wohl viel mehr um fünf großartige Schauspieler: George Clooney. Brad Pitt. Tilda Swinton. Frances McDormand. John Malkovich. Schon ein einzelner dieser Namen zieht die Leute wie ein Magnet in die Lichtspielhäuser – womöglich ist das eines der Dinge, über die sich mit diesem Film lustig gemacht werden soll. Sowieso wird sich über grundsätzlich alles lustig gemacht, ich finde gar keinen Anfang, das aufzuzählen.

Jedenfalls ist dann da eine Fitnesstrainerin mit schwabbeligen Oberarmen, ein Fitnesstrainer mit merkwürdiger Frisur, ein Typ mit Sucht nach Sex, ein anderer Typ, der vom Geheimdienst gefeuert wurde, und durch ein paar dumme, wirklich dumme Zufälle kreuzen sich die Wege dieser Leute. Das führt zu einem großen Gag-Feuerwerk, aus dem ganz besonders Brad Pitt hervorsticht. Er ist einfach grandios doof – was jedoch dazu führt, dass er den Film frühzeitig verlassen muss.

Die anderen vier toben sich – gemeinsam mit tollen Nebendarstellern wie Richard Jenkins und J.K. Simmons (dem Papa von Juno) – weiter auf der großen “Burn After Reading”-Spielwiese aus. Irgendwo habe ich gelesen, dass George Clooney den Coen-Brüdern geschworen hat, dies sei das letzte Mal, dass er für sie einen Schwachkopf gebe. Auch wenn er genug hat, kostet er das noch einmal voll aus.

Zu Beginn des Films hatte die Kamera aus dem Weltall heraus auf einen Flecken Erde gezoomt. Ganz am Ende zoomt sie aus genau diesem Ort wieder heraus. Der Film endet, wo er aufhört, und der Zuschauer sitzt da und sieht den Abspann, im Kopf eine Verwirrung a la “Was lernen wir daraus?”. Doch selbst darüber haben sich die Coen-Brüder ja kurz zuvor schon lustig gemacht. In einer der letzten Szenen hat nämlich der Boss der CIA seinen Angestellten genau das gleiche gefragt.

Nackt am Flughafen

Alle Welt diskutiert plötzlich über die Ganzkörper-Scanner, die womöglich bald auf deutschen Flughäfen getestet werden. Die WELT druckte dazu heute Morgen noch recht harmlose Röntgen-Beispielbilder ab, die mich die ganze Unruhe als Unfug abtun ließen.

Wenn eine neue Technologie dafür sorgt, dass Passagieren noch mehr vermeintliche Waffen abgenommen werden können als bisher, finde ich das nämlich erstmal gut. Noch dazu würde der kurze Gang durch den Scanner einem das lästige Ablegen von Gürtel, Schmuck, vielleicht sogar Schuhen abnehmen – und das Abtasten, falls es danach doch noch piept. Gerade wenn man in einer großen Gruppe reist wie mein Englischkurs jüngst nach London, würde einem das sicher eine Menge Zeit ersparen.

Jetzt habe ich das aber nochmal recherchiert und diese Bilder gefunden. Da schluckt man dann schon. Zieht das Argument, dass man sich beim Arzt doch auch auszieht, obwohl es unangenehm ist – eben weil es der eigenen Gesundheit dient? Oder drehen die Sicherheitsabteilungen der Flughäfen jetzt völlig durch?

Die Diskussionen über einen Angriff auf die Menschenwürde kann ich nach dem Betrachten dieser Aufnahmen jedenfalls schon besser verstehen als noch heute Morgen. (Über die Würde des Menschen habe ich ja übrigens auch schonmal was geschrieben.)

Aus gegebenem Anlass hier noch die Top 3 der Gegenstände, die uns am Flughafen abgenommen wurden, als wir nach London reisten:

1. Julians Regenschirm: Auf der Hinfahrt durfte er noch mit, in London musste er ihn dann aber vor den Sicherheitsschranken zurücklassen. Dabei hatte der Schirm nichtmal eine spitze Spitze, sondern war wohl einfach nur zu groß.

2. Mein Joghurt: Okay, das war blöd. Aber was ich nicht trinke, nehme ich auch nicht als Flüssigkeit wahr.

3. Michaels Tipp-Ex: Hoch endzündlich, vor allem in Verbindung mit dem Zippo, das Micha auch noch dabei hatte. Da musste er zum Glück nur die Watte herausnehmen.

Das Schlimmste, was ich mal am Flughafen abaufgeben musste: Meine violette Bastelschere. Die hatte ich noch aus der Grundschule!

Das Schlimmste, was ich beinahe mal am Flughafen abgeben hätte müssen: Meinen USB-Stick. An sich nichts Gefährliches, aber wenn er in einem roten Gehäuse mit weißem Kreuz steckt, dass auch noch mehrere Messer, eine Schere und eine Pinzette enthält, sollte sowas eigentlich nicht ins Handgepäck. Dass ein Schweizer Taschenmesser nicht in ein Flugzeug gehört, begreift schon meine kleine Cousine – doch der Angestellte am Klagenfurter Flughafen war schlichtweg zu blöd.

Wo ich war?

In London, finally!

Leider habe ich im Moment weder Fotos noch Zeit, mich hinzusetzen, um darüber zu schreiben. Aber dafür wird es in ein paar Wochen einen dicken Film geben! Und neue hurra!-Einträge auch.

“Sie müssen die Welt durch ein Weitwinkelobjektiv betrachten”

Ich mag diesen Brief von Madeleine Albright an die US-Präsidentschaftskandidaten.

Kofi, ich und ganz viele andere

Wenn Ferien sind, fahre ich eigentlich immer einmal nach Münster. Um das Ferienticket auszunutzen, das dann für den Nahverkehr in ganz Nordrhein-Westfalen gilt, und ein paar tiefe Züge Münsteraner Luft zu einzuatmen. Diese Stadt nimmt mich immer wieder gefangen mit ihrem Kopfsteinflaster und den Fahrradfahrern, den Schlangen vorm Bäcker und den vielen kleinen Geschäften, die alle großen Ketten auf eine einzige Straße verbannen. Aber das hier soll nicht noch eine große Lobhudelei werden, ich wollte nur kurz zeigen, was ich dieses Mal in Münster erlebt habe:

Kofi Annan hat zusammen mit der Gemeinschaft junger Malteser den Preis des Westfälischen Friedens verliehen bekommen, und zwar gestern. Da kam ich zufällig vorbei. Ich konnte ihn nicht sehen, meine Kamera (am ausgestreckten Arm) jedoch schon. Findet ihr ihn im Bild?