„Die Deutsche Welle war ein Jahr lang meine Brücke nach Deutschland“, erinnert sich Josche van der Ven, 17. Er ist vor kurzem von seinem Austauschjahr in Argentinien zurückgekehrt. Beim Zappen stieß er dort auf das Programm des deutschen Auslandsrundfunks. „Ich habe regelmäßig die deutschen Nachrichten angesehen“, sagt er. „Und gleich im Anschluss noch die spanischen. So blieb ich auf dem Laufenden und konnte mir immer wieder ein bisschen deutsche Kultur nach Argentinien holen.“
Als „Brücke zur Heimat“ für Deutsche, die im Ausland leben und arbeiten, versteht sich die Deutsche Welle auch selbst – jedoch nicht hauptsächlich. Vordergründig geht es ihr um die Vermittlung der deutschen Kultur in die ganze Welt.
Seit 55 Jahren gibt es das Medienunternehmen schon. Inzwischen arbeiten 1500 Mitarbeiter aus mehr als 60 Ländern für die Radio-, Fernseh- und Online-Redaktionen. Sie produzieren Inhalte in 30 verschiedenen Sprachen, die man in aller Welt empfangen kann.
Wer als Journalist also international arbeiten möchte, ist bei der Deutschen Welle genau richtig. Zum Sender gehört nämlich auch noch ein Ausbildungszentrum, die DW-Akademie. Sie bildet zum Einen Journalisten in Entwicklungsländern aus, um die Unabhängigkeit und Professionalität der Medien dort zu fördern.
Für deutsche Jungjournalisten gibt es außerdem die Möglichkeit, ein Volontariat zu machen. Das ist eine 18-monatige Journalismusausbildung in verschiedenen Bereichen der Deutschen Welle. „Wir unterscheiden zwischen zwei verschiedenen Varianten“, erklärt Dr. Andrea Rübenacker, Bereichsleiterin Afrika der Akademie. „Es gibt das Fremdsprachenvolontariat für Journalisten aus aller Welt, die neben ihrer Muttersprache auch noch fließend Deutsch sprechen. Außerdem bieten wir ein normales Programmvolontariat an.“
Je zehn Volontäre werden jährlich angenommen. Sie müssen ein anspruchsvolles Auswahlverfahren hinter sich bringen: Aus zahlreichen Online-Bewerbern werden nur 100 zur zweiten Runde zugelassen, in welcher sie eine Reportage zu einem vorgegebenen Thema schreiben müssen. Anhand der eingereichten Texte wird wiederum ein Drittel der Bewerber ausgesucht und zur letzten Runde nach Bonn in den Hauptsitz der Deutschen Welle eingeladen.
Dort verbrachte auch Peter Dewelaers, 28, zwei Tage mit zahlreichen Tests und Übungen. „Neben den üblichen Wissenstests musste ich Nachrichten schreiben, einen Aufsager machen, Online-Teaser formulieren. Diese Aufgaben wurden jeweils von verschiedenen Redakteuren der Deutschen Welle bewertet. Die Bewerber, die am Schluss die meisten Punkte hatten, gingen dann in ein Auswahlgespräch.“
Auch das hat Peter gemeistert. Seit einem Jahr ist er Volontär bei der Deutschen Welle, die er inzwischen ziemlich gut kennt. Er hat schon in der Nachrichten- und der Wirtschaftsredaktion gearbeitet, im Hauptstadtstudio und für das englische Programm. Jeden Monat wechselt er die Station. „Das ist natürlich gut, weil man dadurch viel kennenlernt und später weiß, an wen man sich mit bestimmten Themenvorschlägen wenden muss“, sagt er. „Es hat aber auch Nachteile. Oft braucht man zwei Wochen, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen – und dann muss man schon fast wieder weg. Manchmal leidet da die Produktivität.“
Trotzdem bereut er seine Entscheidung für das Volontariat nicht. „Ich lerne hier, richtig gut Radio und Fernsehen zu machen. Zwischen den Stationen haben wir Seminare. Dort bringen uns Redakteure der Deutschen Welle die Theorie bei, die sich anschließend in den Redaktionen gleich in die Praxis umsetzen lässt.“
Die vier- bis sechswöchigen Seminare stellen eine weitere Abwechslung zu den ständig neuen Arbeitsumfeldern dar. Themen sind zum Beispiel Videojournalismus, Live-Aufsager oder Recherche.
Ein Höhepunkt des Volontariats ist die externe Wahlstation. Die Auszubildenden dürfen sich selbst aussuchen, ob sie einen Monat für CNN in Atlanta oder das deutsche Radio in Namibia arbeiten möchten.
„Mein Fokus lag schon immer auf Lateinamerika“, sagt Peter Dewelaers. „Ich spreche fließend Spanisch und habe zum Beispiel mein Studium der Sozialwissenschaften mit einer Diplomarbeit über Mexiko abgeschlossen.“
Er weiß, dass ihm das schon bei der Bewerbung geholfen hat. „Bei der Deutschen Welle wird viel Wert auf Auslandserfahrung und Fremdsprachkompetenz gelegt. Exotische Sprachen wie Arabisch oder Kisuaheli kommen besonders gut an.“
Das bestätigt auch Andrea Rübenacker. „Wer Auslandsjournalist werden will, sollte sich möglichst früh einen Schwerpunkt suchen und diesen durch das Erlernen der Sprache, aber zum Beispiel auch durch ein Studium verfestigen.“ Es komme schließlich auch darauf an, ein Gespür für die Kultur und die Menschen eines Landes zu entwickeln.
Bei der Auswahl dieses Schwerpunktes müssen manchmal ganz simple Dinge wie das eigene Geschlecht beachtet werden. „In gewissen Gebieten ist es als Frau extrem schwierig, Korrespondentin zu sein“, sagt Andrea Rübenacker. „Häufig sind das muslimische Länder. Die Deutsche Welle hat aber auch dort Journalistinnen, die einen tollen Job machen. Das sind sehr toughe Frauen mit langjähriger Erfahrung.“
Sie warnt auch davor, ein zu verträumtes Bild vom Korrespondentenberuf zu haben. „Vor allem, wenn man in einem Land neu anfängt, kann es sehr schwer sein, weil man noch völlig auf sich gestellt ist und niemanden kennt. Dafür braucht es eine gewisse Stärke, ein Stehen in sich selbst.“
Auch das Gespür dafür, welche Themen die Redaktionen in Deutschland brauchen, gehe mitunter verloren. „Es ist eine Herausforderung, eine Geschichte zu verkaufen an eine Redaktion, die das Land nicht so gut kennt wie man selbst. Man hat ja einen ganz anderen Blickwinkel.“
Das weiß auch Peter Dewelaers. Er plant, nach seinem Volontariat als freier Journalist für verschiedene Medien zu arbeiten. Denn dass die abgeschlossene Ausbildung gleich die Eintrittskarte in ein Auslandsstudio ist, kann er sich nicht vorstellen. „Die wenigsten Journalisten verbringen doch ihr ganzes Leben als Korrespondenten. Das ist eher eine Phase des Berufslebens, die man sich erarbeiten muss“, sagt er. „Ich stelle mich darauf ein, erst einmal als Reporter in Deutschland zu bleiben. Aber wenn dann das Angebot kommt, sage ich bestimmt nicht nein!“
Tagungsschrift zur youth media convention 2008, September 2008


Ich warte ja sehnsüchtig auf den 10.10. wenn Heureka erscheint…
PS.: http://fm4.orf.at/connected/224093/main am Mittwoch Abend ;)
*arghl* – der Kommentar sollte eigentlich zu tomte…
Ich habe letztes Jahr mein studienvorbereitendes Praktikum bei DW-TV gemacht, und ich wage zu behaupten, es waren bislang die drei schönsten und lehrreichsten Monate meines Lebens. Ich war in der Redaktion von euromaxx (“Leben und Kultur in Europa”) und habe viele Beiträge drehen können, auch im Ausland, das war wirklich eine ganz besondere Erfahrung. Man lernt alle Produktionsschritte einer Fernsehsendung kennen, von der Redaktionskonferenz über den Schnitt und die Vertonung der eigenen Texte und Bilder bis hin zur Sendekritik der vergangenen Woche.
Und wenn ich nach dem Essen in der Kantine noch etwas zeitlichen Freiraum hatte, habe ich mich in den Regieraum neben das Nachrichtenstudio gesetzt und zugesehen, wie das Journal gefahren wurde.
Meine Zeit bei der Deutschen Welle möchte ich nicht missen!
Ach, zur Youth Media Convention gehst du also? Habe ich auch überlegt. Wird sicher gut.
Ja, es ist wirklich gut! Warum hast du es dir anders überlegt?
Hallo Flo,
Letztes Jahr über habe ich immer euromaxx geguckt – vielleicht habe ich ja auch mal etwas gesehen, woran du mitgearbeitet hast.
DW-TV überzeugt mich immernoch, auch wieder hier in Deutschland – es gibt übrigens auch jede Menge podcasts wöchentlich erneuert zum Herunterladen..!
Wie bist du an den Peter Deselaers herangekommen Eva?
Hört sich sehr interessant an….!
Der Kontakt zu Peter wurde mir von Frau Rübenacker vermittelt. Du hast mich auch auf einen Tippfehler hingewiesen, der leider noch im Text steckte – er heißt nämlich Dewelaers und nicht Deselaers. Mist!